Anhaltender Hunde-Mundgeruch (Halitosis) entsteht in den allermeisten Fällen durch bakterielle Zahnbeläge, Zahnstein und schmerzhafte Zahnfleischentzündungen in der Maulhöhle. Riecht der Atem jedoch dauerhaft säuerlich, süßlich oder nach Urin, deutet dies oft auf ernste innere Erkrankungen von Magen, Nieren oder Stoffwechsel hin, die zwingend tierärztlich abgeklärt werden müssen.
| Geruchsnote & Merkmal | Typische Ursache & Einordnung |
|---|---|
| Faulig, schwefelig oder fischig | Bakterielle Zahnbeläge (Plaque), Zahnstein, Zahnfleischentzündung (Gingivitis), Parodontitis oder ein Zahnabszess. |
| Metallisch oder leicht blutig | Schleimhautblutungen im Maul, häufig harmlos während des Zahnwechsels bei Welpen oder durch kleine Verletzungen. |
| Säuerlich oder bitter | Probleme im Magen-Darm-Trakt wie Magenschleimhautentzündung, Sodbrennen, Reflux oder Futterunverträglichkeiten. |
| Streng nach Urin oder Ammoniak | Akutes Warnsignal für eine Niereninsuffizienz, bei der harnpflichtige Stoffe über die Atemluft abgeatmet werden. |
| Süßlich-fruchtig (wie Nagellackentferner) | Hinweis auf eine gefährliche Stoffwechselentgleisung bei unentdecktem oder schlecht eingestelltem Diabetes mellitus. |
| Kurzzeitig streng nach Futter oder Kot | Kein Krankheitswert; entsteht direkt nach dem Fressen von Pansen, Fisch oder durch das Aufnehmen von Kot (Koprophagie). |
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Warum entsteht Hunde-Mundgeruch? Der Unterschied zwischen harmlos und krankhaft
Nicht jeder schlechte Atem beim Hund ist ein Fall für die Notaufnahme. Hat dein Vierbeiner gerade frischen Pansen, Trockenfisch oder ein Stück Käse gefressen, ist ein strenger Geruch aus dem Fang völlig normal. Auch Hunde, die beim Spaziergang unbeobachtet Kot von anderen Tieren aufnehmen oder sich bei gereizten Analdrüsen intensiv am Hinterteil lecken, riechen anschließend unangenehm aus dem Maul. Das entscheidende Kriterium für eine harmlose Ursache ist die Dauer: Der Geruch verfliegt nach einigen Stunden von selbst, sobald das Maul durch den Speichelfluss gereinigt und der Mageninhalt weitertransportiert wurde.
Anders verhält es sich bei chronischem Hunde-Mundgeruch, den Tiermediziner als Halitosis oder Foetor ex ore bezeichnen. Hält der üble Geruch über Tage und Wochen unvermindert an, liegt fast immer ein medizinisches Problem zugrunde. Chemisch betrachtet sind für den typischen fauligen Gestank flüchtige Schwefelverbindungen verantwortlich. Sie entstehen, wenn anaerobe Bakterien – also Keime, die ohne Sauerstoff leben – Proteine aus Nahrungsresten, Speichel oder absterbendem Gewebe zersetzen.
Eine wissenschaftliche Untersuchung von Veterinärmedizinerinnen der Freien Universität Berlin an 100 Hunden zeigte dabei einen deutlichen Unterschied zum Menschen: Während beim Menschen meist Beläge auf der Zunge für schlechten Atem sorgen, sitzen die geruchsbildenden Bakterien beim Hund fast ausschließlich an den Zähnen und in den Zahnfleischtaschen. Bei allen untersuchten Hunden mit wahrnehmbarem Mundgeruch ließen sich stark erhöhte Schwefelwerte messen, die direkt mit Zahnerkrankungen zusammenhingen. Da Hunde Schmerzen im Maulbereich extrem lange verbergen und oft selbst mit vereiterten Zahnwurzeln noch ihr tägliches Futter fressen, ist der unangenehme Atem für Halter meist das erste und lange Zeit einzige Warnsignal.
