Wichtige Impfungen beim Hund unterteilen sich nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) in unverzichtbare Core-Impfungen und bedarfsabhängige Non-Core-Impfungen. Jeder Hund in Deutschland sollte jederzeit gegen Staupe, Parvovirose und Leptospirose geschützt sein. Weitere Impfungen wie Tollwut oder Zwingerhusten richten sich nach Lebensumfeld, Hundekontakt und Reiseplänen.
| Aspekt | Überblick für Hundehalter |
|---|---|
| Core-Impfungen (Basis) | Staupe, Parvovirose, Leptospirose (für jeden Hund dauerhaft empfohlen) |
| Wichtige Non-Core-Impfungen | Tollwut (Pflicht bei EU-Reisen), Hepatitis (HCC), Parainfluenza (Pi), Bordetella, Borreliose, Leishmaniose |
| Grundimmunisierung Welpe | Ab der 8., 12. und 16. Lebenswoche, Abschluss mit ca. 15 Lebensmonaten |
| Auffrischungsintervalle | Leptospirose und Zwingerhusten jährlich; Staupe, Parvovirose und Tollwut meist alle 3 Jahre |
| Typische Kosten pro Termin | Etwa 45 bis 110 Euro (abhängig vom Gebührensatz der GOT und dem Impfstoff) |
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Hund: Welche Impfungen sind wirklich notwendig?
Wenn es um Impfungen für Hunde geht, stehen viele Halter zwischen zwei Extremen: der Sorge vor gefährlichen Infektionskrankheiten einerseits und der Angst vor einer unnötigen Belastung des tierischen Organismus andererseits. Um hier eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Orientierung zu bieten, veröffentlicht die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut regelmäßig aktualisierte Leitlinien zur Impfung von Kleintieren.
Das zentrale Leitmotiv dieser tiermedizinischen Empfehlungen lautet: „So wenig impfen wie möglich, so häufig impfen wie nötig“. Zugleich gilt der Grundsatz, so viele Tiere wie möglich zu immunisieren, um neben dem einzelnen Hund auch die gesamte Hundepopulation durch eine breite Herdenimmunität zu schützen. Eine gesetzliche Impfpflicht innerhalb Deutschlands existiert für Hunde zwar nicht, dennoch unterscheidet die Fachwelt klar zwischen zwei Kategorien von Hunde-Impfungen:
- Core-Komponenten (Pflichtimpfungen im medizinischen Sinn): Gegen diese Erreger sollte jeder Hund zu jeder Zeit geschützt sein, unabhängig davon, ob er in der Großstadt oder auf dem Land lebt. Sie richten sich gegen lebensbedrohliche Krankheiten, die in Deutschland nach wie vor präsent sind oder sogar auf den Menschen übertragen werden können.
- Non-Core-Komponenten (Wahlimpfungen): Diese Impfungen beim Hund sind nicht pauschal für jedes Tier nötig. Sie werden individuell empfohlen, wenn das Ansteckungsrisiko durch die Haltungsbedingungen, die geografische Region oder geplante Auslandsreisen erhöht ist.
Die Core-Impfungen für Hunde im Detail
In der aktuellen Leitlinie zur Impfung von Kleintieren auf OpenAgrar stuft die StIKo Vet drei Erkrankungen als unverzichtbare Core-Komponenten ein: Parvovirose, Staupe und Leptospirose. Im gelben Impfpass oder dem blauen EU-Heimtierausweis begegnen dir diese Komponenten meist als Buchstabenkürzel auf den eingeklebten Impfstoff-Etiketten (S oder D für Staupe, P für Parvovirose, L für Leptospirose).
Staupe (Kürzel S oder D für Distemper)
Die Staupe ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die durch das Canine Staupevirus ausgelöst wird. Das Virus greift je nach Verlaufsform die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt, die Haut oder das zentrale Nervensystem an. Überleben Hunde eine schwere Infektion, behalten sie häufig lebenslange neurologische Schäden (wie den sogenannten Staupetick) oder Zahnschmelzdefekte zurück; oft verläuft die Erkrankung jedoch tödlich. Da das Virus in der heimischen Wildtierpopulation – insbesondere bei Füchsen, Mardern und Waschbären – stark verbreitet ist, kann sich jeder Hund beim täglichen Spaziergang im Wald oder Park anstecken.
