| Merkmal | Typischer Wert / Ausprägung |
|---|---|
| Erste Läufigkeit | Zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat (früher bei kleinen Rassen) |
| Zyklusintervall | Etwa alle 6 bis 7 Monate (individuell 5 bis 12 Monate) |
| Gesamtdauer der Hitze | Durchschnittlich 21 Tage (Spanne: ca. 2 bis 4 Wochen) |
| Fruchtbare Tage (Stehzeit) | Meist circa 5 bis 9 Tage in der zweiten Phase (Östrus) |
| Wechseljahre | Nein, Hündinnen bleiben lebenslang läufig |
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Was ist die Läufigkeit bei der Hündin?
Als Läufigkeit – in der Umgangssprache häufig auch als „Hitze“ bezeichnet – wird der fruchtbare Abschnitt im Sexualzyklus unkastrierter Hündinnen bezeichnet. Anders als die Menstruation beim Menschen, bei der eine abgestoßene Schleimhaut nach ausbleibender Befruchtung abgeblutet wird, handelt es sich beim Hund um eine Vorbereitungsphase (Aufbaublutung). Die Schleimhaut der Gebärmutter schwillt unter dem Einfluss steigender Östrogenspiegel stark an, und rote Blutkörperchen treten durch die Gefäße in das Lumen der Gebärmutter über.
Dieser Vorgang signalisiert die biologische Fortpflanzungsbereitschaft. Hündinnen kennen im Gegensatz zu Menschen keine Menopause: Sie durchlaufen diesen Zyklus bis an ihr Lebensende, auch wenn im Seniorenalter die Fruchtbarkeit sinkt und die Abstände zwischen den Zyklen länger werden können.
Wann beginnt die Läufigkeit von Hündinnen und wie oft tritt sie auf?
Die erste Läufigkeit markiert den Eintritt in die Geschlechtsreife. Der genaue Zeitpunkt hängt eng mit der Körpergröße und der Endgröße der jeweiligen Rasse zusammen: Bei kleinen Hunden tritt die erste Hitze oft schon mit 6 bis 8 Monaten ein, sobald sie rund zwei Drittel ihres ausgewachsenen Gewichts erreicht haben. Bei sehr großen Rassen oder Spätentwicklern kann es dagegen bis zum 18. oder gar 24. Lebensmonat dauern. Wenn du dir einen Überblick über typische Entwicklungsphasen verschaffen möchtest, hilft dir unser Rassen-Finder beim Vergleich verschiedener Größenkategorien.
Im Schnitt werden die meisten Hündinnen zweimal pro Jahr läufig – also etwa alle 6 bis 7 Monate. Manche ursprünglichen Rassen wie der Basenji oder wolfsnahe Hunde werden biologisch bedingt nur einmal im Jahr läufig. Nach der ersten Hitze benötigt der hormonelle Regelkreis oft noch ein bis zwei Zyklen, bis sich ein verlässlicher Rhythmus eingependelt hat.
Phasen der Läufigkeit bei Hündinnen: Der Zyklus im Detail
Tiermedizinisch gliedert sich der Zyklus in vier aufeinanderfolgende Phasen. Die ersten beiden Phasen bilden das, was Halter im Alltag als die eigentliche Läufigkeit wahrnehmen. Wie das Fachportal Tiermedizinportal darlegt, gliedert sich der Zyklus in Vorbrunst, Brunst, Nachbrunst und die Ruhephase:
1. Proöstrus (Vorbrunst)
Die Vorbrunst dauert im Schnitt rund 9 Tage, wobei Schwankungen von 3 bis 17 Tagen physiologisch normal sind. In dieser Phase reifen die Eibläschen an den Eierstöcken heran, und die Konzentration des Hormons Östrogen steigt. Äußerlich erkennst du diese Phase daran, dass die Scham (Vulva) deutlich anschwillt und fest wird. Es tritt blutiger, dunkelroter Scheidenausfluss aus.
Rüden nehmen die Witterung bereits über große Entfernungen wahr und zeigen starkes Interesse. Die Hündin selbst lässt eine Paarung in dieser Phase jedoch noch nicht zu: Sie setzt sich ab, dreht sich weg oder knurrt allzu aufdringliche Annäherungsversuche vehement ab.
