Wer einen kleinen, anhänglichen Begleithund sucht, landet schnell bei der Frage Shih Tzu oder Havaneser. Beide gehören zur FCI-Gruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde), beide tragen langes, seidiges Fell und hängen sehr an ihren Menschen. Doch zwischen diesen zwei Rassen gibt es einen Unterschied, der schwerer wiegt als Fellfarbe, Charakter oder Preis: ihre Gesundheit. Der Havaneser ist ein vergleichsweise robuster Hund mit natürlicher Kopfform. Der Shih Tzu dagegen ist eine brachyzephale (kurzköpfige) Rasse – und damit kein normaler Kauf wie jeder andere, sondern eine Entscheidung mit gesundheitlichen Folgen, die du kennen solltest.
Dieser Ratgeber vergleicht beide Rassen ehrlich: Charakter, Pflege, Alltag und Kosten – aber auch die Gesundheit, die in vielen Vergleichen unter den Tisch fällt. Am Ende weißt du nicht nur, ob Shih Tzu oder Havaneser besser zu deinem Leben passt, sondern auch, worauf du bei jeder der beiden Rassen wirklich achten musst.
Der schnelle Überblick: Shih Tzu und Havaneser im Vergleich
Bevor es um Charakter und Alltag geht, hier die wichtigsten Eckdaten im direkten Shih Tzu Vergleich mit dem Havaneser – inklusive der Gesundheitsfrage, die den größten Unterschied macht.
| Eigenschaft | Shih Tzu | Havaneser |
|---|---|---|
| Herkunft | Tibet / China | Kuba |
| Temperament | Zärtlich, spielerisch, aufgeschlossen, teils eigensinnig | Intelligent, aufgeschlossen, lustig, sehr gelehrig |
| Größe (Schulterhöhe) | etwa 25–27 cm | 23–27 cm (FCI-Standard) |
| Gewicht | etwa 4–7 kg | etwa 4–7 kg |
| Kopfform / Anatomie | Brachyzephal – sehr kurze Schnauze (im FCI-Standard mit rund 2,5 cm angegeben) | Natürliche, mittellange Schnauze |
| Gesundheitsprofil | Brachyzephale Risiken: Atemnot (BOAS), Augenprobleme, Hitzeempfindlichkeit; auf deutschen Qualzucht-Merkblättern geführt | Vergleichsweise robust; zu beachten v. a. Patellaluxation und erbliche Augenerkrankungen |
| Felltyp | Dicht, langes Deckhaar ohne nennenswerte Unterwolle | Langes, weiches Deckhaar, schwach entwickelte Unterwolle |
| Energielevel | 2 von 5 (eher ruhig) | 3 von 5 (moderat aktiv) |
| Trainierbarkeit | 3 von 5 (benötigt etwas Geduld) | 5 von 5 (sehr leicht trainierbar) |
| Pflegeaufwand | 5 von 5 (sehr hoch) | 4 von 5 (hoch) |
| Haarausfall | 1 von 5 (sehr gering) | 1 von 5 (sehr gering) |
| Lebenserwartung | 10–16 Jahre (bei moderatem, nicht überzüchtetem Typ tendenziell länger) | 13–15 Jahre |
| Anschaffung | Adoption aus dem Tierschutz empfohlen; im Handel typischerweise etwa 1.200–2.500 EUR | Bei verantwortungsvollen Züchtern typischerweise etwa 1.800–3.000 EUR |
Gesundheit: der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Rassen
Der wichtigste Punkt in diesem Vergleich ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Gesundheitsfrage. Der Shih Tzu gehört zu den brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen. Seine sehr kurze Schnauze – der FCI-Standard nennt einen Fang von rund 2,5 cm – ist kein harmloses Schönheitsmerkmal. Je extremer auf ein flaches Gesicht gezüchtet wird, desto häufiger treten Atemprobleme auf, medizinisch als Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS) bezeichnet. Betroffene Hunde bekommen schlechter Luft, schnarchen, geraten schnell außer Atem und vertragen Hitze und Anstrengung nur eingeschränkt.