Parvovirose (Kürzel P)
Die Parvovirose, oft auch als Hundeseuche bezeichnet, wird durch das Canine Parvovirus verursacht. Dieser Erreger ist in der Umwelt extrem widerstandsfähig und überlebt in Kotresten auf Wiesen oder an Schuhsohlen über viele Monate hinweg. Eine Infektion führt zu schwerstem, oft blutigem Durchfall und massivem Erbrechen sowie einer dramatischen Abnahme der weißen Blutkörperchen. Vor allem bei Welpen, Junghunden und ungeimpften Senioren endet die Krankheit trotz intensivmedizinischer Betreuung häufig durch Austrocknung, Sepsis oder Herzmuskelentzündungen tödlich.
L4 Impfung Hund: Warum der Schutz gegen Leptospirose so wichtig ist
Wer im Impfpass seines Vierbeiners blättert oder sich vorab informiert, stößt fast immer auf den Begriff L4 Impfung Hund. Dahinter verbirgt sich die Schutzimpfung gegen Leptospirose (früher auch Stuttgarter Hundeseuche genannt). Im Gegensatz zu Staupe und Parvovirose wird die Leptospirose nicht durch Viren, sondern durch Bakterien – die sogenannten Leptospiren – verursacht.
Hauptüberträger sind infizierte Wildnager wie Ratten und Mäuse, die die Bakterien mit ihrem Urin ausscheiden. In warmen Sommer- und Herbstmonaten überleben die Erreger hervorragend in Pfützen, Teichen, Gräben und feuchter Erde. Trinkt ein Hund aus einer solchen Pfütze oder watet mit kleinsten Hautverletzungen hindurch, dringen die Bakterien über die Schleimhäute in den Blutkreislauf ein und schädigen binnen kürzester Zeit Leber, Nieren und Lunge schwer. Zudem ist die Leptospirose eine Zoonose: Ein erkrankter Hund kann die Bakterien auf den Menschen übertragen, wo sie ebenfalls schwere Organschäden auslösen können.
Warum steht bei der Impfung Hund L4 die Zahl Vier im Namen? Es gibt weltweit hunderte verschiedene Untergruppen (Serovare) von Leptospiren. Ältere Impfstoffe (L2) deckten lediglich zwei dieser Stämme ab. Da sich das Erregerspektrum in Europa über die Jahre verschoben hat, empfiehlt die StIKo Vet ausdrücklich die Verwendung sogenannter tetravalenter Impfstoffe (L4), die sich gegen vier relevante Serogruppen richten und so eine deutlich breitere Schutzabdeckung bieten. Da es sich bei einer Impfung L4 Hund um einen inaktivierten Impfstoff gegen Bakterien handelt, hält das immunologische Gedächtnis kürzer an als bei Virus-Lebendimpfstoffen. Deshalb muss die Leptospirose-Impfung konsequent alle zwölf Monate aufgefrischt werden, bei sehr hohem Infektionsdruck in Endemiegebieten mitunter sogar halbjährlich.
Non-Core-Impfungen: Sinnvoller Schutz nach individuellem Bedarf
Nicht jeder Hund führt dasselbe Leben. Während ein ruhiger Begleithund auf dem Land selten auf fremde Artgenossen trifft, besucht ein aktiver Familienhund vielleicht dreimal pro Woche den Hundeplatz, geht im Sommer mit auf Reisen nach Südeuropa oder verbringt den Urlaub in einer Hundepension. Genau hier setzen die Non-Core-Impfungen an.
Tollwut (Kürzel T oder R für Rabies)
Viele Hundehalter sind überrascht zu hören, dass die Tollwutimpfung von der StIKo Vet in Deutschland seit einigen Jahren nicht mehr als Core-Impfung geführt wird. Der Grund ist erfreulich: Deutschland gilt seit 2008 offiziell als frei von terrestrischer Tollwut (also der klassischen Fuchstollwut). Für einen Hund, der Deutschland niemals verlässt, besteht im Alltag praktisch kein Ansteckungsrisiko mehr.
Dennoch lassen die meisten Halter eine Impfung für den Hund gegen Tollwut durchführen – aus zwei gewichtigen Gründen:
- Reisen und Veranstaltungen: Sobald du mit deinem Hund eine Grenze innerhalb der EU überschreitest, ist eine gültige Tollwutimpfung im EU-Heimtierausweis gesetzlich zwingend vorgeschrieben. Auch viele Hundeschulen, Tierpensionen, Vereine und Hundeausstellungen verlangen den Nachweis als Zugangsbedingung.