2. Östrus (Brunst bzw. Standhitze)
Auf die Vorbrunst folgt die eigentliche Brunst, auch Standhitze genannt, die meist 5 bis 9 Tage andauert. Der Ausfluss verändert seine Farbe und Konsistenz: Er wird heller, wässrig bis fleischwasserfarben oder strohgelb. In dieser Phase sinkt der Östrogenspiegel, während das Hormon Progesteron ansteigt und der Eisprung (die Ovulation) ausgelöst wird.
Jetzt ist die Hündin tatsächlich fruchtbar und deckbereit. Nähert sich ein Rüde, bleibt sie wie angewurzelt stehen, winkelt die Rute zur Seite ab und präsentiert ihre Scham. Tierärzte weisen darauf hin, dass manche Hündinnen auch ohne offensichtlichen Farbumschlag des Sekrets empfängnisbereit sind – optische Merkmale allein sind daher kein absolut sicherer Gradmesser.
3. Metöstrus (Nachbrunst)
Der Metöstrus beginnt, sobald die Hündin keine Deckbereitschaft mehr zeigt. Die Schwellung der Scham geht zurück und der Ausfluss versiegt vollständig. Diese Phase dauert etwa 60 bis 90 Tage. Unabhängig davon, ob die Hündin gedeckt wurde oder nicht, produzieren die Gelbkörper an den Eierstöcken nun Progesteron, um den Körper auf eine Trächtigkeit einzustellen. Gegen Ende dieser Phase fällt der Progesteronspiegel wieder ab, während das Hormon Prolaktin ansteigt – dies ist der hormonelle Mechanismus, der zur Scheinträchtigkeit führen kann.
4. Anöstrus (Ruhephase)
Der Anöstrus ist die hormonelle Ruhepause zwischen zwei Zyklen. Die Sexualhormone befinden sich auf einem stabilen Basisniveau, und die Schleimhaut der Gebärmutter regeneriert sich. Diese Phase dauert je nach individuellem Rhythmus mehrere Wochen bis einige Monate und geht unbemerkt in den nächsten Proöstrus über.
Typische Anzeichen und Verhalten: Hündin in der Läufigkeit erkennen
Die Anzeichen für den Beginn der Läufigkeit bei Hunden teilen sich in körperliche Signale und auffälliges Verhalten auf. Nicht jedes Tier zeigt alle Merkmale gleichermaßen stark.
- Körperliche Anzeichen: Deutliche Vergrößerung und Schwellung der Vulva, regelmäßiges Lecken im Genitalbereich sowie das Auftreten von Bluttropfen auf Liegeplätzen oder Böden.
- Häufiges Urinieren: Beim Spaziergang setzt die Hündin vermehrt winzige Mengen Urin ab (Markierverhalten), um Duftstoffe zu verteilen.
- Verändertes Energielevel: Einige Hündinnen wirken schläfrig, antriebslos oder leicht erschöpft; andere sind ruhelos, wandern nachts umher oder fordern ungewohnt viel Nähe ein.
- Schwankende Konzentration: Durch die hormonelle Umstellung sind viele Tiere draußen leicht abgelenkt, reagieren verzögert auf bekannte Signale oder scheinen vorübergehend Erlerntes zu „vergessen“.
- Verändertes Sozialverhalten: Gegenüber anderen Artgenossen können Hündinnen in dieser Zeit gereizter reagieren oder bestehende Hierarchien im Haushalt neu hinterfragen.
Besonderheiten im Zyklus: Stille Hitze und Splitöstrus
Nicht jede Läufigkeit bei einer Hündin verläuft nach Lehrbuch. Tierärztliche Fachpraxen wie die Fachexperten von AniCura beschreiben regelmäßig Zyklusvarianten, die Halter verunsichern können:
- Die stille bzw. weiße Läufigkeit: Die hormonellen Abläufe im Körper und der Eisprung finden ganz regulär statt, allerdings fehlen sichtbare äußere Anzeichen fast völlig. Die Scham schwillt kaum an und Blut tritt nicht oder nur in unmerklichen Spuren auf. Da Rüden die Pheromone dennoch riechen und die Hündin unbemerkt fruchtbar ist, birgt diese Variante ein hohes Risiko für ungewollten Nachwuchs.
