Um eine Zecke beim Hund zu entfernen, greifst du den Parasiten mit einer Zeckenzange, Pinzette oder Zeckenkarte direkt an der Haut und ziehst ihn langsam sowie gleichmäßig gerade heraus. Der Vorgang dauert etwa 30 Sekunden. Verzichte zwingend auf Öl, Alkohol oder ruckartiges Reißen, da die Zecke sonst vermehrt infektiösen Speichel in den Stichkanal abgibt.
| Faktor | Empfehlung für Hundehalter |
|---|---|
| Zeitpunkt | Sofort nach dem Entdecken (viele Erreger brauchen 12 bis 24 Stunden zur Übertragung) |
| Geeignetes Werkzeug | Spitze Pinzette, Zeckenhaken, Zeckenkarte oder Zeckenzange |
| Richtige Technik | Hautnah fassen, nicht quetschen, langsam und gerade herausziehen |
| Reine Dauer | Etwa 10 bis 30 Sekunden konstanter Zug, bis die Zecke loslässt |
| Tabus (Hausmittel) | Kein Öl, Klebstoff, Nagellack, Alkohol oder Feuer vor dem Ziehen verwenden |
| Nachsorge | Einstichstelle desinfizieren und bis zu 3 Wochen auf Rötungen oder Fieber achten |
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Wie kann man eine Zecke beim Hund entfernen? (Schritt-für-Schritt-Anleitung)
Wenn du eine Zecke am Hund entfernen musst, entscheiden Ruhe und die richtige Mechanik über den Erfolg. Zecken beißen nicht, sondern stechen: Sie ritzen die Haut mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen (Cheliceren) auf und verankern ihren mit Widerhaken besetzten Stechrüssel (Hypostom) fest im Gewebe. Zusätzlich sondern viele Arten kurz nach dem Stich ein zementartiges Sekret ab, das den Rüssel buchstäblich in die Haut einkittet. Mit den folgenden Schritten löst du diese Verankerung sicher.
- Hilfsmittel bereitlegen und Hund sichern: Lege dir dein Werkzeug (Zeckenzange, spitze Pinzette oder Zeckenhaken), ein mildes Hautdesinfektionsmittel, eventuell Einweghandschuhe und ein paar Leckerlis griffbereit hin. Warum das wichtig ist: Ein Hund, der merkt, dass du nervös nach Utensilien suchst, wird selbst unruhig. Wie du vorgehst: Lass deinen Hund sitzen oder liegen. Ist er sehr zappelig, bitte eine zweite Person, ihn sanft zu halten und am Kopf zu kraulen, ohne ihn schmerzhaft festzuklemmen.
- Fell scheiteln und Einstichstelle freilegen: Streiche die Haare rund um den Parasiten mit den Fingern weit auseinander. Warum das wichtig ist: Gerade bei Hunden mit dichter Unterwolle – wie dem Golden Retriever oder dem Australian Shepherd – ziehst du sonst einzelne Haare mit heraus. Das ziept stark, dein Hund zuckt zurück und die Zecke reißt ab. Wie du vorgehst: Befeuchte widerspenstiges Fell bei Bedarf minimal mit klarem Wasser, damit die Haare zur Seite liegen bleiben und du freie Sicht auf die Hautoberfläche hast.
- Zecke unmittelbar an der Hautoberfläche fixieren: Setze dein Hilfsmittel so dicht wie möglich auf der Haut deines Hundes an, um ausschließlich den Kopfbereich beziehungsweise die Mundwerkzeuge der Zecke zu greifen. Warum das wichtig ist: Der graue oder braune Hinterleib eines vollgesogenen Parasiten ist ein praller Blutsack, in dem sich Darmbakterien und Viren befinden. Drückst du diesen Körper zusammen, wirkst du wie eine Pipette und presst den infektiösen Darminhalt samt Speichel direkt in die Blutbahn deines Hundes. Wie du vorgehst: Schiebe die Kerbe von Zeckenkarte oder Zeckenhaken flach über die Haut unter den Parasiten oder setze die feine Pinzettenspitze im spitzen Winkel direkt am Hautansatz an.
