Impfung und erster Tierarztbesuch: Woche 4 mit Welpe
Mit rund zwölf Wochen steht die zweite Impfung der Grundimmunisierung an — und damit der Termin, der über etwas viel Größeres entscheidet: ob dein Hund den Tierarzt sein Leben lang als Feind oder als Nebensache erlebt.
Dein Welpe ist jetzt etwa 12 Wochen alt
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Grundimmunisierung nach StIKo Vet läuft über Impfungen ab der achten, zwölften und sechzehnten Lebenswoche plus eine im fünfzehnten Lebensmonat. In Woche 4 bei dir ist meist die Zwölf-Wochen-Impfung fällig — nimm Heimtierausweis und ein Säckchen Leckerli mit.
- Core-Impfungen für jeden Hund: Staupe, Parvovirose, Hepatitis (HCC) und Leptospirose. Alles Weitere ist eine Einzelfallentscheidung mit deiner Tierarztpraxis.
- Der Termin ist Trainingszeit: Jede entspannte Minute auf dem Behandlungstisch zahlt auf vierzehn Jahre Tierarztbesuche ein.
- Entwurmung ab jetzt nach ESCCAP: bis zum sechsten Lebensmonat monatlich behandeln oder Kotproben untersuchen lassen.
- Welpen kompensieren schlecht: Anhaltender Durchfall, mehrfaches Erbrechen oder Apathie sind beim Welpen früher ein Tierarztfall als beim erwachsenen Hund.
- Rechne für das erste Impfjahr grob mit 150 bis 250 Euro — je nach Praxis, Region und GOT-Satz.
Dieser Beitrag fasst den fachlichen Stand zur Orientierung zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung im Einzelfall. Bei Beschwerden deines Hundes ist die Tierarztpraxis die richtige Adresse.
Was passiert beim ersten Tierarztbesuch?
Wenig Dramatisches — und genau das ist der Punkt. Auf dem Programm stehen eine allgemeine Untersuchung (Abhören, Abtasten, Zähne, Ohren, Gewicht), der Blick in den Impfpass und die fällige Impfung. Nimm den EU-Heimtierausweis, den Entwurmungsnachweis des Züchters und eine Kotprobe mit, falls die Praxis darum bittet.
Deine wichtigste Aufgabe an diesem Termin ist nicht medizinisch: Mach den Besuch zu einem guten Erlebnis. Komm ein paar Minuten früher, lass den Welpen das Wartezimmer erschnuppern, füttere Leckerli auf der Waage und auf dem Tisch, bleib selbst gelassen. Viele Praxen unterstützen das ausdrücklich — frag nach, ob ihr zwischendurch auch mal nur zum „Hallo sagen“ vorbeikommen dürft.
Falls noch nicht geschehen, ist jetzt auch der Moment, dich als Praxis-Stammkunde zu registrieren und die Notdienst-Nummern zu speichern: die deiner Praxis und die der nächsten Tierklinik mit 24-Stunden-Dienst. Du willst beides nicht zum ersten Mal googeln, wenn es ernst ist.
Welche Impfungen braucht dein Welpe jetzt?
Nach den Leitlinien der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) gehören zu den Core-Impfungen, die jeder Hund haben sollte: Staupe, Parvovirose, Hepatitis contagiosa canis und Leptospirose. Die Grundimmunisierung beginnt ab der achten Lebenswoche — die hat dein Welpe vom Züchter — und wird mit etwa zwölf und sechzehn Wochen sowie einer weiteren Impfung im fünfzehnten Lebensmonat vervollständigt.
Warum so viele Termine? Wegen der sogenannten immunologischen Lücke: Die Antikörper aus der Muttermilch schützen den Welpen anfangs, können aber gleichzeitig die Wirkung früher Impfungen abschwächen — und wann sie so weit abgebaut sind, dass die Impfung voll greift, ist individuell verschieden. Die Wiederholungen schließen genau diese Lücke.
Über Nicht-Core-Impfungen — etwa Zwingerhusten, Tollwut ohne Reisepläne oder Borreliose — entscheidet ihr im Gespräch nach Lebensumständen. Fürs Reisen innerhalb der EU ist die Tollwutimpfung Pflicht; sie ist ab zwölf Wochen möglich und braucht danach 21 Tage bis zur Reisegültigkeit. Der Impfkalender hier auf der Seite rechnet dir die Termine auf Wunsch aus.
Grundimmunisierung nach StIKo Vet (Orientierung)
| Alter | Impfung |
|---|---|
| 8 Wochen (beim Züchter) | Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose |
| 12 Wochen | Wiederholung; ggf. zusätzlich Tollwut (z. B. für Reisen) |
| 16 Wochen | Wiederholung Staupe, Parvovirose, HCC |
| 15 Monate | Abschluss der Grundimmunisierung |
Was kostet das Impfen?
Eine Kombi-Impfung inklusive der vorgeschriebenen Allgemeinuntersuchung kostet in Deutschland typischerweise zwischen 50 und 80 Euro pro Termin — die Spanne entsteht durch die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die Praxen je nach Aufwand den ein- bis dreifachen Satz berechnen lässt, und durch regionale Unterschiede.