- Der Split-Östrus (gespaltene Läufigkeit): Vor allem bei jungen Hündinnen während des ersten oder zweiten Zyklus bricht die Hitze nach einigen Tagen Vorbrunst plötzlich ab, ohne dass ein Eisprung stattfand. Nach einer Pause von einigen Tagen bis wenigen Wochen setzt die Läufigkeit erneut ein und wird dann meist regulär abgeschlossen.
Praxis: Hygiene und Alltag mit einer läufigen Hündin
Die Zeit der Läufigkeit verlangt vorausschauendes Handeln und etwas Rücksichtnahme im Alltag, lässt sich mit wenigen Vorkehrungen aber stressfrei bewältigen.
Umgang bei Spaziergängen
Sobald die Vorbrunst beginnt, gehört die Hündin an die kurze Leine. Eine Freilaufführung birgt in den Stehtagen ein enormes Risiko: Wittert ein unkastrierter Rüde eine paarungsbereite Hündin, überwinden manche Tiere selbst Gartenzäune oder reagieren nicht mehr auf Rufe.
- Wähle wenig frequentierte Wege und vermeide typische Hundeauslaufgebiete oder Stoßzeiten im Park.
- Signalisiere entgegenkommenden Hundehaltern frühzeitig und ruhig, dass deine Hündin läufig ist, damit diese ihre Hunde anleinen können.
- Lasse deine Hündin während der gesamten Standhitze auch im eigenen Garten nicht unbeaufsichtigt.
- Passe die geistigen Anforderungen an: Verzichte während dieser Wochen auf anstrengende Prüfungen oder intensiven Hundesport und setze stattdessen auf ruhige Suchspiele oder Schnüffelrunden zur mentalen Auslastung.
Hygiene im Wohnbereich
Die meisten gesunden Hündinnen putzen sich instinktiv sehr gründlich. Dennoch lassen sich Blutflecken auf Teppichen, Fliesen oder Polstern nicht immer vermeiden. Empfindliche Teppiche rollst du für die rund drei Wochen am besten zusammen oder deckst Lieblingsplätze mit waschbaren Laken und Decken ab.
Für den Innenbereich eignen sich spezielle Läufigkeitshöschen oder Schutzhöschen mit saugfähigen Einlagen. Wichtig: Ein solches Höschen dient rein der Wohnraumhygiene – es bietet keinen Schutz vor einem Deckakt, da ein entschlossener Rüde die Textilie leicht verschieben oder beschädigen kann. Halte die Schutzkleidung stets sauber und nimm sie regelmäßig ab, damit deine Hündin die Möglichkeit hat, ihr natürliches Putzverhalten auszuüben.
Scheinträchtigkeit und Pyometra: Risiken erkennen
Nach jeder Läufigkeit schüttet der Körper der Hündin im Metöstrus Progesteron und anschließend Prolaktin aus. Dieser evolutionäre Mechanismus stammt aus dem Wolfsrudel, wo auch nicht-tragende Hündinnen bei der Welpenaufzucht helfen und Milch bilden konnten.
Scheinträchtigkeit (Pseudogravidität)
Viele Hündinnen zeigen vier bis acht Wochen nach der Hitze leichte Anzeichen wie verstärktes Kuscheln oder ein verändertes Schlafbedürfnis. Schwellen die Gesäugeleisten an, tritt Milch aus oder beginnt die Hündin, Spielzeuge wie Welpen zu bemuttern und ein Nest zu verteidigen, liegt eine ausgeprägte Scheinträchtigkeit vor.
In leichten Fällen hilft es, die Hündin durch Bewegung abzulenken, Futtermengen leicht zu reduzieren und Spielzeuge vorübergehend wegzuräumen. Streicheln am Bauch sollte vermieden werden, da Berührungen die Milchbildung zusätzlich stimulieren. Bei schmerzhaften Gesäugeentzündungen oder extremem Stress kann die Tierarztpraxis die Hormonproduktion medikamentös dämpfen.
