Kupieren beim Hund: Ohren und Rute, Recht und Folgen
Kupierte Ohren und Ruten sind keine Qualzucht, sondern ein Eingriff an einem gesund geborenen Hund – in Deutschland grundsätzlich verboten, mit Folgen, die den Hund ein Leben lang begleiten können.
Kurz erklärt
Kupieren heißt, einem Hund Teile der Ohren oder der Rute chirurgisch abzuschneiden – meist wegen des Aussehens oder aus Tradition. Anders als Qualzucht ist das nicht erblich: Der Hund kommt gesund zur Welt. In Deutschland ist Kupieren nach § 6 Tierschutzgesetz grundsätzlich verboten; Ausnahmen gibt es nur bei tierärztlicher Indikation im Einzelfall und – eng begrenzt, praktisch nur für die Rute – bei jagdlich geführten Hunden.
Natürlich oder kupiert?


Achte auf Kopf und Hinterteil: Links trägt der Dobermann seine natürlichen, weich herabhängenden Ohren und eine lange Rute, rechts stehen die Ohren nach dem Kupieren schmal und spitz aufrecht, und von der Rute ist nur ein kurzer Stummel geblieben.
Die Illustrationen sind KI-generiert und redaktionell geprüft. Sie zeigen keinen echten Hund, sondern machen den Unterschied sichtbar.
Was ist Kupieren – einfach erklärt?
Kupieren bedeutet: Einem Hund werden Stücke der Ohren oder der Rute abgeschnitten. Er wird mit ganz normalen Ohren und einer langen Rute geboren – erst danach verändern Menschen ihn mit einer Operation, damit er so aussieht, wie sie es sich wünschen.
Stell dir vor, jemand würde dir verbieten, zu lächeln, die Stirn zu runzeln oder mit den Schultern zu zucken. Du wärst immer noch du, aber andere könnten viel schwerer erkennen, wie es dir geht. So ähnlich ist es für einen Hund ohne Rute und mit starr aufgestellten Ohren: Rute und Ohren sind sein Gesicht für Gefühle. Mit ihnen zeigt er, ob er sich freut, unsicher ist oder lieber Abstand möchte.
Dazu kommt: In der Rute stecken Knochen, Muskeln und Nerven bis in die Spitze. Wenn man sie abschneidet, können die durchtrennten Nerven am Ende zu einem kleinen Knäuel zusammenwachsen. Das kann noch lange danach wehtun.
Mit Qualzucht hat Kupieren nichts zu tun, denn Qualzucht ist erblich bedingt. Verboten ist Kupieren in Deutschland trotzdem grundsätzlich – weil es einem gesunden Tier ohne Not Körperteile nimmt. Welche erblichen Merkmale als Qualzucht gelten, erklärt unsere Qualzucht-Übersicht.
Wofür ein Hund Ohren und Rute braucht
- Zum Reden mit anderen Hunden und mit Menschen – wedeln, einklemmen, hochtragen
- Ohren anlegen, aufstellen oder drehen, um Stimmung zu zeigen
- Die Rute kann After und Geschlechtsteile bedecken
Was passiert beim Kupieren von Rute und Ohren im Körper?
Beim Kupieren der Rute wird die Schwanzwirbelsäule zwischen zwei Wirbeln durchtrennt – mit allem, was daran hängt: Wirbelknochen, Muskeln, Sehnen, Blutgefäße, Haut und die Nerven, die bis in die Rutenspitze ziehen. Übrig bleibt ein Stummel aus wenigen Wirbeln, den die Haut verschließt; wie lang er ist, hängt von der Rasse ab. Gemacht wird das oft in den ersten Lebenstagen; Dänemark etwa erlaubt es bei fünf Vorstehhunderassen nur bis zum vierten Lebenstag.
Das Hauptproblem sind die Nerven. Laut der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) werden beim Kupieren vier Nerven durchtrennt, an deren Enden sich vier potenziell schmerzhafte Neurome bilden können. Ein Amputationsneurom ist ein Knäuel aus ungeordnet aussprossenden Nervenfasern am Schnittende; in kupierten Ruten ist es pathologisch beschrieben (Gross und Carr 1990). Der Tierschutzwissenschaftler David Mellor hält fest, dass ein erheblicher Teil der als Welpen kupierten Hunde später anhaltende, erhebliche chronische Schmerzen und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit haben wird.
