Einen Bracco Italiano aus dem Tierheim adoptieren: Ein treuer Begleiter sucht eine zweite Chance
Einen Hund aus dem Tierschutz bei sich aufzunehmen, ist eine tiefe und lohnende Herzensentscheidung. Wenn du mit dem Gedanken spielst, einen Bracco Italiano zu adoptieren, entscheidest du dich für einen äußerst loyalen, anhänglichen und intelligenten Begleiter. Diese sanften Riesen aus Italien bauen eine unglaublich enge Bindung zu ihren Menschen auf. Doch der Weg aus dem Zwinger auf das heimische Sofa erfordert Einfühlungsvermögen, Geduld und das richtige Verständnis für die Bedürfnisse dieser besonderen Rasse.
Warum landen Bracchi Italiani überhaupt im Tierheim?
Obwohl der Bracco Italiano mit einer Familienfreundlichkeit von 5 von 5 Sternen glänzt, warten immer wieder Vertreter dieser Rasse auf ein neues Zuhause. Meist liegt das nicht am Charakter des Hundes, sondern an falschen Erwartungen der Vorbesitzer:
- Unterschätztes Energielevel: Mit einem hohen Energielevel (4/5) reicht diesem Hund eine kurze Runde um den Block nicht aus. Er möchte körperlich und geistig gefordert werden.
- Starker Jagdinstinkt: Der Bracco ist ein geborener Arbeitshund. Seine exzellente Nase und Spurensuche können in wildreichen Gebieten zur Herausforderung werden, wenn die Besitzer nicht darauf vorbereitet sind.
- Größe und Kraft: Ein ausgewachsener Rüde erreicht eine Schulterhöhe von bis zu 67 cm und wiegt zwischen 30 und 45 kg. Wenn ein solch kräftiger Hund nicht leinenführig ist, wird der Spaziergang schnell anstrengend.
- Fehlende Stadttauglichkeit: Mit einer Stadttauglichkeit von lediglich 2/5 ist der Bracco in einer engen Stadtwohnung ohne Garten oft unglücklich und entwickelt aus Frust Verhaltensauffälligkeiten.
Was erwartet dich bei einem Bracco Italiano aus dem Tierschutz?
Jeder Bracco Italiano im Tierheim trägt seinen eigenen, unsichtbaren Rucksack mit sich. Einige wurden als Jagdhunde aussortiert, weil sie nicht die gewünschte Leistung erbracht haben, andere stammen aus überforderten Familien. In den ersten Tagen können diese ohnehin sehr sensiblen und menschenbezogenen Hunde unsicher oder schüchtern reagieren.
Die gute Nachricht ist: Der Bracco Italiano hat den absoluten Willen zu gefallen und ist mit einer Trainierbarkeit von 5/5 ein wunderbarer Schüler. Sobald der Hund Vertrauen zu dir gefasst hat, wird seine enthusiastische Art zum Vorschein kommen. Stelle dich darauf ein, dass du anfangs das Alleinbleiben behutsam neu aufbauen musst, da diese Rasse die Trennung von ihrem geliebten Rudel nur schwer erträgt.
Kostenfrage: Adoption vs. Welpe vom Züchter
Ein Welpe vom Züchter hat seinen Preis: Für einen Bracco Italiano musst du in der Regel mit 1.500 bis 2.500 Euro rechnen. Wenn du dich hingegen entscheidest, einem Tierschutzhund ein Zuhause zu geben, fällt eine sogenannte Schutzgebühr an. Diese liegt meist zwischen 300 und 500 Euro.
Diese Gebühr deckt einen Teil der Tierarzt-, Impf- und Unterbringungskosten des Tierheims und schützt den Hund vor unüberlegten Spontankäufen. Das gesparte Geld kannst du wunderbar in eine hochwertige Erstausstattung investieren: Ein gutsitzendes Sicherheitsgeschirr, eine robuste Schleppleine, ein großes, orthopädisches Hundebett und rassespezifisches Futter.
Tipps für eine erfolgreiche Eingewöhnung
Die ersten Wochen sind entscheidend für euer zukünftiges Zusammenleben. Mit diesen Tipps machst du deinem neuen Begleiter den Start so leicht wie möglich:
- Sicherheit geht vor: Aufgrund des Jagdtriebs und möglicher Schreckhaftigkeit solltest du deinen Bracco in der ersten Zeit doppelt sichern (Sicherheitsgeschirr plus Halsband) und an einer Schleppleine führen.
- Nasenarbeit zur Auslastung: Da er ein ausgezeichneter Spurensucher ist, hilfst du ihm beim Stressabbau, wenn du Suchspiele in den Alltag einbaust. Das lastet den Kopf aus und stärkt eure Bindung.
- Ruhephasen etablieren: Tierheimhunde haben oft ein immenses Schlafdefizit. Biete ihm einen festen, ruhigen Rückzugsort an, an dem er nicht gestört wird.
- Wärme und Nähe: Das Fell des Bracco Italiano ist zwar dicht und glänzend, besitzt jedoch keine Unterwolle. Er friert schnell und kuschelt unglaublich gern – lass diese körperliche Nähe zu, sie gibt ihm Sicherheit.