Für das gesamte erste Impfjahr — die verbleibenden Termine der Grundimmunisierung plus gegebenenfalls Tollwut — landest du realistisch bei 150 bis 250 Euro. Dazu kommen Entwurmung oder Kotuntersuchungen und je nach Region ein Schutz gegen Zecken und Flöhe.
Der ehrliche Spartipp lautet: nicht an den Impfungen. Eine Parvovirose-Behandlung auf der Intensivstation einer Tierklinik kostet ein Vielfaches der kompletten Grundimmunisierung — vom Risiko für den Welpen ganz zu schweigen.
Wie oft muss ein Welpe entwurmt werden?
Beim Züchter wurde dein Welpe nach dem üblichen Schema bereits ab der zweiten Lebenswoche alle zwei Wochen entwurmt — die Daten stehen im Übergabeprotokoll. Ab jetzt empfiehlt ESCCAP für Welpen: bis zum Alter von sechs Monaten monatlich entwurmen oder alternativ monatlich eine Kotprobe untersuchen lassen und nur bei Befund behandeln.
Beides ist fachlich in Ordnung — die Behandlung ist bequemer, die Kotuntersuchung vermeidet unnötige Wirkstoffgaben. Sprich mit deiner Praxis, was zu euch passt; bei Hunden, die viel schnüffeln, Kot fressen oder mit vielen Artgenossen unterwegs sind, fällt die Empfehlung strenger aus.
Nach dem sechsten Monat wird das Schema risikobasiert: Für den Durchschnittshund gelten vier Behandlungen oder Kotuntersuchungen pro Jahr als Untergrenze. Wichtig zu wissen: Eine Wurmkur wirkt am Tag der Gabe — sie beugt nicht vor. Deshalb ist der Rhythmus entscheidender als das Präparat.
Woran erkennst du, dass dein Welpe krank ist?
An Abweichungen vom Normalzustand, den du inzwischen gut kennst: Ein Welpe, der nicht frisst, apathisch wirkt, mehrfach erbricht oder länger als einen Tag Durchfall hat, gehört in die Praxis — großzügiger und früher, als du es bei einem erwachsenen Hund halten würdest. Welpen haben kaum Reserven; vor allem Flüssigkeitsverlust wird schnell gefährlich.
Keine Panik dagegen bei Einzelereignissen mit ungestörtem Allgemeinbefinden: Ein einmaliges Erbrechen nach hastigem Fressen oder ein weicher Haufen nach Aufregung sind Alltag. Beobachten, Notizen machen, beim nächsten Mal berichten.
Mehr zu den häufigen Beschwerden — Durchfall, Giardien, Fellpflege und Krallen — kommt gebündelt in Woche 10. Für jetzt reicht die Faustregel: Im Zweifel anrufen. Für genau diese Anrufe hast du die Nummern gespeichert.
Häufige Fragen
Darf mein Welpe vor der zweiten Impfung andere Hunde treffen?
Ja — gezielt und mit Verstand. Die Sozialisierungsphase wartet nicht auf den Impfplan; komplette Isolation bis Woche sechzehn richtet mehr Schaden an als sie verhindert. Sicher sind Kontakte zu nachweislich geimpften, freundlichen Hunden und eine Welpengruppe, die Impfpässe kontrolliert. Meiden solltest du Orte mit viel anonymem Hundeverkehr und Kot — Hundewiesen, Rastplätze.
Ist die Tollwutimpfung Pflicht?
In Deutschland gibt es keine generelle Impfpflicht, Deutschland gilt als tollwutfrei. Pflicht wird sie beim Grenzübertritt: Für Reisen in der EU braucht dein Hund eine gültige Tollwutimpfung im Heimtierausweis, frühestens ab zwölf Wochen, gültig ab 21 Tagen nach der Impfung. Wenn ein Urlaub ansteht, plane das rechtzeitig ein.
Was, wenn wir einen Impftermin verpasst haben?
Kein Grund zur Panik, aber zum Anruf: Je nach Abstand wird die Impfung einfach nachgeholt oder das Schema leicht angepasst. Das entscheidet die Praxis anhand der StIKo-Leitlinie — wichtig ist, dass die Grundimmunisierung vollständig wird, nicht dass jeder Termin auf den Tag genau saß.
Wie gebe ich die Wurmkur am besten ein?
Die meisten Präparate gibt es als Tablette oder Paste — versteckt in einem Stück Leberwurst oder Nassfutter nehmen sie fast alle Welpen freiwillig. Klappt das nicht, zeigt dir die Praxis die direkte Eingabe. Notier das Datum; der Monatsrhythmus gerät sonst schneller durcheinander, als man denkt.
Mein Welpe war nach der Impfung schlapp. Ist das normal?
Ein müder Tag, leichte Berührungsempfindlichkeit an der Impfstelle oder etwas weniger Appetit sind übliche und harmlose Reaktionen. Anhaltende Schlappheit über 48 Stunden, Schwellungen im Gesicht, Erbrechen oder Durchfall direkt nach der Impfung dagegen gehören sofort in die Praxis gemeldet.
Quellen
- StIKo Vet — Impfleitlinie für Kleintiere (Friedrich-Loeffler-Institut)
- ESCCAP Deutschland — Wie oft Hunde entwurmen?
- ESCCAP Deutschland — Hundewelpen richtig entwurmen
- LMU München, Medizinische Kleintierklinik — Impfmanagement Hund
Zuletzt geprüft am 27. Juli 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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