Wie stark ein wenige Tage alter Welpe den Eingriff selbst bewusst spürt, ist fachlich umstritten. Mellor (2018) argumentiert, dass Welpen in der ersten Lebenswoche akuten Schmerz noch nicht bewusst erleben können; die WSAVA (2024) geht dagegen von einer ähnlichen, wenn nicht höheren Schmerzempfindlichkeit als bei erwachsenen Hunden aus. Beide lehnen Kupieren ohne medizinischen Grund ab; Mellor hält für die Rute ein Verbot oder zumindest Einschränkungen für geboten.
Die zweite Langzeitfolge ist die Körpersprache. Mellor kommt zu dem Schluss, dass die Rolle der Rute für die Kommunikation stark unterschätzt wurde: Kupieren kann eindeutige Signale zwischen Hunden und zwischen Hund und Mensch deutlich erschweren – ein Handicap, das bleibt, denn die Rute wächst nicht nach.
Beim Kupieren der Ohren wird ein großer Teil der Ohrmuschel abgeschnitten, damit der verbleibende schmale Rest aufrecht steht. Die Ohrmuschel besteht aus Knorpel und Haut; ihre Haltung und Bewegung steuern Muskeln am Ohransatz. Die WSAVA betont: Auch mit Narkose und Schmerzmitteln treten nach dem Kupieren von Ohren oder Rute Schmerzen auf, weil Knochen, Knorpel und Haut über Wochen heilen.
KI-IllustrationWas du auf der Illustration siehst
- 1Schwanzwirbelkette – Viele kleine, gelenkig verbundene Wirbel machen die natürliche Rute beweglich – die Grundlage fürs Wedeln, Hochtragen und Einklemmen.
- 2Nerv bis zur Spitze – Nerven ziehen durch die ganze Rute bis in die Spitze. Die Rute ist kein totes Anhängsel, sie spürt Berührung und Schmerz.
- 3Rutenmuskulatur – Muskeln entlang der Wirbel heben, senken und bewegen die Rute. So entstehen die feinen Signale, mit denen Hunde ihre Stimmung zeigen.
- 4Verbliebene Wirbel – Nach dem Kupieren bleiben nur wenige Wirbel – wie viele, hängt von der Rasse ab, beim Dobermann-Typ etwa zwei bis drei. Mit dem Rest der Rute fehlen Muskeln und damit ein großer Teil der Körpersprache.
- 5Neurom am Stumpf – Die durchtrennten Nerven können am Schnittende zu einem Knäuel auswachsen. Ein solches Amputationsneurom kann dauerhaft schmerzen oder den Stummel überempfindlich machen.
Welche Rassen sind betroffen?
Keine dieser Rassen braucht kupierte Ohren oder eine kupierte Rute – die FCI-Standards der Herkunftsländer beschreiben bei Dobermann, Cane Corso, Boxer, Rottweiler und Riesenschnauzer heute Ohren und Rute im natürlichen Zustand. Kupiert wird aus Tradition, etwa in den USA, wo es nicht verboten ist; bei manchen Jagdhunderassen sieht der Standard die kupierte Rute nur dort vor, wo das Gesetz es zulässt.
Traditionell kupiert
- Dobermann
Der FCI-Standard (2015) verlangt natürliche Ohren und eine natürliche Rute; der US-Standard (AKC) beschreibt dagegen noch kupierte Ohren und Rute.
- Cane Corso Italiano
Laut FCI-Standard (2023) bleiben die Ohren unkupiert und die Rute natürlich; der AKC-Standard erlaubt noch beides kupiert.
- Deutscher Boxer
Der FCI-Standard (2008) verlangt natürliche Ohren und eine natürlich belassene Rute in normaler Länge.
- Rottweiler
Früher wurde vor allem die Rute kupiert; der FCI-Standard (2018) beschreibt sie im natürlichen Zustand, die Ohren als Hängeohren.
- Riesenschnauzer
Der FCI-Standard (2021) beschreibt Klappohren und eine natürliche Rute; der US-Standard sieht die Rute noch kupiert vor.
- American Bully
Keine FCI-Rasse und damit ohne FCI-Standard; kupierte Ohren gehören in manchen Ländern zum gewünschten Look. In Deutschland gilt dasselbe Kupierverbot wie für jede Rasse.