- Rechtliche Besserstellung nach der Tollwut-Verordnung: Kommt ein Hund doch einmal mit einem seuchenverdächtigen Tier (etwa einem illegal importierten Welpen) in Kontakt, ordnet das Veterinäramt bei ungeimpften Hunden im Ernstfall die Tötung an, während nachweislich geimpfte Tiere rechtlich geschützt sind und meist lediglich unter Beobachtung gestellt werden.
Hepatitis contagiosa canis (HCC, Kürzel H oder A)
Die ansteckende Leberentzündung des Hundes wird durch das Canine Adenovirus Typ 1 ausgelöst. Durch jahrzehntelanges konsequentes Impfen ist die Krankheit in Westeuropa sehr selten geworden, weshalb sie formal von den Core- zu den Non-Core-Impfungen wechselte. In Osteuropa zirkuliert das Virus jedoch weiterhin. Da die HCC-Komponente in fast allen gängigen Kombinationsimpfstoffen gemeinsam mit Staupe und Parvovirose (als SHP- oder DHP-Impfstoff) enthalten ist und keine zusätzliche Belastung darstellt, raten Tierärzte und die StIKo Vet dringend dazu, den Impfschutz zur Aufrechterhaltung des Bestandsschutzes beizubehalten.
Impfung Hund Pi und Bordetella: Schutz vor dem Zwingerhusten-Komplex
Suchst du im Impfpass nach der Abkürzung Impfung Hund Pi, geht es um das Canine Parainfluenzavirus. Dieses Virus ist einer der Hauptverursacher des sogenannten infektiösen Tracheobronchitis-Komplexes, besser bekannt als Zwingerhusten. Die Erkrankung ist hochgradig ansteckend und wird durch Tröpfcheninfektion beim Beschnuppern, Bellen oder Husten übertragen. Betroffene Hunde leiden unter trockenem, bellendem Husten, der bis zum Würgereiz führt; bei geschwächten Tieren kann sich daraus eine Lungenentzündung entwickeln.
Meist wirken beim Zwingerhusten Viren (Parainfluenza) und Bakterien (insbesondere Bordetella bronchiseptica) zusammen. Die Pi-Komponente ist häufig direkt in der Kombi-Spritze (z. B. SHPPi) enthalten. Für Hunde mit viel engem Sozialkontakt – etwa in Hundetagesstätten, auf dem Hundeplatz, in Auslaufgebieten oder vor einem Aufenthalt in einer Tierpension – ist zusätzlich eine gezielte Impfung gegen Bordetella bronchiseptica sinnvoll. Diese wird oft schmerzfrei als Nasentropfen oder über die Maulschleimhaut verabreicht und baut direkt auf den Schleimhäuten der Atemwege eine lokale Immunität auf.
Weitere Wahlimpfungen: Borreliose, Leishmaniose und Herpesvirus
Je nach Lebensraum und Nutzung des Hundes kommen weitere spezielle Impfungen beim Hund infrage:
- Lyme-Borreliose: Diese bakterielle Erkrankung wird durch den Stich des Gemeinen Holzbocks (Zecke) übertragen. Die StIKo Vet empfiehlt die Impfung vor allem für Hunde, die sich sehr häufig in stark zeckenbelasteten Wald- und Buschgebieten aufhalten (z. B. Jagdhunde). Wichtig: Die Impfung ersetzt niemals den medikamentösen Zeckenschutz (Repellentien oder Isoxazoline), da Zecken noch weitere gefährliche Krankheiten wie Anaplasmose oder Babesiose übertragen.
- Leishmaniose: Wer seinen Hund mit in den Mittelmeerraum nimmt, setzt ihn dem Risiko von Sandmückenstichen aus, die Leishmanien übertragen. Eine Impfung verhindert zwar nicht die Infektion selbst, senkt aber das Risiko, dass die Krankheit klinisch ausbricht, deutlich.
- Canines Herpesvirus (CHV-1): Diese Impfung ist ausschließlich für Zuchthündinnen relevant, um das gefürchtete infektiöse Welpensterben in den ersten Lebenswochen zu verhindern.
Impfplan: Grundimmunisierung beim Welpen und Auffrischungen
Damit eine Impfung für den Hund zuverlässig greift, muss das Immunsystem im richtigen Takt geschult werden. Wenn Welpen auf die Welt kommen, erhalten sie über die Erstmilch der Mutterhündin (Kolostrum) sogenannte maternale Antikörper. Dieser Nestschutz bewahrt die Kleinen in den ersten Lebenswochen vor Infektionen, hat aber einen Haken: Solange noch mütterliche Antikörper im Blut des Welpen kreisen, fangen diese auch die verabreichten Impfviren ab und neutralisieren sie, bevor das eigene Immunsystem des Welpen aktiv werden kann.
