Seriöse Whippet Züchter finden: Worauf es bei der Wahl ankommt
Der Whippet vereint scheinbare Gegensätze in Perfektion: Einst in England für die Hasenjagd und rasante Hunderennen gezüchtet, zeigt sich der mittelgroße Windhund (Rüden erreichen 47 bis 51 Zentimeter Schulterhöhe bei 12 bis 15 Kilogramm Gewicht) im Haus zärtlich, ruhig und extrem menschenbezogen. Er sucht ständig den Körperkontakt zu seiner Familie und kommt problemlos mit dem Stadtleben zurecht. Damit du diese wunderbaren Eigenschaften über die hohe Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren unbeschwert genießen kannst, ist die Wahl der Zuchtstätte der wichtigste Schritt vor dem Kauf. Wir zeigen dir, woran du einen guten Whippet Züchter erkennst und welche medizinischen Nachweise du dir vorlegen lassen solltest.
Warum die Züchterwahl beim Whippet so entscheidend ist
Whippets gelten insgesamt als sehr robuste und langlebige Hunde. Ihr feingliedriger Körperbau und ihre Geschichte als Hochleistungssprinter bringen jedoch spezifische gesundheitliche Themen mit sich, die gezieltes Wissen in der Zucht erfordern. Dazu gehören vor allem das Herz-Kreislauf-System, die Augen sowie eine genetische Besonderheit der Muskulatur. Zudem besitzt der Whippet kurzes, glattes Fell ganz ohne Unterwolle und kaum Körperfett. Das macht ihn empfindlich gegenüber Nässe und Kälte – und anfällig für bestimmte rassetypische Haut- und Haarkleidthemen. Ein verantwortungsbewusster Züchter wählt seine Elterntiere nicht nur nach Schönheit oder Schnelligkeit aus, sondern kombiniert Linien so, dass gesundheitliche Risiken systematisch gesenkt werden.
Gesundheitstests und Risiken beim Whippet im Überblick
Ein seriöser Züchter verlässt sich nicht auf den bloßen Augenschein, sondern nutzt moderne Diagnostik. Lass dir beim Besuch der Zuchtstätte die schriftlichen Befunde der Elterntiere zeigen. Diese Untersuchungen und Themen stehen beim Whippet im Fokus:
- Gentest auf Muskelhypertrophie (Doppellendigkeit): Diese genetische Muskelerkrankung führt zu einer extremen Bemuskelung, unter der Hunde im reinerbigen Zustand unter anderem zu Muskelkrämpfen neigen. Im Deutschen Windhundzucht- und Rennverband e.V. (DWZRV) ist dieser Test vorgeschrieben. Der DNA-Test zeigt, ob ein Hund frei, Anlageträger oder betroffen ist. Ein seriöser Züchter verpaart Anlageträger ausschließlich mit getesteten freien Partnern, um das Risiko für betroffene Welpen zu senken.
- Klinische Herz- und Augenuntersuchungen: Da beim Whippet Herzerkrankungen und Augenthemen wie der Katarakt (Grauer Star) vorkommen, lassen gute Züchter die Elterntiere regelmäßig kardiologisch (meist per Herzultraschall) sowie augenärztlich untersuchen und bei Bedarf auch das Gehör prüfen. Solche Untersuchungen senken das Risiko, dass erbliche Defekte unbemerkt weitergegeben werden.
- Haut, Fell und Stoffwechsel in den Linien: Zum rassetypischen Spektrum gehören zudem Haut- und Haarkleidprobleme wie Musterhaarausfall (Pattern Baldness), Ektodermale Dysplasie und – gekoppelt an Verdünnungsfarben wie Blau – die Color Dilution Alopecia (Blue Dog Syndrom). Auch die Stoffwechselstörung Phosphofruktokinase (PFK)-Defizienz ist als Thema bekannt. Hier ist die Offenheit des Züchters über die Gesundheit der Vorfahren gefragt.