- American Bulldog
Keine FCI-Rasse; in einer britischen Studie (2023) war sie unter den Hunden mit kupierten Ohren überdurchschnittlich häufig vertreten.
- Deutsch Kurzhaar
Der FCI-Standard sieht für jagdliche Zwecke eine etwa zur Hälfte kupierte Rute vor, lässt sie aber natürlich, wo Kupieren verboten ist. In Deutschland nur bei jagdlich geführten Hunden im Einzelfall erlaubt.
- Deutscher Jagdterrier
Laut FCI-Standard (2015) wird die Rute um etwa ein Drittel kupiert, natürlich bleibt sie, wo das verboten ist; die Ohren beschreibt er als Halbhängeohren, ein Kupieren sieht er nicht vor.
Woran erkennst du einen frisch kupierten Hund – und wohin wendest du dich?
Am ehesten an frischen Wunden, Nähten oder Verbänden an Ohren oder Rute: Sie können ein Hinweis sein, dass der Eingriff erst vor Kurzem passiert ist. Tape allein beweist das nicht – auch Welpen mit natürlichen Ohren bekommen manchmal Tapes, etwa damit Stehohren sich aufrichten. Ohne tierärztliche Indikation oder Jagdhund-Ausnahme wäre ein in Deutschland vorgenommener Eingriff eine Ordnungswidrigkeit; ansprechbar ist dann das zuständige Veterinäramt.
Bei Jagdhunderassen wie Deutsch Kurzhaar oder Jagdterrier ist eine kupierte Rute in Deutschland nicht automatisch ein Verstoß: Die Ausnahme gilt nur für Hunde, die tatsächlich jagdlich geführt werden, und der Eingriff muss von einer Tierärztin oder einem Tierarzt vorgenommen worden sein. Auch bei anderen Hunden kann ein Eingriff rechtmäßig sein, wenn er im Einzelfall tierärztlich geboten war, etwa bei einer schwer verletzten Rute.
Woran du es erkennst
- Ohren, die schmal und spitz aufrecht stehen, obwohl die Rasse von Natur aus Hänge- oder Klappohren hat – oft mit Narben am Ohrrand.
- Eine Rute, die nach wenigen Wirbeln als kurzer Stummel endet, bei einer Rasse mit natürlich langer Rute (manche Rassen haben angeborene Stummelruten).
- Frische Wunden, Nähte oder Verbände können auf einen kürzlichen Eingriff hinweisen; Tape allein beweist nichts.
- Bei einem kupierten Jagdhund: Wird er wirklich jagdlich geführt, und hat eine Tierärztin oder ein Tierarzt den Eingriff vorgenommen?
- Bei einem konkreten Verdacht, dass in Deutschland ohne Indikation oder Ausnahme kupiert wurde: das zuständige Veterinäramt informieren.
Tut Kupieren dem Hund weh – auch auf Dauer?
Ja, das kann es – und zwar über den Eingriff hinaus. Wie schmerzhaft der Eingriff selbst ist, ist bei wenige Tage alten Welpen fachlich umstritten; Ohren-Operationen an älteren Welpen sind unstrittig mit Wundschmerz verbunden. Die größten Risiken liegen aber in dem, was bleibt: mögliche chronische Schmerzen durch Neurome am Stumpf und eine eingeschränkte Körpersprache. Nach Mellor (2018) hat ein erheblicher Teil der als Welpen kupierten Hunde später anhaltende Schmerzen und reagiert empfindlicher auf Schmerz. Kupierte Ohren heilen über Wochen, und auch mit Narkose und Schmerzmitteln bleibt die Zeit danach schmerzhaft.
Bei Hündinnen fand eine britische Studie einen Zusammenhang zwischen Kupieren und Kastration einerseits und Harninkontinenz durch Schließmuskelschwäche andererseits (Holt und Thrusfield 1993). Das ist ein statistischer Zusammenhang, kein Beleg für Ursächlichkeit: Häufig kupierte Rassen sind oft dieselben großen Rassen, die ohnehin ein höheres Risiko haben.