Gebärmutterentzündung (Pyometra)
Eine gefürchtete und potenziell lebensbedrohliche Komplikation nach der Läufigkeit ist die eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra). Sie tritt typischerweise in den Wochen unmittelbar nach der Hitze auf, wenn der Muttermund sich schließt und Bakterien im hormonell veränderten Gebärmuttergewebe günstige Bedingungen vorfinden. Suche umgehend eine Tierarztpraxis auf, wenn deine Hündin in den 4 bis 10 Wochen nach der Läufigkeit folgende Symptome zeigt:
- Stark gesteigerter Durst und auffällig häufiger Urinabsatz
- Müdigkeit, Apathie oder Futterverweigerung
- Fieber oder gespannte, schmerzhafte Bauchdecke
- Klebriger, unangenehm riechender Ausfluss aus der Scham (bei der geschlossenen Form der Pyometra bleibt dieser Ausfluss allerdings aus)
Läufigkeit unterbinden: Kastration und Alternativen
Viele Halter stellen sich die Frage, ob der Zyklus dauerhaft beendet werden sollte. In der Tiermedizin wird das Thema Kastration differenziert betrachtet. Gemäß § 6 des deutschen Tierschutzgesetzes ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Organen ohne medizinische Indikation verboten – eine Kastration bedarf daher immer einer individuellen tierärztlichen Abwägung.
Auf der einen Seite verhindert eine Kastration zuverlässig Trächtigkeiten, beendet das Risiko einer Pyometra und kann – je nach Zeitpunkt – das Risiko für hormonabhängige Mammatumoren (Gesäugetumore) senken. Auf der anderen Seite birgt jeder Eingriff unter Vollnarkose Risiken. Zu den möglichen Spätfolgen zählen je nach Rasse und Größe Harninkontinenz, Veränderungen der Fellstruktur oder Neigung zu Übergewicht. Die hormonelle Unterdrückung mittels Spritzen (Gestagene) wird in der tierärztlichen Praxis aufgrund des erhöhten Risikos für Gebärmuttervereiterungen meist nur in Ausnahmefällen angewendet. Besprich die Vor- und Nachteile ausführlich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, um den richtigen Weg für deinen Hund zu finden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange blutet eine Hündin während der Läufigkeit?
Die sichtbare Blutung tritt vor allem in der ersten Phase (Proöstrus) auf und dauert im Schnitt etwa 7 bis 10 Tage. Anschließend wird das Sekret wässriger und heller, kann aber bis zum Ende der eigentlichen Standhitze in geringeren Mengen anhalten. Insgesamt dauert die Ausflussphase meist rund zwei bis drei Wochen.
Wann genau ist die Hündin fruchtbar?
Die fruchtbare Zeit (Östrus oder Standhitze) beginnt in der Regel um den 9. bis 11. Tag nach dem ersten Auftreten der Blutung und dauert etwa 5 bis 9 Tage an. Da der genaue Zeitpunkt des Eisprungs individuell stark schwankt, nutzen Züchter zur Bestimmung oft eine Progesteronbestimmung im Blut über die Tierarztpraxis.
Was tun, wenn die Hündin ungewollt gedeckt wurde?
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem unkontrollierten Deckakt, wende dich unverzüglich an eine Tierarztpraxis. Versuche niemals, Hunde während des Hängens gewaltsam zu trennen, da dies zu schweren Verletzungen der Geschlechtsorgane führen kann. Tierärztlich kann nach sorgfältiger Beratung zeitnah eine Trächtigkeit hormonell verhindert werden.
Gibt es bei Hunden eine Menopause wie beim Menschen?
Nein. Weibliche Hunde kennen keine biologischen Wechseljahre. Eine gesunde Hündin wird bis ins hohe Alter läufig und bleibt theoretisch lebenslang fortpflanzungsfähig, auch wenn Trächtigkeiten im Seniorenalter erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Bleibt die Läufigkeit plötzlich dauerhaft aus, sollte dies tierärztlich abgeklärt werden.
Begleitung mit Sachverstand und Ruhe
Die Läufigkeit gehört zur natürlichen Entwicklung einer intakten Hündin. Mit ein wenig Planung, vorausschauendem Gassigehen an der Leine und entspannter Geduld lässt sich diese Phase im Alltag unaufgeregt meistern. Wenn du dich vor dem Einzug eines Vierbeiners über rassetypische Verhaltensweisen und Entwicklungsverläufe informieren möchtest, unterstützt dich HonestDog mit fundiertem Fachwissen und transparenten Informationen für ein harmonisches Zusammenleben.