Da man ohne aufwendige Bluttests nicht exakt weiß, in welcher Woche die mütterlichen Antikörper beim einzelnen Welpen abgebaut sind (die sogenannte „immunologische Lücke“), empfiehlt die StIKo Vet ein mehrstufiges Schema für die Grundimmunisierung:
- 8. Lebenswoche: Erste Impfung gegen Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose (L4) und ggf. Parainfluenza (Pi).
- 12. Lebenswoche: Zweite Impfung gegen Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose (L4), ggf. Pi sowie erstmalig Tollwut.
- 16. Lebenswoche: Dritte Impfung gegen Staupe, Parvovirose und HCC. Dieser Termin ist entscheidend, falls in der 12. Woche noch Reste mütterlicher Antikörper vorhanden waren.
- 15. Lebensmonat (bzw. 1 Jahr nach der letzten Welpenimpfung): Abschließende Impfung gegen Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose und ggf. Pi sowie Tollwut (je nach Herstellerangaben des Tollwutimpfstoffs). Erst mit diesem Termin ist die Grundimmunisierung vollständig abgeschlossen.
Ist die Grundimmunisierung im zweiten Lebensjahr erfolgreich beendet, verlängern sich die Abstände bei den viralen Core-Komponenten deutlich. Gegen Staupe, Parvovirose und HCC (sowie bei den meisten Präparaten auch gegen Tollwut) reicht eine Auffrischung alle drei Jahre völlig aus. Die Komponenten gegen Leptospirose (L4) und Parainfluenza (Pi) benötigen hingegen weiterhin ein jährliches Intervall.
Titerbestimmung und Impfintervalle: Wo sich die Fachwelt austauscht
In den letzten Jahren wünschen sich immer mehr Hundehalter eine individuelle Prüfung, ob eine Wiederholungsimpfung zum jeweiligen Zeitpunkt überhaupt notwendig ist. Hintergrund sind unter anderem die Leitlinien der Weltkleintierärztevereinigung (WSAVA) sowie wissenschaftliche Studien, die belegen, dass die Immunität nach einer erfolgreichen Grundimmunisierung mit modifizierten Lebendimpfstoffen gegen Staupe, Parvovirose und HCC oft deutlich länger als drei Jahre – in vielen Fällen sogar lebenslang – anhält.
Als Alternative zur pauschalen Dreijahres-Spritze hat sich für die Komponenten Staupe und Parvovirose die Antikörper-Titerbestimmung etabliert. Dabei nimmt der Tierarzt dem Hund eine kleine Menge Blut ab und prüft mittels Schnelltest in der Praxis oder im externen Labor, ob noch ausreichend schützende Antikörper zirkulieren. Ist der Titer hoch genug, kann die Impfung gegen diese Viren ausgesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt erneut kontrolliert werden.
Hierbei sind jedoch zwei wichtige Einschränkungen zu beachten, über die in der tierärztlichen Beratung aufgeklärt wird: Erstens funktioniert eine solche Titerkontrolle nicht bei der Leptospirose (L4) und beim Zwingerhusten, da die messbaren Antikörper hier schon kurz nach der Impfung wieder abfallen und nicht zuverlässig mit der tatsächlichen Schutzwirkung korrelieren. Zweitens ersetzt ein positiver Titerbefund bei der Tollwut rechtlich gesehen keine Auffrischungsimpfung: Für Grenzübertritte oder behördliche Nachweise zählt allein das gültige Ablaufdatum des Impfstoffherstellers im Heimtierausweis.
Zudem betonen Tierärztekammern und Hochschulen einen Aspekt, den eine Untersuchung zur Besitzer-Compliance bei Hunden in Deutschland deutlich gemacht hat: Bei älteren Hunden ab zehn Jahren lässt die Impfmoral der Halter oft stark nach. Viele Besitzer glauben fälschlicherweise, ein Senior könne sich nicht mehr anstecken oder sei durch frühere Impfungen automatisch für immer geschützt. Tatsächlich lässt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems im Alter (Immunoseneszenz) jedoch nach, weshalb gerade Hunde-Senioren weiterhin ein regelmäßiges Impfgespräch und – vor allem bei der Leptospirose – einen lückenlosen Schutz benötigen.