Deshalb wird der Shih Tzu in Deutschland gemeinsam mit anderen kurzköpfigen Rassen im Rahmen des Qualzucht-Paragrafen §11b Tierschutzgesetz diskutiert und auf tierärztlichen Qualzucht-Merkblättern geführt. Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Shih Tzu leidet – aber es bedeutet, dass die Zuchtrichtung des Rassestandards Merkmale begünstigt, die einem Hund das Atmen erschweren können. Zu den kurzen Atemwegen kommen bei vielen Shih Tzu große, hervortretende Augen, die anfällig für Verletzungen und Reizungen sind, sowie eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Sommerhitze. Das ist der Grund, warum wir den Shih Tzu bei HonestDog nicht als beliebige Kaufoption neben dem Havaneser behandeln.
Der Havaneser hat dagegen eine natürliche, mittellange Kopfform und leidet nicht unter brachyzephalen Atemwegsproblemen. Er gilt als vergleichsweise robuster, langlebiger kleiner Hund. Ganz ohne Schwachstellen ist aber auch er nicht: Wie bei vielen Kleinrassen sollte man auf die Patellaluxation (Verlagerung der Kniescheibe) achten, außerdem kommen erbliche Augenerkrankungen wie Katarakt (Grauer Star) und Progressive Retinaatrophie (PRA) vor. Verantwortungsvolle Havaneser-Züchter lassen ihre Elterntiere entsprechend untersuchen. Mehr zu Wesen und Gesundheit findest du im Havaneser Rasseprofil und im Shih Tzu Rasseprofil.
Charakter und Temperament: Aristokrat trifft auf kubanischen Clown
Um das Wesen eines Hundes zu verstehen, hilft ein Blick darauf, wofür er ursprünglich gezüchtet wurde. Der Shih Tzu war in den chinesischen Kaiserpalästen ein reiner Gesellschaftshund: schön aussehen, Nähe geben, die Hände der Aristokraten wärmen. Diese Herkunft zeigt sich bis heute in seinem stolzen, gelassenen Auftreten. Er ist liebevoll und fröhlich, hat aber auch einen gewissen Eigensinn. Rufst du einen Shih Tzu, überlegt er manchmal erst, ob sich das Kommen gerade lohnt.
Der Havaneser bringt eine andere Geschichte mit. Als Nationalhund Kubas und Liebling der dortigen High Society im 18. und 19. Jahrhundert, später auch als gewitzter Straßen- und Zirkushund, musste er durch Charme und Cleverness überzeugen. Das macht ihn zu einem sehr intelligenten, verspielten und menschenbezogenen Begleiter, der es liebt, im Mittelpunkt zu stehen und Neues zu lernen.
Wer lernt schneller?
Bei der Trainierbarkeit liegt der Havaneser klar vorn (5/5). Er ist ein klassischer „Will-to-please"-Hund, lernt Kommandos schnell und eignet sich sogar für Dogdancing oder Agility im kleinen Rahmen. Der Shih Tzu erreicht eine Trainierbarkeit von etwa 3/5 – nicht weil er dumm wäre, sondern weil er selektiv motiviert ist. Er braucht liebevolle, geduldige Konsequenz und gute Leckerlis, um zuverlässig mitzuarbeiten.
Alltag und Energielevel
Beide Rassen gelten als gut stadttauglich, ihr Energielevel ist aber unterschiedlich. Der Shih Tzu (2/5) liebt seine Ruhephasen; ein gemütlicher Spaziergang um den Block reicht ihm an ruhigen Tagen oft. Wichtig: Wegen seiner Atemwege sollte man ihn nicht überfordern und bei Hitze besonders schonen. Der Havaneser (3/5) hat etwas mehr Temperament, rennt gerne und fordert Spielzeiten aktiver ein.
Pflege und Haltung: Schönheit hat ihren Preis
Wer sich für einen langhaarigen Begleithund entscheidet, muss Zeit für die Fellpflege einplanen. Beide Rassen haaren sehr wenig (Haarausfall 1/5), was sie zu angenehmen Mitbewohnern macht, wenn man keine Hundehaare auf dem Sofa mag. Genau dieses fehlende Haaren führt aber dazu, dass das Fell stetig wächst und regelmäßig gepflegt werden muss.
Der Pflegeaufwand im Detail
Das lange, weiche Deckhaar des Havanesers ist wunderschön, muss aber täglich gebürstet werden, um Verfilzungen zu vermeiden. Seine schwach entwickelte Unterwolle erleichtert das Kämmen etwas (Pflegeaufwand 4/5). Der Shih Tzu setzt hier noch einen drauf (Pflegeaufwand 5/5): Sein dichtes Haar neigt stark zu Knoten, tägliches Kämmen ist Pflicht. Viele Halterinnen und Halter entscheiden sich für einen kurzen „Puppy Clip", der den Alltag erleichtert, aber alle sechs bis acht Wochen einen Termin im Hundesalon erfordert.
