Die Geburt: Ablauf, Warnzeichen, wann der Tierarzt muss
Die meisten Geburten laufen ohne Eingriff. Die Kunst besteht darin, die wenigen zu erkennen, die es nicht tun — und dabei weder zu früh einzugreifen noch zu lange zu warten.
Das Wichtigste auf einen Blick
Merk dir drei Zahlen: 30 Minuten starkes Pressen ohne Welpe, 2 Stunden Pause zwischen Welpen, 2–3 Stunden nach Fruchtwasserabgang ohne Welpe. Jede davon heißt: Tierarzt.
- Starkes, anhaltendes Pressen über etwa 30 Minuten ohne Geburt eines Welpen ist ein Alarmzeichen.
- Zwischen zwei Welpen kann rund eine Stunde vergehen; mehr als zwei Stunden gehören tierärztlich überwacht.
- Grüner Ausfluss VOR dem ersten Welpen ist ein Notfall. Nach dem ersten Welpen ist er normal.
- Ist Fruchtwasser abgegangen und nach 2–3 Stunden kein Welpe geboren, brauchst du tierärztliche Hilfe.
- Ohne vorherige Röntgenzählung weißt du nicht, wann die Geburt vorbei ist — eine zurückgebliebene Frucht ist lebensbedrohlich.
Dieser Beitrag fasst den fachlichen Stand zur Orientierung zusammen und ersetzt keine tierärztliche oder zuchtwissenschaftliche Beratung im Einzelfall.
Wie läuft eine normale Geburt ab?
In drei Phasen: Eröffnung, Austreibung und Nachgeburt — wobei sich die letzten beiden bei jedem Welpen wiederholen.
Die Eröffnungsphase ist die längste und äußerlich unauffälligste. Die Hündin ist unruhig, hechelt, scharrt, sucht ihren Platz auf und lehnt Futter ab. Sichtbare Wehen gibt es noch nicht. Diese Phase kann viele Stunden dauern, und sie ist keine Geburtsstörung.
Mit der Austreibungsphase setzt sichtbares Pressen ein. Der erste Welpe sollte dann innerhalb einer überschaubaren Zeit kommen; zwischen zwei Welpen kann rund eine Stunde liegen. Auf jeden Welpen folgt seine Nachgeburt — und die Zahl der Nachgeburten muss am Ende zur Zahl der Welpen passen.
Wann muss der Tierarzt eingeschaltet werden?
Sobald eine der folgenden Grenzen erreicht ist. Diese Zahlen sind der Grund, warum jemand während der Geburt wach bleibt und mitschreibt — im Nachhinein lässt sich nicht rekonstruieren, wie lange etwas schon läuft.
Ruf lieber einmal zu früh an als einmal zu spät. Eine Praxis, die dich beruhigt, hat dich zwei Minuten gekostet; eine Dystokie, die zwei Stunden zu lang lief, kostet Welpen und unter Umständen die Hündin.
Die Grenzen, ab denen du anrufst
| Beobachtung | Handlung |
|---|---|
| Starkes Pressen ca. 30 Minuten ohne Welpe | Tierarzt kontaktieren |
| Starke Wehen, nach 45–60 Minuten kein Welpe | Tierarzt kontaktieren |
| Mehr als 2 Stunden Pause zwischen zwei Welpen | Tierärztlich überwachen lassen |
| Fruchtwasser abgegangen, nach 2–3 Stunden kein Welpe | Tierärztliche Hilfe nötig |
| Grüner Ausfluss, noch KEIN Welpe geboren | Notfall — sofort in die Klinik |
| Hündin apathisch, fiebrig, taumelnd oder krampfend | Notfall — sofort in die Klinik |
Wann solltest du gerade nicht eingreifen?
Solange die Hündin arbeitet und Fortschritt sichtbar ist. Die häufigste vermeidbare Störung einer Geburt ist der Mensch, der zu viel macht.
Ziehen am Welpen, Öffnen der Fruchtblase aus Ungeduld, ständiges Anfassen und helle Beleuchtung stören eine Hündin, die zurechtkommt. Manche Hündinnen unterbrechen die Wehentätigkeit, wenn sie sich beobachtet fühlen — Ruhe und gedämpftes Licht sind Teil der Geburtshilfe.
