Wurfkiste: Maße, Aufbau, Standort
Die Wurfkiste entscheidet über die ersten drei Lebenswochen — und über die häufigste vermeidbare Welpenverlustursache: das Erdrücken durch die Mutter.
Das Wichtigste auf einen Blick
Eine Wurfkiste muss groß genug für die ausgestreckte Hündin sein, ein Ferkelschutzgitter haben und dort stehen, wo die Familie lebt.
- Grundfläche: Die Hündin muss sich vollständig ausstrecken können, ohne an eine Wand zu stoßen — plus Rand für die Welpen.
- Ein umlaufendes Schutzgitter (Ferkelschutzkorb) verhindert, dass ein Welpe zwischen Mutter und Wand gedrückt wird. Das ist kein Zubehör.
- Standort im Wohnbereich, nicht im Keller oder Schuppen. Die TierSchHuV verlangt für Welpen bis 20 Wochen mindestens vier Stunden Kontakt zu einer Betreuungsperson täglich.
- Wärme punktuell und regelbar, nie flächig — die Hündin muss sich ihr entziehen können.
- Zwei Wochen vor dem Termin aufbauen, damit die Hündin sie annimmt. Eine Kiste, die mit den Wehen erscheint, wird abgelehnt.
Dieser Beitrag fasst den fachlichen Stand zur Orientierung zusammen und ersetzt keine tierärztliche oder zuchtwissenschaftliche Beratung im Einzelfall.
Wie groß muss eine Wurfkiste sein?
So groß, dass die Hündin ausgestreckt seitlich liegen kann, ohne mit Rücken oder Beinen an eine Wand zu stoßen — und dann noch einmal Rand dazu, damit die Welpen neben ihr Platz haben.
Als Ausgangspunkt dient die Körperlänge von Nasenspitze bis Rutenansatz; die Kante sollte deutlich darüber hinausgehen. Zu klein ist gefährlich, weil die Hündin keine Ausweichbewegung mehr hat. Zu groß ist ebenfalls ungünstig: Neugeborene können sich nicht gezielt fortbewegen und finden aus einer weiten Fläche nicht zur Wärmequelle zurück.
Die Wandhöhe muss die Welpen halten und der Hündin bequemes Ein- und Aussteigen erlauben. Eine abnehmbare oder abgesenkte Einstiegsseite löst beides, ohne dass die Hündin über die volle Höhe springt.
Warum ist ein Ferkelschutzgitter nicht optional?
Weil das Erdrücken durch die Mutter zu den häufigsten vermeidbaren Verlustursachen in den ersten Lebenstagen zählt.
Das Gitter ist eine umlaufende Leiste, die im Abstand von einigen Zentimetern zur Wand und einige Zentimeter über dem Boden montiert wird. Legt sich die Hündin an die Wand, bleibt darunter eine Nische, in die ein Welpe ausweichen kann, statt gequetscht zu werden.
Es kostet wenig und ist an einer selbstgebauten Kiste in einer halben Stunde nachgerüstet. Wer eine Kiste kauft, sollte prüfen, ob sie eines hat — bei etlichen Modellen fehlt es.
Wo sollte die Wurfkiste stehen?
Dort, wo das Familienleben stattfindet — nicht im Keller, in der Garage oder im Schuppen.
Das ist kein Geschmacksurteil, sondern eine Anforderung an die Aufzucht. Welpen prägen sich in den ersten Wochen auf die Reize, denen sie begegnen: Stimmen, Haushaltsgeräusche, Kommen und Gehen. Wer sie davon fernhält, liefert Hunde ab, die später an Alltagsgeräuschen scheitern.
Die Tierschutz-Hundeverordnung stützt das: Welpen bis zum Alter von 20 Wochen ist täglich mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson zu gewähren. In einem Nebengebäude ist das praktisch nicht einzuhalten.
Gleichzeitig braucht die Hündin Ruhe. Ein Zimmer, das zum Wohnbereich gehört, aber nicht Durchgangsfläche für Besuch ist, trifft beides.
Wie wird die Wurfkiste temperiert?
Punktuell und regelbar — eine Wärmequelle über einem Teil der Fläche, nicht über der ganzen.
Neugeborene können ihre Körpertemperatur in den ersten Lebenstagen kaum selbst regulieren und brauchen deutlich mehr Wärme als die Hündin. Wird die gesamte Kiste beheizt, hat die Hündin keine Möglichkeit, der Wärme auszuweichen, und verlässt sie — was das Problem verschlimmert.
Der zweite Punkt ist die Absicherung: Wärmeplatten und Lampen müssen so montiert sein, dass sie nicht kippen, nicht heruntergezogen werden können und keine Stelle entsteht, an der ein Welpe direkt aufliegt. Kabel gehören außerhalb der Reichweite der Hündin.
Selber bauen oder kaufen?
Beides ist vertretbar. Selbst gebaut ist deutlich günstiger und lässt sich exakt auf die Hündin zuschneiden; gekauft spart Zeit und ist meist leichter zu reinigen.
Entscheidend ist bei beiden Wegen die Oberfläche. Sie muss sich vollständig desinfizieren lassen — rohes Holz saugt Flüssigkeit auf und ist nach einem Wurf nicht mehr sauber zu bekommen. Beschichtete Platten oder ein abwaschbarer Anstrich lösen das.
Der Boden braucht eine rutschfeste Auflage. Welpen, die auf glattem Untergrund wegrutschen, belasten ihre Gelenke in einer Phase, in der sich das Skelett noch formt.
Bevor der erste Welpe kommt
- Kiste zwei Wochen vorher aufgebaut und von der Hündin angenommen.
- Ferkelschutzgitter montiert und auf Abstand geprüft.
- Oberflächen abwaschbar, Boden rutschfest.
- Wärmequelle einseitig, gesichert, mit Thermometer kontrolliert.
- Einstieg für die Hündin ohne Sprung möglich.
- Beleuchtung für nächtliche Kontrollen, ohne den ganzen Raum zu erhellen.
Häufige Fragen
Ab wann sollte die Wurfkiste stehen?
Etwa zwei Wochen vor dem errechneten Termin. Die Hündin muss die Kiste als ihren Platz annehmen — geschieht das nicht, sucht sie sich mit einsetzenden Wehen einen eigenen, meist unter einem Bett oder in einem Schrank.
Was kommt als Einstreu in die Wurfkiste?
Etwas Rutschfestes, Saugfähiges und Waschbares. Handelsübliche Wurfkistenauflagen leisten das; Handtücher sind kritisch, weil Welpen sich in Schlaufen verfangen können. Zeitungspapier eignet sich für die Geburt selbst, nicht für die Wochen danach.
Wann verlassen die Welpen die Wurfkiste?
Sobald sie sicher laufen, wird der Bereich schrittweise erweitert — die Kiste bleibt Rückzugsort, der Auslauf kommt dazu. Die TierSchHuV verlangt zudem, dass Welpen ab der fünften Lebenswoche täglich Auslauf ins Freie erhalten.
Braucht eine kleine Rasse auch ein Schutzgitter?
Ja, und dort ist es besonders wichtig. Bei kleinen Rassen ist der Größenunterschied zwischen Hündin und Neugeborenem am ungünstigsten und die Reaktionszeit am kürzesten.
Quellen
- § 2 Tierschutz-Hundeverordnung — Anforderungen an das Halten
- Tierschutz-Hundeverordnung — Volltext
- § 11b Tierschutzgesetz — Zuchtbeschränkungen
Zuletzt geprüft am 27. Juli 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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