Praxis: Was bedeutet das konkret für dich und deinen Hund?
Ein Impftermin in der Tierarztpraxis ist weit mehr als ein schneller Piks zwischen Tür und Angel. Laut den Vorgaben der Impfleitlinie darf überhaupt nur ein klinisch gesundes, impffähiges Tier vakziniert werden. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt wird deinen Hund daher vorab gründlich untersuchen: Schleimhäute, Lymphknoten, Zähne und Ohren werden kontrolliert, Herz und Lunge abgehört und der Bauch abgetastet. Dieses jährliche Gesundheitsgespräch hilft enorm dabei, schleichende Erkrankungen frühzeitig zu entdecken.
Wie bereitest du deinen Hund optimal vor?
Damit das Immunsystem deines Hundes ungestört auf den Impfstoff reagieren und eine stabile Abwehr aufbauen kann, sollte der Körper nicht gleichzeitig durch Parasiten geschwächt sein. Es empfiehlt sich, den Hund etwa ein bis zwei Wochen vor dem geplanten Impftermin auf Würmer untersuchen (Kotprobe) oder entwurmen zu lassen. Zeigt dein Hund am Tag vor dem Termin Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Husten, Mattigkeit oder Fieber, oder befindet sich deine Hündin gerade mitten in einer anstrengenden Läufigkeit, solltest du den Termin nach Rücksprache mit der Praxis lieber um ein paar Tage verschieben.
Mögliche Nebenwirkungen und Besonderheiten bei bestimmten Rassen
Moderne Impfstoffe für Hunde sind sehr gut erforscht und im Alltag meist problemlos verträglich. Da die Impfung jedoch das Immunsystem gezielt zur Arbeit anregt, sind leichte Impfreaktionen in den ersten ein bis zwei Tagen nach dem Termin völlig normal:
- Dein Hund wirkt etwas müder als sonst und hat eventuell leicht erhöhte Temperatur oder verminderten Appetit.
- An der Einstichstelle (meist an der seitlichen Brustwand oder im Nackenbereich) bildet sich eine kleine, manchmal druckempfindliche Schwellung. Ein solches „Impfknötchen“ ist eine lokale Gewebereaktion und bildet sich in der Regel innerhalb weniger Wochen von allein zurück.
Gönne deinem Hund am Tag der Impfung und am Folgetag etwas Ruhe, verzichte auf Hundesport oder wilde Tobereien und halte ihn warm und trocken. Sehr selten kommt es zu allergischen Überempfindlichkeitsreaktionen, die meist innerhalb der ersten Stunden nach der Injektion auftreten. Schwillt der Kopf an (sogenanntes „Nilpferdgesicht“), bildet sich stark juckende Nesselsucht am Körper, erbricht der Hund wiederholt oder wirkt er apathisch und blass, musst du sofort wieder in die Tierarztpraxis fahren.
Eine besondere Aufmerksamkeit gilt sehr kleinen und leichten Hunderassen wie dem Chihuahua, dem Zwergspitz oder dem Yorkshire Terrier. Da die Impfstoffdosis beim Hund nicht nach Körpergewicht berechnet wird – ein zwei Kilogramm schwerer Hund benötigt exakt dieselbe Menge an Antigenen zur Stimulation des Immunsystems wie eine Deutsche Dogge –, reagieren Zwergrassen gelegentlich empfindlicher, wenn sehr viele Komponenten auf einmal gespritzt werden. Wenn dein Hund hierzu neigt, kannst du mit deinem Tierarzt besprechen, die Impfungen zeitlich zu splitten, also beispielsweise die Tollwutimpfung zwei bis drei Wochen getrennt von der Kombi-Impfung zu verabreichen.
Was kosten Impfungen beim Hund?
Die Kosten für Hunde-Impfungen sind in Deutschland nicht frei verhandelbar, sondern richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) der Bundestierärztekammer. Im Gebührenverzeichnis gibt es keinen Pauschalposten „Impfung Hund“. Stattdessen setzt sich die Rechnung aus mehreren Einzelleistungen zusammen: der allgemeinen Untersuchung mit Beratung, der subkutanen oder intramuskulären Injektion, dem Ausstellen der Impfbescheinigung sowie den Materialkosten für den Impfstoff selbst plus Umsatzsteuer.