Das häufigste Argument fürs Kupieren ist der Schutz vor Rutenverletzungen. In der allgemeinen Hundepopulation trägt es nicht: In britischen Tierarztdaten lag das Risiko einer Rutenverletzung bei 0,23 Prozent – rund 500 Hunde müssten kupiert werden, um eine einzige Verletzung zu verhindern (Diesel et al. 2010). Bei arbeitenden Jagdhunden sieht es anders aus: In Schottland hatten 56,6 Prozent der unkupierten Spaniel und 38,5 Prozent der unkupierten Vorstehhunde in einer Jagdsaison mindestens eine Rutenverletzung; um eine Verletzung zu verhindern, hätte man je nach Rasse 2 bis 18 Spaniel- bzw. Vorstehhund-Welpen kupieren müssen (Lederer et al. 2014, Online-Umfrage mit Angaben der Halter). Befürworter der Jagdhund-Ausnahme verweisen auf solche Daten. Eingefügt wurde die Ausnahme 1998 allerdings ohne Begründung, lange vor dieser Studie (Wissenschaftliche Dienste des Bundestages 2021).
Unumstritten ist die Ausnahme deshalb nicht. Die Bundestierärztekammer sah schon 1997 aus tierärztlicher Sicht keine vernünftige fachliche Begründung für das grundsätzliche Kürzen der Rute, weder wegen Rassestandards noch wegen der Verletzungsgefahr. Tierärzteverbände wie die WSAVA lehnen Kupieren ohne medizinischen Grund ab.
Darfst du einen im Ausland kupierten Dobermann oder anderen Hund kaufen?
Rechtlich ist das in Deutschland derzeit nicht verboten – harmlos ist es deshalb nicht. Nach unserer Prüfung (Stand September 2026) verbieten weder das Tierschutzgesetz noch die Tierschutz-Hundeverordnung Kauf, Import oder Haltung eines im Ausland kupierten Hundes. Wer einen kupierten Welpen kauft, bezahlt aber genau den Eingriff, den das deutsche Gesetz verbietet, und hält die Nachfrage danach am Leben; deshalb raten wir vom Kauf kupierter Welpen ab. Hast du schon einen kupierten Hund, geht es nicht um Schuld: Dein Hund braucht jetzt Verständnis für seine Körpersprache und gute Pflege, mehr dazu im Abschnitt zur Adoption.
„Im Ausland legal kupiert“ stimmt außerdem oft nicht. Eine britische Studie fand unter 132 Hunden mit kupierten Ohren bei 63,6 Prozent Hinweise auf einen Import – am häufigsten aus Ländern, in denen Kupieren ebenfalls verboten ist, darunter Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Serbien, Spanien, Polen und Irland (Norris et al. 2023). Die Daten stammen aus britischen Tierarztpraxen und lassen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen.
Für den Hund und für dich hat der Kauf Folgen, die bleiben: Er darf in Deutschland nicht ausgestellt und nicht auf Zuchtschauen oder Körungen vorgestellt werden, eine Zuchtzulassung im Verein ist damit praktisch ausgeschlossen. Ziehst du später nach Österreich, ist dort schon der Import verboten; in die Schweiz darfst du einen eigenen kupierten Hund zwar beim Umzug mitnehmen, ihn dort aber weder ausstellen noch anpreisen. Und das Risiko chronischer Schmerzen kann den Hund ein Leben lang begleiten.
Darfst du einen kupierten Hund – etwa einen Dobermann – aus dem Tierheim adoptieren?
Ja, völlig legal – und du gibst einem Hund ein Zuhause, der für seine Ohren und seine Rute nichts kann. Nach unserer Prüfung (Stand September 2026) verbietet kein deutsches Gesetz, einen kupierten Hund zu adoptieren oder zu halten. Du darfst ihn nur nicht ausstellen und nicht auf Zuchtschauen oder Körungen vorstellen.
Hundeschule, Begleithundeprüfung, Wesenstest und Sachkundenachweis zählen nach den Leitlinien der Arbeitsgruppe Tierschutz der Länder nicht zum Ausstellungsverbot. Hundesport-Turniere (z. B. Agility, Obedience) und andere Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen oder beurteilt werden, fallen danach in der Regel darunter. Die Leitlinien sind nicht bindend – frag im Zweifel beim Veranstalter oder beim Veterinäramt nach. Auch Österreich, wo schon der Erwerb kupierter Hunde verboten ist, nimmt die Vermittlung entlaufener, ausgesetzter, zurückgelassener oder beschlagnahmter Tiere durch Tierheime ausdrücklich aus.
