Entwurmung und Impfplan im Wurf
Ist die Mutter mit Spulwürmern infiziert, sind praktisch alle Welpen es schon vor der Geburt. Deshalb beginnt die Entwurmung im Wurf früher, als die meisten erwarten.
Das Wichtigste auf einen Blick
ESCCAP empfiehlt für Welpen das 2-2-2-Schema: erste Behandlung gegen Spulwürmer mit zwei Wochen, dann alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach der letzten Muttermilchaufnahme.
- Die säugende Hündin wird zeitgleich mit der ersten Welpenbehandlung mitbehandelt.
- Bei infizierter Mutter sind laut ESCCAP rund 98 % der Welpen bereits bei der Geburt infiziert — Entwurmung erst bei Abgabe kommt zu spät.
- Die Grundimmunisierung beginnt üblicherweise ab der achten Lebenswoche; den konkreten Plan legt die Tierärztin fest.
- Impfstatus, Präparat, Datum und Chargennummer gehören in den EU-Heimtierausweis und in den Kaufvertrag.
- Entwurmung ist keine Vorbeugung, sondern eine Momentaufnahme: Sie wirkt gegen das, was jetzt vorhanden ist.
Dieser Beitrag fasst den fachlichen Stand zur Orientierung zusammen und ersetzt keine tierärztliche oder zuchtwissenschaftliche Beratung im Einzelfall.
Warum beginnt die Entwurmung schon mit zwei Wochen?
Weil Welpen sich bereits vor der Geburt infizieren. Spulwurmlarven werden von der Mutter über die Plazenta und später über die Milch übertragen.
ESCCAP beziffert das Übertragungsrisiko bei einer infizierten Mutter auf rund 98 Prozent. Ein Welpe kann also mit einer relevanten Wurmlast auf die Welt kommen, ohne je Kontakt zu Kot gehabt zu haben — die übliche Vorstellung von Ansteckung greift hier nicht.
Deshalb setzt die Behandlung an, sobald sie vertretbar ist: mit zwei Wochen. Eine Entwurmung, die erst kurz vor der Abgabe stattfindet, hat den Welpen die ersten sieben Wochen mit der Wurmlast wachsen lassen.
Wie sieht das Entwurmungsschema aus?
ESCCAP fasst es als 2-2-2-Schema zusammen: Beginn mit zwei Wochen, dann Wiederholung im Abstand von zwei Wochen, bis zwei Wochen nach der letzten Aufnahme von Muttermilch.
Das ergibt je nach Absetzzeitpunkt typischerweise vier bis fünf Behandlungen, von denen die letzten in die Zeit nach der Abgabe fallen können — dann übernimmt der Käufer, und du gibst ihm das Schema schriftlich mit.
Welches Präparat eingesetzt wird, entscheidet die Tierärztin. Es gibt Unterschiede in Wirkspektrum, Verträglichkeit im jungen Alter und Dosierung; ein Mittel aus dem Regal, das bei einem erwachsenen Hund gut wirkte, ist für einen zwei Wochen alten Welpen nicht automatisch geeignet.
Orientierung im Wurf
| Zeitpunkt | Maßnahme |
|---|---|
| Trächtigkeit | Entwurmung der Hündin nach tierärztlicher Anweisung |
| 2. Lebenswoche | erste Behandlung der Welpen + Mutter mitbehandeln |
| danach alle 2 Wochen | Wiederholung bis 2 Wochen nach der letzten Muttermilch |
| ab ca. 8. Woche | Beginn der Grundimmunisierung |
| ab 12 Wochen | Tollwut, sofern eine Ausreise geplant ist |
Wann und wogegen wird geimpft?
Die Grundimmunisierung beginnt üblicherweise ab der achten Lebenswoche und besteht aus mehreren Terminen — eine einzelne Impfung baut keinen belastbaren Schutz auf.
Der Grund für den Zeitpunkt sind die maternalen Antikörper aus der Muttermilch. Sie schützen den Welpen anfangs, blockieren aber auch die Impfantwort; sie bauen sich individuell unterschiedlich ab. Deshalb wird wiederholt geimpft, statt einmal früh.
Welche Komponenten in welchem Abstand geimpft werden, legt die Tierärztin anhand der aktuellen Impfempfehlungen fest. In Deutschland besteht für Hunde keine allgemeine Impfpflicht; Tollwut wird jedoch zur Pflicht, sobald der Welpe die Grenze überqueren soll — frühestens mit zwölf Wochen, wirksam erst 21 Tage später.
Was muss dokumentiert werden?
Alles, und zwar so, dass es nach der Abgabe noch nachvollziehbar ist. Der EU-Heimtierausweis ist das Trägerdokument; die Chipnummer ist die Klammer, die ihn mit dem Tier verbindet.
Der praktische Grund ist nicht Bürokratie, sondern Beweislast: Innerhalb der ersten sechs Monate nach Übergabe wird beim Verbrauchsgüterkauf vermutet, dass ein aufgetretener Mangel schon bei Übergabe vorlag. Ein lückenlos dokumentierter Gesundheitsstatus bei Abgabe ist deine belastbarste Position.
Gib dem Käufer außerdem schriftlich mit, welche Behandlungen noch anstehen. Ein Welpe, der zwei Tage nach dem Einzug seine nächste Entwurmung braucht, ist für den neuen Halter sonst eine Überraschung.
Ins Übergabepaket
- EU-Heimtierausweis mit eingetragener Chipnummer.
- Impfungen mit Datum, Präparat und Chargennummer.
- Entwurmungsprotokoll des gesamten Wurfes mit Präparat und Daten.
- Termine, die nach der Abgabe fällig werden, mit Datum.
- Tierärztliche Untersuchung möglichst am Übergabetag.
- Fütterungsplan mit dem gewohnten Futter für die Umstellung.
Häufige Fragen
Reicht eine Kotprobe statt der Entwurmung?
Bei erwachsenen Hunden ist die Kotuntersuchung eine anerkannte Alternative zur routinemäßigen Behandlung. Im Wurf ist sie es nicht: Die Infektion ist vorgeburtlich erfolgt, und Larvenstadien werden im Kot noch nicht ausgeschieden — eine negative Probe schließt einen Befall in dieser Phase nicht aus.
Kann man einen Welpen zu oft entwurmen?
Die Schemata sind auf die Wachstumsphase abgestimmt und werden bei sachgemäßer Dosierung gut vertragen. Eigenmächtige Zusatzbehandlungen zwischen den Terminen bringen jedoch nichts — Entwurmung wirkt nicht vorbeugend, sondern nur gegen das, was zum Zeitpunkt der Gabe vorhanden ist.
Muss ein Welpe vor der Abgabe geimpft sein?
Eine gesetzliche Impfpflicht besteht im Inland nicht, der begonnene Grundschutz ist aber der Standard, den Käufer zu Recht erwarten — und Teil dessen, was du zusicherst, wenn du ihn im Vertrag angibst. Für die Ausreise ins EU-Ausland gilt zusätzlich die Tollwutregel.
Wer zahlt Behandlungen, die nach der Abgabe fällig werden?
Nach der Übergabe der neue Halter. Wichtig ist, dass er sie kennt: Schreib die anstehenden Termine in die Unterlagen, statt darauf zu vertrauen, dass er von selbst nachfragt.
Quellen
- ESCCAP Deutschland — Hundewelpen richtig entwurmen
- ESCCAP — Entwurmung trächtiger Hündinnen und Welpen (PDF)
- § 477 BGB — Beweislastumkehr
Zuletzt geprüft am 27. Juli 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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