Da Praxen je nach Zeitaufwand, regionaler Lage und Schwierigkeit zwischen dem einfachen und dem dreifachen Gebührensatz abrechnen dürfen, liegt ein regulärer Impftermin beim Hund in der Praxis meist zwischen 45 und 110 Euro. Bei einem Welpen musst du im ersten Lebensjahr durch die drei bis vier Termine für die Grundimmunisierung entsprechend höhere Gesamtkosten einplanen. Viele Hundekrankenversicherungen beteiligen sich über ein jährliches Vorsorgebudget an den Impfkosten.
Häufig gestellte Fragen
Welche Impfungen sind für Hunde in Deutschland Pflicht?
Innerhalb Deutschlands gibt es für Hunde keine gesetzliche Impfpflicht. Dennoch empfiehlt die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) dringend, jeden Hund durch die sogenannten Core-Impfungen dauerhaft gegen Staupe, Parvovirose und Leptospirose zu schützen. Sobald du mit deinem Hund ins europäische Ausland reist, wird die Tollwutimpfung gesetzlich zur Pflicht. Sie muss mindestens 21 Tage vor Reiseantritt erfolgt und im blauen EU-Heimtierausweis dokumentiert sein.
Was bedeutet die Abkürzung SHPPi + L4 im Impfpass?
Diese Buchstabenkombination bezeichnet die gängigste Mehrfachimpfung beim Hund. Das S steht für Staupe, H für Hepatitis contagiosa canis (ansteckende Leberentzündung), P für Parvovirose und Pi für Parainfluenza (einen viralen Auslöser des Zwingerhustens). Das Kürzel L4 zeigt an, dass zusätzlich ein moderner Impfstoff gegen vier relevante Stämme von Leptospiren (Leptospirose) verabreicht wurde. Steht am Ende noch ein T, war auch die Tollwutkomponente enthalten.
Muss mein Hund wirklich jedes Jahr zum Impfen?
Ein jährlicher Besuch zum Impfgespräch ist für die meisten Hunde weiterhin notwendig, allerdings wird nicht mehr jedes Jahr gegen alles geimpft. Während die Impfstoffe gegen Staupe, Parvovirose, Hepatitis und meist auch Tollwut nach abgeschlossener Grundimmunisierung nur alle drei Jahre aufgefrischt werden müssen, hält der Schutz gegen die bakterielle Leptospirose (L4) und gegen Zwingerhusten (Pi/Bordetella) nur rund zwölf Monate an. Diese Komponenten erfordern daher eine jährliche Auffrischung.
Wie oft muss die L4 Impfung beim Hund wiederholt werden?
Wenn dein Hund zum ersten Mal im Leben den modernen L4-Impfstoff erhält (egal ob als Welpe oder bei einer Umstellung im Erwachsenenalter), sind für die Grundimmunisierung zwei Injektionen im Abstand von drei bis vier Wochen sowie eine weitere Impfung nach einem Jahr erforderlich. Danach wird die L4-Impfung einmal jährlich aufgefrischt, idealerweise im Frühjahr, bevor die wärmere Jahreszeit mit erhöhtem Pfützen- und Infektionsrisiko beginnt.
Kann ich auch ältere Hunde oder Tierschutzhunde ohne Impfpass noch impfen lassen?
Ja, das ist problemlos möglich und sehr wichtig. Kommt ein erwachsener Hund mit unbekannter Impfhistorie zu dir, benötigt er eine angepasste Grundimmunisierung. Da er im Gegensatz zum Welpen keine mütterlichen Antikörper mehr im Blut hat, reicht bei den Lebendimpfstoffen gegen Staupe und Parvovirose oft schon eine einmalige Injektion (gefolgt von einer Auffrischung nach einem Jahr), um einen belastbaren Schutz aufzubauen. Bei dem inaktivierten Leptospirose-Impfstoff (L4) sind hingegen auch beim erwachsenen Hund zunächst zwei Gaben im Abstand von etwa vier Wochen nötig.
Gut informiert durch das Hundeleben
Ein durchdachter Impfplan schützt deinen Vierbeiner zuverlässig vor schweren Infektionskrankheiten, ohne seinen Körper mit überflüssigen Injektionen zu belasten. Wenn du gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt einmal im Jahr prüfst, wie euer Alltag aussieht, welche Reisen anstehen und welche Komponenten im Impfpass aktuell fällig sind, triffst du eine sichere und verantwortungsvolle Entscheidung für ein langes Hundeleben.
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