Ursachen in der Maulhöhle: Von Zahnbelag bis Parodontitis
In rund neun von zehn Fällen liegt der Auslöser für dauerhaften Hunde-Mundgeruch direkt in der Maulhöhle. Der Prozess beginnt schleichend und schmerzfrei, entwickelt sich ohne Eingreifen jedoch zu einer ernsthaften Belastung für den gesamten Organismus.
Plaque, Zahnstein und Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
Nach jeder Mahlzeit bildet sich auf der Zahnoberfläche innerhalb weniger Stunden ein weicher, klebriger Biofilm aus Speicheleiweißen, Futterresten und Bakterien – die sogenannte Plaque. Wird dieser Belag nicht mechanisch durch kräftiges Kauen oder Zähneputzen abgerieben, lagern sich Mineralien wie Kalzium- und Phosphatsalze aus dem Speichel darin ein. Beim Hund mineralisiert Plaque deutlich schneller als beim Menschen: Schon nach wenigen Tagen verhärtet sich der Belag zu festem, gelblich-braunem Zahnstein.
Der Zahnstein selbst riecht eigentlich nicht, da er aus totem mineralischem Material besteht. Allerdings ist seine Oberfläche mikroskopisch rau wie Sandpapier. Darauf können sich neue Plaquebakterien noch leichter ansiedeln und ungestört vermehren. Das Immunsystem des Hundes reagiert auf diese Bakterienflut am Zahnfleischrand mit einer Abwehrreaktion: Es entsteht eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), erkennbar an einem deutlichen roten Saum rund um den Zahn und gelegentlichem Zahnfleischbluten. In diesem Stadium ist der Prozess durch konsequente Reinigung noch vollständig umkehrbar.
Parodontitis: Wenn es für den Körper gefährlich wird
Bleibt die Zahnfleischentzündung unbehandelt, wandern die sauerstoffscheuen Bakterien unter den Zahnfleischrand in die Tiefe. Es bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen, in denen sich Futterreste und Eiter sammeln – der Hund riecht nun durchdringend faulig aus dem Maul. Wie die Bundestierärztekammer erläutert, spricht man von einer Parodontitis, wenn infolge dieser Entzündung die Verbindung zwischen Zahn und Zahnbett zerstört wird, sich das Zahnfleisch zurückbildet und die Zähne schließlich locker werden.
Dieser Zustand verursacht nicht nur starke chronische Zahnschmerzen, sondern gefährdet die allgemeine Gesundheit. Über das permanent entzündete, durchlässige Zahnfleisch gelangen die Bakterien und ihre Toxine direkt in die Blutbahn des Hundes. Langzeitdaten aus der Tiermedizin belegen, dass Hunde mit fortgeschrittener Parodontitis ein deutlich erhöhtes Risiko für Entzündungen an den Herzklappen (Endokarditis) sowie für Schäden an Leber und Nieren aufweisen.
Fremdkörper, Verletzungen, Lefzenekzeme und Tumore
Tritt ein fauliger Hunde-Mundgeruch sehr plötzlich innerhalb weniger Tage auf, steckt oft kein langsam gewachsener Zahnstein dahinter, sondern ein akutes lokales Geschehen:
- Eingeklemmte Fremdkörper: Beim Kauen auf Stöckchen oder Knochen können sich Holzsplitter oder Knochenstücke quer zwischen die Backenzähne im Oberkiefer oder in das Gaumendach keilen. Darunter sammelt sich Futter, das Gewebe stirbt ab und beginnt binnen kürzester Zeit extrem übel zu riechen.
- Zahnfrakturen und Wurzelabszesse: Bricht beim Spielen mit harten Gegenständen (wie Steinen oder zu harten Kauartikeln) ein Stück Zahn ab, liegt oft die empfindliche Zahnhöhle frei. Bakterien dringen bis zur Wurzelspitze vor und bilden dort einen schmerzhaften Eiterherd.