- Langsam und mit konstantem Zug gerade herausziehen: Ziehe das Werkzeug nun ruhig, gleichmäßig und senkrecht von der Einstichstelle weg. Warum das wichtig ist: Durch die Widerhaken und die Kittsubstanz leistet die Haut zunächst Widerstand. Ein ruckartiges Reißen führt fast immer dazu, dass der Stechrüssel abbricht. Wie du vorgehst: Übe einen sanften, aber beständigen Zug aus und halte diese Spannung für 10 bis 30 Sekunden. Die Haut bildet dabei oft ein kleines „Zelt“. Hab Geduld – nach einigen Sekunden gibt das Gewebe nach und der Parasit gleitet vollständig heraus.
- Parasit auf Vollständigkeit prüfen und unschädlich machen: Kontrolliere nach dem Ziehen kurz, ob an der Zecke vorn die winzigen Mundwerkzeuge erkennbar sind und das Tier noch lebt. Warum das wichtig ist: Ein abgerissener Rüssel kann lokale Reizungen verursachen, und eine vollgesogene Zecke, die unachtsam im Haus verloren geht, kann dort überleben oder Eier ablegen. Wie du vorgehst: Spüle die Zecke niemals im Waschbecken oder in der Toilette herunter, da sie im Wasser lange überlebt. Falte sie stattdessen in ein Stück festes Küchenpapier und zerdrücke sie mit einem harten Gegenstand (etwa einem Glasboden) oder wirf sie in ein verschließbares Gefäß mit hochprozentigem Alkohol (mindestens 40 Prozent).
- Wunde desinfizieren und Hund belohnen: Tupfe die kleine Einstichstelle mit einem geeigneten Wundantiseptikum (beispielsweise auf Jod- oder Chlorhexidinbasis) ab, reinige dein Werkzeug und gib deinem Hund sofort seine Belohnung. Warum das wichtig ist: Die Desinfektion beugt oberflächlichen bakteriellen Hautentzündungen vor, während das Leckerli sicherstellt, dass dein Hund die Prozedur positiv verknüpft und beim nächsten Mal entspannt stillhält.
Welches Werkzeug eignet sich am besten für welchen Hund?
Auf dem Markt gibt es zahlreiche Helfer, um Zecken bei Hunden zu entfernen. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern dass du mit der Handhabung vertraut bist und das Instrument zur Größe der Zecke sowie zum Felltyp passt:
- Zeckenhaken (mit V-förmigem Schlitz): Diese kleinen Kunststoffhebel werden flach auf der Haut unter die Zecke geschoben. Da keine Zangenschenkel zusammengedrückt werden müssen, ist das Risiko einer Quetschung des Zeckenkörpers minimal. Sie sind oft im Zweierset für winzige Nymphen und große erwachsene Zecken erhältlich und funktionieren bei langem wie kurzem Fell gleichermaßen gut.
- Feinspitzige, gebogene Pinzette: Besonders für sehr kleine, noch nicht vollgesogene Zecken oder Stiche an schwer zugänglichen Stellen (wie den Augenlidern oder zwischen den Zehen) ist eine vorne spitz zulaufende Pinzette aus Metall ideal. Normale Kosmetikpinzetten mit breiter, flacher Kante sind dagegen ungeeignet, weil man mit ihnen fast zwangsläufig den Hinterleib zerdrückt.
- Zeckenzange: Der Klassiker öffnet sich meist per Federdruck auf Knopfdruck. Er ist für bereits etwas größere, gut sichtbare Zecken praktisch, erfordert bei dichtem Fell aber genaues Hinsehen, damit die Greifarme nicht den Bauch des Parasiten erwischen.
- Zeckenkarte: Sie passt in jedes Portemonnaie und ist der perfekte Begleiter für unterwegs. Bei kurzhaarigen Rassen wie dem Beagle lässt sich die Kerbe leicht unter die Zecke schieben. An stark gewölbten Körperstellen (Ohrmuschel, Pfotenballen) oder im tiefen Plüschfell stößt die starre Karte jedoch oft an ihre Grenzen.
- Zeckenschlinge (Lasso): Hier wird eine feine Kunststoffschlinge um den Kopf der Zecke gelegt und zugezogen. Das schont den Körper des Parasiten, erfordert bei zappeligen Hunden aber eine sehr ruhige Hand.