Ein zweiter Blick lohnt sich bei der Körpersprache. Weil Rute und Ohren als Signalgeber fehlen oder eingeschränkt sind, können andere Hunde und Menschen deinen Hund schwerer lesen. Achte deshalb besonders auf Gesicht, Körperhaltung und Tempo, und gib Begegnungen mit fremden Hunden etwas mehr Raum, bis du ihn gut kennst.
Für die ersten Wochen
- Beobachte, wie dein Hund Stimmung zeigt: Blick, Maul, Gewicht nach vorn oder hinten, Tempo.
- Erklär anderen Hundehaltern bei Begegnungen, dass er über die Rute wenig signalisieren kann.
- Reagiert er empfindlich auf Berührungen am Rutenstummel oder an den Ohren, oder leckt und knabbert er oft daran, sprich das beim Tierarzt an – ein Neurom ist eine mögliche Ursache.
- Lass Ohren und Rutenstummel beim ersten Tierarzttermin mit ansehen: So erfährst du früh, ob Narben oder Neurome Beschwerden machen.
Welche anderen Eingriffe am Hund sind verboten – Afterkrallen, Stimmbänder, Krallen?
Grundsätzlich jeder Eingriff, der einem gesunden Hund ohne tierärztliche Begründung Körperteile oder Gewebe nimmt. Das Amputationsverbot in § 6 Tierschutzgesetz gilt nicht nur für Ohren und Rute, sondern auch für das Entnehmen oder Zerstören von Organen und Geweben. Erlaubt ist ein Eingriff nur mit tierärztlicher Indikation im Einzelfall, durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt; Verstöße können ebenfalls mit bis zu 25.000 € Bußgeld geahndet werden.
Afterkrallen (Wolfskrallen) dürfen in Deutschland nur entfernt werden, wenn im Einzelfall ein tierärztlicher Grund vorliegt, etwa eine Verletzung, eine eingerissene Kralle oder eine Entzündung. Vorsorgliches Entfernen bei allen Welpen eines Wurfs ist nicht erlaubt. Die Schweiz nimmt das Entfernen der Afterkrallen dagegen ausdrücklich vom Verbot von Eingriffen zur Erleichterung der Haltung aus (Art. 24 lit. b TSchV).
Das Durchtrennen oder Zerstören der Stimmbänder, damit ein Hund leiser bellt, ist ohne medizinischen Grund ebenso verboten wie das Entfernen der Krallen. Österreich verbietet beides ausdrücklich, die Schweiz das Zerstören der Stimmorgane, und die EU-Verordnung 2026/1818 zählt es ab 2028 zu den Verstümmelungen. Die WSAVA weist darauf hin, dass solche Eingriffe Hunde daran hindern, natürliches Verhalten zu zeigen.
Ist Kupieren von Ohren und Rute in Deutschland verboten?
Ja, grundsätzlich. § 6 des Tierschutzgesetzes verbietet das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen eines Wirbeltieres – dazu gehören Ohren und Rute. Das Kupieren der Ohren ist seit den 1980er-Jahren, das der Rute seit 1998 grundsätzlich verboten. Erlaubt ist ein solcher Eingriff nur im Einzelfall, wenn er tierärztlich geboten ist, etwa bei einer schwer verletzten Rute, oder wenn er bei einem jagdlich zu führenden Hund für die vorgesehene Nutzung unerlässlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen. In beiden Fällen muss eine Tierärztin oder ein Tierarzt operieren, unter Betäubung. Verstöße können mit bis zu 25.000 € Bußgeld geahndet werden.
Hunde mit tierschutzwidrig kupierten Ohren oder Ruten dürfen in Deutschland nicht ausgestellt werden – das gilt auch für Zuchtschauen, Körungen und andere Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen oder beurteilt werden, und auch dann, wenn im Ausland kupiert wurde (§ 10 Tierschutz-Hundeverordnung, in der aktuellen Fassung seit 2022; Bußgeld bis 5.000 €). Rechtmäßig nach der Jagdhund-Ausnahme kupierte Hunde sind davon nach gängiger Lesart nicht betroffen. Einen im Ausland kupierten Hund zu kaufen, einzuführen oder zu halten, ist in Deutschland nach unserer Prüfung (Stand September 2026) dagegen nicht verboten: Das Gesetz erlaubt zwar eine Verordnung dafür, erlassen wurde aber nur das Ausstellungsverbot – und ohne Verordnung gibt es kein Haltungsverbot. Für qualgezüchtete Tiere hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg 2024 aus demselben Grund entschieden, dass es kein Haltungsverbot gibt (6 S 3017/19); für kupierte Hunde folgt dasselbe aus dem Gesetzeswortlaut. Ein gesetzliches Zuchtverbot gibt es ebenfalls nicht, eine Zuchtzulassung im Verein ist über Zuchtschau oder Körung aber praktisch ausgeschlossen.