- Lefzenekzem (Hautfaltendermatitis): Manchmal kommt der Geruch gar nicht aus dem Inneren des Mauls, sondern von den Lippen. Hunde mit ausgeprägten, hängenden Lefzen entwickeln in den feuchtwarmen Hautfalten der Unterlippe leicht chronische Entzündungen durch Bakterien und Hefepilze, die einen faulig-käseartigen Geruch verströmen.
- Maulhöhlentumore: Besonders bei älteren Hunden können gut- oder bösartige Zubildungen am Zahnfleisch (wie Epuliden oder Melanome) oder an den Mandeln auftreten. Da das schnell wachsende Gewebe an der Oberfläche oft geschwürig zerfällt und sich bakteriell infiziert, geht damit ein sehr intensiver, fauliger Geruch einher.
Welche Rassen und Altersgruppen sind besonders anfällig?
Ob und wie schnell ein Hund Zahnstein und Mundgeruch entwickelt, hängt stark von seiner Anatomie und Genetik ab. Kleine Hunderassen und Zwergrassen wie der Yorkshire Terrier, der Chihuahua oder der Zwergpudel leiden überproportional häufig und schon in jungen Jahren an massiven Zahnproblemen. Der Grund liegt im Kieferbau: Sie besitzen genau wie große Hunde 42 bleibende Zähne, haben dafür aber wesentlich weniger Platz im Kiefer. Die Zähne stehen extrem eng oder leicht gedreht (Kulissengebiss), sodass sich in den winzigen Zwischenräumen ständig Futterreste festsetzen und die natürliche Selbstreinigung durch Speichel und Zunge kaum funktioniert. Gleiches gilt für kurzköpfige (brachycephale) Rassen wie den Mops oder die Französische Bulldogge. Wer sich vor der Anschaffung über rassetypische Besonderheiten informieren möchte, kann dafür den Rassen-Finder nutzen.
Eine besondere Altersgruppe sind zudem Junghunde zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. In dieser Zeit findet der Zahnwechsel statt: Die 28 Milchzähne fallen aus und machen Platz für das bleibende Gebiss. Das Zahnfleisch ist in dieser Phase oft aufgelockert, gereizt und blutet leicht, was dem Atem eine charakteristische metallische, manchmal auch leicht fischige Note verleiht. Das ist in der Regel harmlos und verschwindet, sobald alle Zähne durchgebrochen sind. Wachsen die neuen Fangzähne jedoch schon heraus, während die Milcheckzähne noch fest im Kiefer sitzen (persistierende Milchzähne), bildet sich dazwischen eine Schmutznische, die schnell zu Entzündungen und starkem Mundgeruch führt. Solche verbliebenen Milchzähne müssen zeitnah tierärztlich gezogen werden.
Wenn der Geruch von innen kommt: Organerkrankungen am Atem erkennen
Zeigt ein Blick ins Hundemaul saubere, weiße Zähne und blassrosa, gesundes Zahnfleisch, ist ein anhaltender Mundgeruch ein noch ernsteres Warnsignal. Dann stammt der Geruch meist aus den tieferen Atemwegen, dem Verdauungstrakt oder entsteht durch Stoffwechselgifte im Blut, die über die Lunge abgeatmet werden. Wie Fachkliniken wie AniCura Deutschland und das Gesundheitszentrum für Kleintiere Lüdinghausen beschreiben, gibt die genaue Geruchsqualität erste wichtige Hinweise auf das betroffene Organsystem:
Säuerlicher oder gäriger Geruch: Magen-Darm-Trakt und Fütterung
Riecht der Hund vor allem beim Aufstoßen oder Hecheln unangenehm säuerlich, bitter oder gärig, liegt die Ursache meist im oberen Verdauungstrakt. Häufige Auslöser sind eine akute oder chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis), eine Überproduktion von Magensäure (Sodbrennen) oder ein unvollständiger Verschluss des Mageneingangs (Reflux). Auch Futtermittelunverträglichkeiten, schwer verdauliche Futterkomponenten oder lange Fütterungspausen, die zu Nüchternerbrechen von gelbem Gallenschaum führen, machen sich durch säuerlichen Maulgeruch bemerkbar. In selteneren Fällen führen Aussackungen oder Bewegungsstörungen der Speiseröhre (wie ein Megaösophagus) dazu, dass Futterbrei vor dem Magen liegen bleibt und dort gärt.