Augen- und Ohrenpflege
Besonders beim Shih Tzu ist die Gesichtshygiene wichtig. Durch die kurze Kopfform und die großen Augen tränen diese leichter, und das lange Haar im Gesicht muss zusammengebunden oder gekürzt werden, damit es die Hornhaut nicht reizt. Bei beiden Rassen gehört die regelmäßige Ohrenkontrolle dazu, da behaarte Schlappohren zu Entzündungen neigen. Auch die Zähne verdienen Aufmerksamkeit: Kleine Rassen mit engem Kiefer neigen zu Zahnstein, deshalb sollte Zähneputzen von Welpenbeinen an geübt werden.
Kosten und Anschaffung: was du realistisch einplanen solltest
Beim Havaneser ist der Weg klar: Er ist eine gesunde Rasse, und ein Welpe aus verantwortungsvoller Zucht mit untersuchten Elterntieren kostet typischerweise etwa 1.800 bis 3.000 Euro. Achte dabei auf einen Züchter, der Patella und Augen der Elterntiere untersuchen lässt.
Beim Shih Tzu sieht die Empfehlung anders aus. Weil die Rasse brachyzephale Gesundheitsrisiken mitbringt, raten wir davon ab, die Nachfrage nach immer neuen Welpen anzuheizen. Im Handel liegt der Preis zwar oft zwischen etwa 1.200 und 2.500 Euro, doch in Tierheimen und beim Rasse-spezifischen Tierschutz warten immer wieder Shih Tzu auf ein neues Zuhause – vom Welpen bis zum ruhigen Senior. Wer sein Herz an diese Rasse verloren hat, schaut daher am besten zuerst bei der Adoption. So gibst du einem Hund ein Zuhause, ohne die Nachfrage nach einer problematischen Zuchtrichtung zu verstärken.
Unabhängig von der Herkunft sind die Anschaffungskosten nur der Anfang. Bei beiden Rassen kommen laufende Kosten für den Hundefriseur (etwa 40 bis 80 Euro pro Besuch, oft alle zwei Monate), hochwertige Ernährung, Tierarzt, Hundesteuer und Versicherung hinzu. Beim Shih Tzu solltest du zusätzlich mit möglichen Tierarztkosten rund um Atemwege und Augen rechnen.
Zielgruppe: Für wen eignet sich welche Rasse besser?
Kein Hund passt zu jedem Menschen. Schauen wir uns an, welche Lebenssituation nach welcher Rasse ruft – und wo die Gesundheit mitentscheidet.
Für Familien mit Kindern
Beide Rassen sind kinderlieb und robust genug fürs Familienleben, ohne kleine Kinder umzustoßen. Die Tendenz geht hier leicht zum Havaneser: Durch sein höheres Energielevel und seine Verspieltheit hält er beim Toben und Apportieren oft länger mit. Der Shih Tzu zieht sich eher zurück, wenn es ihm zu wild wird – und darf wegen seiner Atemwege ohnehin nicht überhitzen.
Für Singles, Senioren und ruhige Haushalte
Wenn du ein ruhiges Leben führst und einen entspannten Begleiter suchst, passt das gelassene Wesen des Shih Tzu gut in deinen Alltag. Gerade dann lohnt sich der Blick ins Tierheim: Ein erwachsener Shih Tzu ist im Charakter bereits gefestigt, und du kannst gemeinsam mit der Tierschutzorganisation auf einen möglichst moderat gebauten, gut atmenden Hund achten. Der Havaneser ist die passendere Wahl, wenn du etwas mehr Bewegung und Beschäftigung anbieten möchtest.
Für Hundeanfänger
Stehst du als Ersthundehalter vor der Wahl Shih Tzu oder Havaneser, ist der Havaneser oft die leichtere Option. Seine hohe Trainierbarkeit (5/5) verzeiht Anfängerfehler schneller, er möchte gefallen und versteht rasch, was du von ihm willst. Der Shih Tzu braucht durch seinen charmanten Eigensinn jemanden, der ruhig und konsequent bleibt.