Zecken beim Hund: Zeitplan vom Spaziergang bis zur Nachkontrolle
Wenn ein Hund mit Zecken in Kontakt kommt, arbeitet die Zeit zunächst für dich. Die Parasiten stechen selten sofort zu und übertragen die meisten Krankheitserreger erst mit erheblicher Verzögerung. Wie die Bundestierärztekammer (BTK) zum Zeckenschutz erklärt, verlassen Zecken bereits ab etwa sieben Grad Außentemperatur die schützende Laubschicht und wandern auf dem Hund oft bis zu zwei Stunden umher, bevor sie eine dünnhäutige Einstichstelle wählen. Auch die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) hebt hervor, dass viele Keime im Zeckendarm erst durch die Blutmahlzeit aktiviert werden und meist 16 bis 24 Stunden benötigen, um über die Speicheldrüsen in das Tier zu gelangen.
Der folgende Zeitplan zeigt dir, wann welche Maßnahme nach dem Spaziergang sinnvoll ist:
| Zeitfenster / Phase | Was beim Hund und der Zecke passiert | Deine Aufgabe als Halter |
|---|---|---|
| 0 bis 2 Stunden nach dem Kontakt | Die abgestreifte Zecke krabbelt durch das Fell und sucht eine gut durchblutete, dünnhäutige Stelle. | Hund direkt nach dem Spaziergang gründlich abstreichen und ausbürsten; noch krabbelnde Zecken einfach absammeln. |
| 2 bis 12 Stunden nach dem Stich | Die Zecke hat sich festgesetzt. Ausnahme FSME-Viren: Diese sitzen direkt in den Speicheldrüsen und können sofort übertragen werden. Andere Erreger ruhen noch im Darm. | Fell gezielt an den bevorzugten Körperstellen (Kopf, Ohren, Brust) scheiteln und festsitzende Zecken sofort mit Werkzeug ziehen. |
| 12 bis 24 Stunden Saugdauer | Krankheitserreger wie Borrelien, Anaplasmen oder Babesien wandern in die Speicheldrüsen. Das Übertragungsrisiko steigt nun drastisch an. | Spätestens bei der abendlichen Routinekontrolle alle übersehenen Zecken restlos entfernen, ohne sie zu quetschen. |
| Tag 1 bis Tag 7 nach dem Entfernen | Der Stichkanal heilt ab. Eine kleine, erbsengroße Schwellung als lokale Immunreaktion auf den Zeckenspeichel ist oft normal. | Einstichstelle täglich kurz prüfen: Nimmt die Schwellung ab oder wird sie heiß, eitrig und schmerzhaft? |
| Woche 1 bis Woche 3 nach dem Stich | Mögliche Inkubationszeit vieler durch Zecken übertragener Infektionskrankheiten (wie Babesiose, Anaplasmose oder Borreliose). | Datum des Zeckenstichs im Kalender notieren. Bei Fieber, plötzlich wechselnder Lahmheit oder Apathie sofort zum Tierarzt gehen. |
Wo verstecken sich Zecken bei Hunden am häufigsten?
Damit du beim Absuchen keine wertvolle Zeit verlierst, solltest du die Lieblingsplätze der Spinnentiere kennen. Eine durch die Fachorganisation ESCCAP zusammengefasste Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, bei der 90 Hunde über ein Jahr begleitet wurden, belegt das Ausmaß: Die Halter fanden insgesamt 700 Zecken, und fast jeder zweite untersuchte Hund machte im Studienzeitraum eine zeckenübertragene Infektion durch. Zudem zeigte die Untersuchung, dass Zecken meist dort zustechen, wo der Hund zuerst mit hohem Gras oder Unterholz in Berührung kommt.
Kontrolliere deinen Hund nach dem Freilauf besonders gründlich an diesen Stellen:
- Kopf und Schnauze: Rund um die Lefzen, am Nasenrücken und direkt an den empfindlichen Augenlidern (hier sitzen oft winzige, stecknadelkopfgroße Larven und Nymphen).
- Ohren: Sowohl an den dünnen Ohrrändern als auch direkt in der behaarten Ohrmuschel und am Ohrgrund.
- Hals, Nacken und Brust: Oft direkt unter dem Halsband oder dem Brustgeschirr, wo es warm und geschützt ist.
- Beine und Pfoten: In den Achseln, an den Innenseiten der Schenkel sowie in den oft vergessenen Zwischenzehenräumen.
- Unterbauch und Rutenansatz: An der schwach behaarten Bauchlinie, in der Leistengegend und rund um die Afterregion.