Nachbarländer gehen weiter. In Österreich ist Kupieren verboten, und schon Import, Erwerb, Vermittlung und Weitergabe von Hunden, die nach dem 1. Januar 2008 geboren und dort verboten operiert wurden, sind untersagt – ausgenommen etwa die Vermittlung entlaufener, ausgesetzter, zurückgelassener oder beschlagnahmter Tiere durch Tierheime (§ 30 Abs. 1). Auch Hunde für einen solchen Eingriff ins Ausland zu bringen, ist dort ausdrücklich verboten. In der Schweiz ist die Einfuhr kupierter Hunde verboten, außer bei medizinischem Grund oder wenn jemand mit dem eigenen Hund umzieht. In den Niederlanden sind Kupieren sowie Kauf und Verkauf kupierter Hunde verboten. Dänemark erlaubt Kupieren nur aus tierärztlichen Gründen – mit einer Ausnahme für die Rute von Welpen reinrassiger Eltern aus fünf Vorstehhunderassen bis zum vierten Lebenstag. Weder Österreich noch die Schweiz kennen eine Jagdhund-Ausnahme.
Ab dem 31. August 2028 verpflichtet die EU-Verordnung 2026/1818 Züchter, Händler und Tierheime EU-weit, keine Verstümmelungen wie das Kupieren von Ohren und Rute ohne medizinische Begründung vornehmen zu lassen. Als medizinisch begründet gelten dabei auch vorbeugende Eingriffe gegen Verletzungen, wenn eine Tierärztin oder ein Tierarzt sie unter Betäubung und mit Schmerzbehandlung vornimmt und dokumentiert. Hunde, deren Erscheinungsbild durch eine Verstümmelung verändert wurde, werden zudem von Schönheitsschauen ausgeschlossen. Strengere nationale Regeln bleiben bestehen.
Diese Seite erklärt, sie ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Ob ein einzelner Hund betroffen ist, kann nur ein Tierarzt beurteilen.
Häufige Fragen
Ist Kupieren Qualzucht?
Nein. Qualzucht ist erblich bedingt: Der Hund kommt mit dem schädlichen Merkmal zur Welt, etwa einer zu kurzen Nase. Beim Kupieren werden dagegen Ohren oder Rute eines gesund geborenen Hundes chirurgisch gekürzt. Grundsätzlich verboten ist es trotzdem – nicht nach § 11b, sondern nach dem Amputationsverbot in § 6 Tierschutzgesetz.
Darf ich einen kupierten Hund aus dem Ausland kaufen?
Wir raten davon ab. Rechtlich ist der Kauf in Deutschland derzeit nicht verboten, aber er bezahlt einen Eingriff, den das deutsche Gesetz verbietet. Eine britische Studie zu Hunden mit kupierten Ohren fand zudem, dass viele kupierte Importhunde aus Ländern stammten, in denen Kupieren ebenfalls verboten ist. In Österreich sind schon Import und Erwerb verboten, in der Schweiz die Einfuhr. Ausstellen darfst du den Hund in Deutschland nicht, eine Zuchtzulassung im Verein ist praktisch ausgeschlossen.
Darf ich einen kupierten Hund aus dem Tierheim adoptieren?
Ja, das ist völlig legal. Der Hund braucht ein Zuhause, und für seine Ohren und seine Rute kann er nichts. Du darfst ihn nur nicht ausstellen oder auf Zuchtschauen und Körungen vorstellen. Nach den Leitlinien der Arbeitsgruppe Tierschutz der Länder sind Hundeschule, Begleithundeprüfung und Wesenstest davon nicht betroffen, Hundesport-Turniere wie Agility in der Regel schon; die Leitlinien sind nicht bindend.
Warum werden Dobermänner kupiert?