Für Stadtbewohner
Hier steht es unentschieden: Beide sind gute Stadthunde. Sie bellen nicht übermäßig, brauchen keinen großen Garten und kommen mit Trubel gut zurecht, wenn sie von klein auf daran gewöhnt werden. Beim Shih Tzu gilt in der Stadt zusätzlich: an heißen Tagen Spaziergänge in die kühleren Morgen- und Abendstunden legen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist mit dem Havaneser-Shih-Tzu-Mix?
Ein Havaneser-Shih-Tzu-Mix (auch als Malteser-Havaneser-Shih-Tzu-Mischling gehandelt) wird oft als „das Beste aus beiden Welten" beworben. Ehrlich betrachtet ist das nicht garantiert: Ein Mischling kann die kurze Schnauze und die brachyzephalen Atemwegsprobleme des Shih Tzu erben – oder eben die natürlichere Kopfform des Havanesers. Das lässt sich vorher nicht sicher planen. Wenn dich ein solcher Mix interessiert, achte auf die Kopf- und Schnauzenform des konkreten Hundes und darauf, dass er frei atmet. Auch hier ist die Adoption aus dem Tierschutz der ehrlichere Weg als der gezielte Kauf.
Können Shih Tzu und Havaneser gut alleine bleiben?
Beide wurden ausschließlich als Begleithunde gezüchtet (FCI-Gruppe 9) und wollen bei ihren Menschen sein. Entsprechend schwer fällt beiden das Alleinbleiben. Mit geduldigem Training im Welpenalter lernen sie, einige Stunden allein zu Hause zu verbringen. Wer jedoch Vollzeit außer Haus arbeitet und den Hund nicht mitnehmen kann, wird mit keiner der beiden Rassen glücklich.
Sind diese Rassen für Allergiker geeignet?
Hunde, die kaum haaren, gelten oft als „hypoallergen" – das ist aber zu relativieren: Es gibt keine hundertprozentig allergiefreien Hunde. Allergien werden meist durch Hautschuppen oder Speichel ausgelöst, nicht nur durch Haare. Dennoch berichten viele leichte Allergiker, dass sie auf Havaneser und Shih Tzu dank der fehlenden Unterwolle besser reagieren. Ein ausgiebiger Kontakt vorab ist für Allergiker trotzdem Pflicht.
Wie verträglich sind sie mit anderen Hunden und Haustieren?
Beide Rassen sind in der Regel gut verträglich (etwa 4/5). Sie haben meist keinen ausgeprägten Jagdtrieb, weshalb das Zusammenleben mit Katzen bei früher Gewöhnung gut funktioniert. Der Havaneser begrüßt Artgenossen im Park oft überschwänglich, während der Shih Tzu Fremdhunden anfangs eher gelassen-zurückhaltend begegnet, bevor er auftaut.
Bellen diese Hunde viel?
Weder Shih Tzu noch Havaneser sind klassische „Kläffer". Sie schlagen kurz an, wenn es klingelt, beruhigen sich aber schnell wieder. Für Mietwohnungen mit direkten Nachbarn sind beide daher gut geeignet.
Fazit: Charakter entscheidet – Gesundheit auch
Die Wahl zwischen Shih Tzu und Havaneser ist keine reine Geschmacksfrage. Beim Charakter gilt: Der Havaneser ist der fröhlichere, leichtführigere Alltagsbegleiter, der Shih Tzu der ruhigere, eigensinnige Schmusehund. Bei der Gesundheit ist der Unterschied aber deutlicher, als viele Vergleiche zugeben – und er sollte in deine Entscheidung einfließen.
Der Havaneser ist eine vergleichsweise gesunde Rasse, die du guten Gewissens bei verantwortungsvollen Züchtern suchen kannst. Der Shih Tzu ist eine brachyzephale Rasse mit angezüchteten Risiken für Atmung und Augen; hier führt der ehrliche Weg über die Adoption und über die Wahl eines möglichst moderat gebauten Hundes, statt die Nachfrage nach immer neuen Welpen zu befeuern.
Bei HonestDog geht es genau darum: nicht darum, dir irgendeinen Hund zu verkaufen, sondern darum, dass Mensch und Hund gesund und langfristig zusammenpassen. Informiere dich weiter in unseren Rasseprofilen und geprüften Inseraten und triff eine Entscheidung, mit der ihr beide gut leben könnt.