Häufige Fehler beim Zeckenentfernen — und was stattdessen hilft
Rund um das Thema Zecken beim Hund halten sich hartnäckige Mythen aus früheren Jahrzehnten. Viele gut gemeinte Tricks bewirken im Körper des Parasiten genau das Gegenteil von dem, was du erreichen möchtest, und gefährden die Gesundheit deines Vierbeiners.
Mythos 1: Öl, Nagellack, Klebstoff oder Alkohol aufträufeln
Früher riet man oft dazu, die Zecke vor dem Ziehen mit einem Tropfen Speiseöl, Butter, Nagellackentferner, hochprozentigem Alkohol oder flüssigem Klebstoff zu bedecken, damit sie „erstickt“ und von allein loslässt. Das ist der gefährlichste Fehler beim Zecken entfernen beim Hund. Zecken atmen über winzige Öffnungen an den Körperseiten (Stigmen) und kommen stundenlang ohne Sauerstoff aus. Träufelst du reizende oder ölige Substanzen auf das Tier, gerät es in einen extremen Todeskampf. In diesem Stress gibt die Zecke ihren Magen- und Darminhalt samt Erregern vermehrt in die Wunde ab. Was stattdessen hilft: Entferne den Parasiten immer trocken und rein mechanisch. Desinfektionsmittel kommt erst auf die Haut, nachdem die Zecke vollständig gezogen wurde.
Mythos 2: Die Zecke mit Hitze oder Eisspray traktieren
Auch der Griff zum Feuerzeug oder zu vereisenden Sprays aus der Humanmedizin ist beim Hund tabu. Abgesehen davon, dass du deinem Hund durch Hitze im Fell schmerzhafte Verbrennungen zufügen kannst, regt jede thermische Reizung (schon ab Temperaturen um 35 bis 40 Grad Celsius) die Speicheldrüsensekretion der Zecke massiv an. Was stattdessen hilft: Verlasse dich ausschließlich auf ein passendes Greifwerkzeug ohne thermische Vorbehandlung.
Mythos 3: Muss man die Zecke beim Hund herausdrehen oder ziehen?
Kaum eine Frage wird unter Hundehaltern so oft diskutiert wie die, ob man Zecken bei Hunden links- oder rechtsherum herausdrehen muss. Die klare biologische Antwort lautet: Der Stechrüssel einer Zecke besitzt kein Schraubgewinde, sondern seitliche Widerhaken. Wie die unabhängige Expertenorganisation ESCCAP Deutschland zur richtigen Zeckenentfernung betont, wird ein Drehen mit klassischen Pinzetten oder Zangen nicht empfohlen, da hierbei leicht Teile der Mundwerkzeuge abreißen und in der Haut stecken bleiben.
Warum liest man dennoch manchmal vom Drehen? Es hängt vom verwendeten Werkzeug ab: Nutzt du eine Pinzette, eine Zeckenkarte oder eine normale Zange, ziehst du die Zecke immer gerade nach oben heraus. Verwendest du hingegen einen speziellen geschlitzten Zeckenhaken, ist bauartbedingt eine vorsichtige Rotation um die eigene Achse möglich, durch die sich die Widerhaken aus dem Gewebe hebeln lassen. Falls sich eine Zecke beim geraden Ziehen nach 30 Sekunden absolut nicht löst, kann ein minimaler, sanfter Hin-und-her-Impuls helfen, die Kittschicht zu lockern – niemals jedoch ein hektisches „Herausschrauben“ mit einer Zange.
Mythos 4: Die Zecke schnell mit den bloßen Fingern abknipsen
Wer unterwegs kein Werkzeug zur Hand hat, greift oft mit Daumen und Zeigefinger zu. Bei einer bereits vollgesogenen Zecke ist es mit bloßen Fingerkuppen jedoch fast unmöglich, nur die winzigen Mundwerkzeuge an der Haut zu fassen, ohne den prallen Körper zusammenzudrücken. Zudem können bei kleinen Hautrissen an deinen eigenen Fingern Krankheitserreger aus zerquetschten Zecken auch auf dich übergehen. Was stattdessen hilft: Habe an der Gassitasche oder am Schlüsselbund immer einen kleinen Zeckenhaken oder im Portemonnaie eine Zeckenkarte dabei. Nur wenn absolut kein Hilfsmittel erreichbar ist, solltest du versuchen, den Parasiten ausschließlich mit langen, spitzen Fingernägeln direkt an der Hautbasis abzuheben.