Aus Tradition und wegen eines bestimmten Aussehens – einen medizinischen Grund gibt es nicht. Der US-Standard (AKC) beschreibt den Dobermann noch mit kupierten Ohren und Rute, der aktuelle FCI-Standard des Herkunftslands Deutschland (2015) verlangt dagegen natürliche Ohren und eine natürliche Rute. In Deutschland ist das Kupieren verboten.
Ist Kupieren bei Jagdhunden erlaubt?
In der Praxis nur an der Rute und nur eng begrenzt: Der Hund muss jagdlich geführt werden, der Eingriff muss im Einzelfall für diese Nutzung unerlässlich sein, tierärztliche Bedenken dürfen nicht entgegenstehen, und eine Tierärztin oder ein Tierarzt muss ihn vornehmen. Für die Ohren gibt es praktisch keine Ausnahme. Befürworter verweisen auf Daten zu Rutenverletzungen bei arbeitenden Jagdhunden (Lederer 2014); eingefügt wurde die Ausnahme 1998 aber ohne Begründung, und unter Tierärzten ist sie umstritten. Österreich und die Schweiz kennen sie nicht.
Darf ich mit einem kupierten Hund züchten?
Ein ausdrückliches gesetzliches Zuchtverbot gibt es nicht, denn Kupieren wird nicht vererbt. Praktisch ist eine Zuchtzulassung im Verein aber ausgeschlossen, weil tierschutzwidrig kupierte Hunde nicht auf Zuchtschauen oder Körungen vorgestellt werden dürfen. Die Welpen kommen mit natürlichen Ohren und Ruten zur Welt – und dürfen nicht kupiert werden.
Darf ich meinen Hund im Ausland kupieren lassen?
Das solltest du nicht. In Österreich ist es ausdrücklich verboten, Tiere für solche Eingriffe ins Ausland zu bringen. Ob in Deutschland dafür ein Bußgeld droht, ist rechtlich nicht abschließend geklärt – Folgen hat es trotzdem: Der Hund darf hier nicht ausgestellt werden, und das Risiko chronischer Schmerzen kann ihn ein Leben lang begleiten.
Quellen
- § 6 Tierschutzgesetz (TierSchG) – Amputationsverbot und Ausnahmen
- § 18 Tierschutzgesetz (TierSchG) – Bußgeldvorschriften
- § 10 Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) – Ausstellungsverbot
- AGT/LAV: Leitlinien zur Auslegung und zum Vollzug von § 10 TierSchHuV (2024, nicht bindend), inkl. VGH Baden-Württemberg, 07.03.2024, 6 S 3017/19
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Amputation der Rute bei Jagdhunden (WD 5 - 3000 - 037/21, 2021)
- Österreich: Tierschutzgesetz (TSchG), §§ 7, 8, 8b, 30 – RIS
- Schweiz: Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1), Art. 22, 24 und 76a – Stand 1. Februar 2026
- Niederlande: Wet dieren, Art. 2.7 und 2.8
- Dänemark: Bekendtgørelse nr. 607 af 26/05/2025 om hold af hunde, §§ 8–13
- Verordnung (EU) 2026/1818 über das Wohlergehen und die Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen, Art. 18 und 19
- Mellor DJ (2018): Tail Docking of Canine Puppies: Reassessment of the Tail's Role in Communication, the Acute Pain Caused by Docking and Interpretation of Behavioural Responses. Animals 8(6): 82
- WSAVA: Position Statement on Cosmetic Alterations in Companion Animals (2024)
- Gross TL, Carr SH (1990): Amputation neuroma of docked tails in dogs. Veterinary Pathology 27: 61–62
- Holt PE, Thrusfield MV (1993): Association in bitches between breed, size, neutering and docking, and acquired urinary incontinence due to incompetence of the urethral sphincter mechanism. Veterinary Record 133: 177–180
- Diesel G et al. (2010): Risk factors for tail injuries in dogs in Great Britain. Veterinary Record 166: 812–817
- Lederer R, Bennett D, Parkin T (2014): Survey of tail injuries sustained by working gundogs and terriers in Scotland. Veterinary Record 174(18): 451
- Norris LJ, Pinchbeck GL, Noble PM, Radford AD (2023): Dogs with cropped ears in the UK: A population-based study using electronic health records. Veterinary Record 192(5): e2483
- FCI-Standard Nr. 143: Dobermann (2015)
Zuletzt geprüft am 30. September 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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