Deine eigentliche Aufgabe ist Protokollieren: Uhrzeit jedes Welpen, Geschlecht, Gewicht, ob die zugehörige Nachgeburt abgegangen ist. Dieses Protokoll ist es, das die Entscheidung „warten oder anrufen“ überhaupt möglich macht.
Warum musst du die Nachgeburten zählen?
Weil eine im Uterus verbliebene Nachgeburt zu einer schweren Infektion führen kann — und weil du es nur merkst, wenn du mitgezählt hast.
Auf jeden Welpen gehört eine Nachgeburt. Die Hündin frisst sie oft sofort; wer nicht danebensteht und notiert, verliert den Überblick innerhalb weniger Welpen.
Dasselbe gilt für die Zahl der Welpen selbst. Wurde vor der Geburt geröntgt, weißt du, wie viele erwartet werden, und erkennst, wenn die Geburt trotz nachlassender Wehen noch nicht abgeschlossen ist. Ohne diese Zahl bleibt nur die Vermutung — und ein zurückgebliebener Welpe ist lebensbedrohlich für die Hündin.
Was muss vorher organisiert sein?
Vor allem eine Sache: dass du im Notfall nicht erst anfängst zu suchen. Um drei Uhr nachts mit einer pressenden Hündin nach einer Nachtklinik zu googeln ist die vermeidbarste Krise der ganzen Wurfplanung.
Kläre vorher, wer nachts erreichbar ist, wie lange du dorthin brauchst und wer fährt, wenn du bei der Hündin sitzen musst. Ein Kaiserschnitt ist zudem ein Kostenfaktor, der ungeplant kommt — das gehört in die Wurfkalkulation, nicht in eine Überraschung.
Griffbereit, bevor die Wehen einsetzen
- Telefonnummern: eigene Praxis UND nächste Nachtklinik, mit Fahrtzeit.
- Jemand, der fahren kann, während du bei der Hündin bleibst.
- Röntgenergebnis mit der erwarteten Welpenzahl.
- Waage, Notizblock, Uhr — das Geburtsprotokoll.
- Saubere Tücher, Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel.
- Wärmebox für Welpen, falls die Hündin während der Geburt in die Klinik muss.
Häufige Fragen
Wie lange darf die Eröffnungsphase dauern?
Sie kann sich über viele Stunden ziehen, ohne dass etwas nicht stimmt — solange die Hündin nicht presst und ihr Allgemeinbefinden gut ist. Kritisch wird es, wenn sichtbare starke Wehen einsetzen und trotzdem kein Welpe kommt; dann greifen die Zeitgrenzen.
Soll ich die Fruchtblase öffnen?
Normalerweise nicht — das übernimmt die Hündin. Nur wenn ein Welpe geboren ist und die Hündin sich nicht kümmert, muss die Blase geöffnet und der Welpe abgetrocknet und stimuliert werden. Das ist eine Ausnahme, kein Standardhandgriff.
Was, wenn ein Welpe steckt und schon sichtbar ist?
Ruf an, statt zu ziehen. Wird gezogen, ohne zu wissen, wie der Welpe liegt, drohen Verletzungen bei Welpe und Hündin. Am Telefon wird dir gesagt, ob und wie du unterstützen kannst — und ab wann du losfahren musst.
Ist ein Kaiserschnitt ein Zuchtfehler?
Ein einzelner nicht — Geburtsstörungen haben viele Ursachen, darunter Zufälle wie die Lage eines einzelnen Welpen. Häufen sich Kaiserschnitte in einer Linie oder Rasse, ist das dagegen ein Zuchtthema und gehört in die Auswahlentscheidung, nicht ignoriert.
Quellen
- § 11b Tierschutzgesetz — Zuchtbeschränkungen
- Tierschutz-Hundeverordnung — Volltext
- ESCCAP Deutschland — Empfehlungen rund um Wurf und Aufzucht
Zuletzt geprüft am 27. Juli 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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