Wann du zum Tierarzt solltest: Klare Warnzeichen nach dem Zeckenstich
In den meisten Fällen heilt die Einstichstelle problemlos ab, wenn du beim Hund die Zecke entfernen konntest. Dennoch übertragen die beiden in Deutschland wichtigsten Arten – der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und die sich stark ausbreitende Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) – sowie die in warmen Regionen oder als Urlaubsmitbringsel auftretende Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) ernsthafte Erkrankungen. Dazu zählen Borreliose, Anaplasmose, Ehrlichiose, FSME und die oft lebensbedrohliche Babesiose (auch „Hundemalaria“ genannt, bei der die roten Blutkörperchen zerstört werden).
Suche bitte zeitnah eine Tierarztpraxis auf, wenn du eines der folgenden Warnzeichen bei deinem Hund bemerkst:
- Abgeschlagenheit und Fieber: Dein Hund wirkt wenige Tage bis Wochen nach dem Stich plötzlich matt, zieht sich zurück, verweigert das Futter oder hat erhöhte Körpertemperatur (normal sind beim erwachsenen Hund etwa 37,5 bis 39,0 Grad Celsius).
- Bewegungsstörungen und Gelenkschmerzen: Ein steifer Gang, Schwierigkeiten beim Aufstehen, geschwollene Gelenke oder eine wechselnde Lahmheit (heute humpelt das Tier vorne links, übermorgen hinten rechts) sind klassische Hinweise auf Infektionen wie Borreliose oder Anaplasmose.
- Verfärbter Urin und blasse Schleimhäute: Färbt sich der Urin deines Hundes dunkelgelb, rötlich oder kaffeebraun und wirken das Zahnfleisch sowie die Lidbindehäute porzellanweiß oder gelblich, besteht der dringende Verdacht auf Babesiose. Das ist ein Notfall, der sofortiger tierärztlicher Abklärung bedarf.
- Neurologische Ausfälle: Zittern, Gleichgewichtsstörungen, Schiefhaltung des Kopfes oder ungewöhnliche Überempfindlichkeit bei Berührungen am Nacken können auf eine Infektion mit FSME-Viren oder fortgeschrittene Babesiose hindeuten.
- Starke lokale Entzündung oder Wanderröte: Wenn der Knubbel an der Einstichstelle nach einigen Tagen nicht kleiner wird, sondern stark anschwillt, heiß ist, nässt, eitert oder sich eine kreisförmige Rötung um den Stich bildet (die beim Hund durch Pigmentierung und Fell allerdings oft schwer zu sehen ist), braucht dein Tier medizinische Hilfe.
- Zecke an heiklen Stellen oder wehrhafter Hund: Sitzt der Parasit direkt am Lidrand des Auges, tief im Gehörgang oder lässt sich dein Hund aus Angst oder Schmerz an der Stelle überhaupt nicht anfassen, unternimm keine riskanten Selbstversuche. In der Tierarztpraxis ist der Eingriff in wenigen Sekunden sicher erledigt. Zeigt dein Hund generell große Panik bei Pflegemaßnahmen, hilft dir ein erfahrenes Hundetraining mit sogenanntem Medical Training dabei, Berührungen mit Instrumenten Schritt für Schritt angstfrei zu üben.
Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn beim Zecke entfernen beim Hund der Kopf stecken bleibt?
Zunächst: Es handelt sich dabei in der Regel nicht um den eigentlichen Kopf mit Gehirn, sondern um den verbliebenen Stechrüssel (Hypostom) samt Teilen der Mundwerkzeuge. Das Infektionsrisiko sinkt nach dem Entfernen des Körpers bereits drastisch, da sich Darm und Speicheldrüsen im entfernten Teil befanden. Häufig stößt der Körper des Hundes den kleinen Chitin-Rest wie einen Fremdkörper von selbst ab. Vermeide es, mit spitzen Nadeln tief im Gewebe zu bohren, da dies zusätzliche Keime einbringen kann. Desinfiziere die Einstichstelle und beobachte sie sorgfältig. Sollte sich der Bereich sichtbar entzünden, schmerzen oder anschwellen, stelle den Hund bitte in einer Tierarztpraxis vor.
Ist ein kleiner Knubbel nach dem Entfernen der Zecke beim Hund normal?