Merkmale eines guten Whippet Züchters
Ein Whippet braucht von Geburt an engen Familienanschluss. Da die Rasse extrem anhänglich ist, wachsen die Welpen bei einem guten Züchter mitten im Wohnbereich auf – niemals im Zwinger oder in einem abgelegenen Nebengebäude. Die Mutterhündin ist vor Ort, wirkt ausgeglichen und zeigt das rassetypisch freundliche, sanfte Wesen. Ein guter Züchter berät dich zudem ehrlich zu den Bedürfnissen der Rasse: Er erklärt dir, dass du deinen Whippet bei Kälte und Regen mit wärmender Kleidung schützen musst, regelmäßige tierärztliche Routinekontrollen für das Herz einplanen solltest und wie du dem hohen Energielevel beim Freilauf sicher gerecht wirst.
6 konkrete Fragen, die du dem Whippet Züchter stellen solltest
Nutze das Erstgespräch und den Besuch vor Ort, um dem Züchter gezielte Fachfragen zu stellen. An den Antworten erkennst du sofort, wie viel Sorgfalt in der Planung des Wurfs steckt:
- 1. Liegen die DNA-Testergebnisse auf Muskelhypertrophie (Doppellendigkeit) für beide Elterntiere vor? Lass dir die Zertifikate im Original zeigen.
- 2. Wann wurden Herz und Augen der Elterntiere zuletzt untersucht? Frage gezielt nach aktuellen Befunden zum Herz und zur Untersuchung auf Katarakt.
- 3. Gab es in den Linien Fälle von Musterhaarausfall, Ektodermaler Dysplasie oder PFK-Defizienz? Ein transparenter Züchter kennt seine Ahnentafeln genau und spricht offen über eventuelle Vorkommen.
- 4. Falls blaufarbene Hunde in der Zucht eingesetzt werden: Wie steht es um Color Dilution Alopecia in der Linie? Da diese Fellproblematik an die Farbverdünnung gekoppelt ist, sollte der Züchter hier genau Auskunft geben können.
- 5. Wie wachsen die Welpen auf und wie werden sie auf den Alltag vorbereitet? Achte darauf, dass sie Alltagsgeräusche, verschiedene Untergründe und den Kontakt zu Menschen und anderen Hunden kennenlernen.
- 6. Aus welchen Linien (Renn- oder Showlinie) stammen die Eltern und was bedeutet das für das Temperament der Welpen? Das hilft dir einzuschätzen, wie stark der Hetztrieb und das Bewegungsbedürfnis ausgeprägt sind.
Warnsignale: So erkennst du unseriöse Vermehrer sofort
Ein gesund gezüchteter Welpe von einem seriösen Züchter hat seinen Preis: Plane für einen Whippet eine Preisspanne von 1.500 bis 2.500 Euro ein. Deutlich günstigere Angebote im Internet stammen fast immer von unseriösen Vermehrern, die an Gesundheitsvorsorge und Aufzucht sparen. Nimm sofort Abstand vom Kauf, wenn der Verkäufer keine schriftlichen Nachweise zum Test auf Muskelhypertrophie oder zu Herz- und Augenuntersuchungen vorlegen kann. Weitere klare Warnsignale sind eine Haltung der kälteempfindlichen Hunde in Ställen oder Schuppen, das Fehlen der Mutterhündin, scheue oder apathische Welpen sowie Verkäufer, die dir den Hund ohne kritische Rückfragen zu deiner Wohnsituation sofort mitgeben wollen. Auch wenn die Trendfarbe „Blau“ zu überhöhten Preisen als exklusive Besonderheit angepriesen wird, ohne über das Risiko für Color Dilution Alopecia aufzuklären, ist Vorsicht geboten.
Auf HonestDog durchläuft jeder Züchter vor der Freischaltung eine Anmeldung: Identitätsprüfung per Ausweis und Selfie, gegebenenfalls Nachweis von Vereinsmitgliedschaft oder §11-Erlaubnis, ein Wissenstest zu Zucht und Tierschutz und die Zustimmung zu den HonestDog-Zuchtstandards – unter anderem keine Zucht mit Qualzuchtmerkmalen und keine Zuchthunde unter 18 Monaten. Ohne geprüfte §11-Erlaubnis kann ein Züchter dort höchstens zwei Zuchthündinnen eintragen, und Auffälligkeiten an einem Züchterprofil meldest du direkt über „Inhalt melden“. Lass dir beim Besuch die Originalbefunde der Elterntiere zeigen. Aktuelle Würfe findest du bei den Whippet Welpen auf HonestDog.