Ja, eine kleine, feste und schmerzlose Schwellung von der Größe einer Erbse oder Linse ist nach einem Zeckenstich oft eine gewöhnliche Gewebereaktion. Während des Saugens gelangen Speichelbestandteile in die Haut, auf die das Immunsystem lokal reagieren kann (Zeckengranulom). Ein solcher Knoten bildet sich meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst zurück. Entwickelt sich der Bereich jedoch heiß, schmerzhaft, eitrig oder stark wachsend, sollte dies tierärztlich untersucht werden.
Wie erkenne ich, ob es eine Zecke oder eine Warze beim Hund ist?
Besonders bei älteren Hunden oder kurz nach dem Stich einer noch winzigen Zecke ist die Verwechslungsgefahr groß. Scheitle das Fell unter gutem Licht und nutze im Zweifel die Lupenfunktion deiner Smartphone-Kamera. Eine Zecke erkennst du eindeutig an ihren acht kleinen, dunklen Beinchen, die direkt vorne an der Hautoberfläche seitlich vom Körper abstehen. Zudem ist eine angesogene Zecke meist glatt, tropfen- oder kugelförmig und hat eine grau-ledrige, braune oder rötliche Färbung, während sich nur ihre winzige Spitze in der Haut befindet. Eine Warze, ein Hautanhängsel oder eine Brustwarze (Zitze) wächst dagegen breitflächig direkt aus der Haut heraus, hat exakt die Hautfarbe deines Hundes (oft leicht blumenkohlartig strukturiert) und besitzt selbstverständlich keine Beine. Ziehe niemals mit der Zange an einem Knubbel, bevor du nicht sicher die Beine des Parasiten identifiziert hast.
Kann ich Zecken bei Hunden entfernen, obwohl ein Zeckenmittel wirkt?
Ja, das solltest du sogar unbedingt tun. Viele medizinische Schutzpräparate (wie Kautabletten oder bestimmte Spot-ons) wirken systemisch: Die Zecke muss erst zustechen und eine winzige Menge Blut aufnehmen, um mit dem Wirkstoff in Kontakt zu kommen und abzusterben. Andere Mittel wirken zwar abwehrend (repellierend), doch auch hier verirrt sich bei hohem Zeckendruck im Frühling oder Herbst gelegentlich ein Parasit ins Fell. Wenn du eine abgestorbene, eingetrocknete oder noch lebende Zecke im Fell entdeckst, ziehe sie immer sofort heraus. Eine Kombination aus einem tierärztlich abgestimmten Parasitenschutz und dem täglichen Absuchen nach dem Spaziergang bietet deinem Hund die höchste Sicherheit.
Wann haben Hunde am häufigsten mit Zecken zu tun?
Die klassische Hauptsaison für Zecken beim Hund reicht von März bis Oktober, mit deutlichen Höhepunkten im feucht-warmen Frühjahr und im Frühherbst. Da Zecken jedoch bereits ab konstanten Bodentemperaturen von rund sieben Grad Celsius aktiv werden, ist durch milde Winter inzwischen fast das ganze Jahr über mit einem Befall zu rechnen. Sogar im Dezember oder Januar können Hunde beim Stöbern im Laub von der robusten Auwaldzecke gestochen werden. Ein wacher Blick ins Fell gehört deshalb für Hundehalter ganzjährig zur festen Pflegeroutine.
Gut vorbereitet durch die Zeckenzeit
Eine Zecke am eigenen Hund zu entdecken, gehört zum Alltag fast aller Halter – mit dem passenden Werkzeug und einem ruhigen, gleichmäßigen Zug verliert der kleine Eingriff jedoch schnell seinen Schrecken. Wenn du auf Hausmittel wie Öl verzichtest, deinen Vierbeiner nach Runden durch Wald und Wiesen routinemäßig an Kopf, Ohren und Brust abtastest und deinen Blick für mögliche Krankheitsanzeichen in den Wochen danach schärfst, schützt du seine Gesundheit bestmöglich. Auf HonestDog findest du viele weitere fundierte Ratgeber rund um die Hundegesundheit, Pflege und Haltung – und falls du gerade erst überlegst, welcher vierbeinige Begleiter mit welchem Felltyp perfekt in dein Leben passt, unterstützt dich unser Rassen-Finder bei einer verantwortungsvollen Entscheidung.