Uringeruch (Ammoniak): Chronische Niereninsuffizienz
Verströmt der Atem deines Hundes einen strengen, stechenden Geruch nach Urin oder Ammoniak, handelt es sich um einen absoluten tiermedizinischen Notfall. Gesunde Nieren filtern harnpflichtige Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels – vor allem Harnstoff und Kreatinin – kontinuierlich aus dem Blut und scheiden sie über den Urin aus. Versagen die Nieren (etwa bei einer chronischen Niereninsuffizienz im Alter oder einer akuten Vergiftung), stauen sich diese Giftstoffe im Blutkreislauf an (Urämie). Der Körper versucht dann, den überschüssigen Harnstoff über die Schleimhäute und die Atemluft loszuwerden, wo er durch Bakterien zu stechend riechendem Ammoniak abgebaut wird. Oft schädigen diese Urämiegifte zusätzlich die Maulschleimhaut und verursachen dort schmerzhafte Geschwüre, die den Geruch weiter verstärken.
Süßlich-fruchtiger Geruch: Diabetes mellitus und Leberprobleme
Ein ungewohnt süßlicher, fast nach gärendem Obst oder Nagellackentferner (Aceton) riechender Atem deutet stark auf die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) hin. Fehlt dem Körper das Hormon Insulin, kann er den Zucker aus dem Blut nicht mehr in die Zellen schleusen. Um dennoch an Energie zu gelangen, stellt der Organismus auf einen Notfallstoffwechsel um und baut massiv Fettreserven ab. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper (wie Aceton), die das Blut übersäuern und über die Lunge abgeatmet werden. Dieser Zustand wird als diabetische Ketoazidose bezeichnet und ist lebensbedrohlich. Auch schwere Lebererkrankungen können den Stoffwechsel so stark beeinträchtigen, dass ein muffig-süßlicher bis erdiger Geruch in der Atemluft wahrnehmbar wird.
Weitere Ursachen im Rachen- und Nasenraum
Gelegentlich sitzen die Verursacher im Übergangsbereich zu den Atemwegen. Eine eitrige Mandelentzündung (Tonsillitis) oder ein tief im Rachen steckender Fremdkörper (wie eine Granne im Sommer) sorgt für fauligen Atem, begleitet von häufigem Schlucken, Würgen oder Räuspern. Auch chronische Nasennebenhöhlenentzündungen oder Fremdkörper in der Nase können eitrigen Geruch verursachen, der beim Hecheln wie Mundgeruch wirkt.
Wann musst du mit deinem Hund zum Tierarzt?
Grundsätzlich gilt: Jeder Mundgeruch, der länger als ein paar Tage anhält und sich nicht durch ein offensichtliches Futterereignis erklären lässt, gehört in der Tierarztpraxis vorgestellt. Keinesfalls abwarten solltest du, wenn neben dem schlechten Atem eines oder mehrere der folgenden Begleitsymptome auftreten:
- Verändertes Fressverhalten: Der Hund kaut plötzlich nur noch auf einer Kieferseite, lässt hartes Trockenfutter oder Kauartikel liegen, lässt Futterbrocken wieder aus dem Maul fallen oder weicht beim Fressen vor dem Napf zurück.
- Anzeichen von Maulschmerzen: Starkes, manchmal blutiges oder zähflüssiges Speicheln, häufiges Reiben mit der Pfote über den Fang, Reiben des Kopfes am Teppich oder deutliches Zurückzucken, wenn du ihn am Kopf streicheln willst.
- Sichtbare Veränderungen im Maul: Stark gerötetes, geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch, dicke braune Krusten auf den Zähnen, abgebrochene Zähne, Schwellungen unterhalb des Auges (typisch für Wurzelabszesse des großen Reißzahns) oder Wucherungen an der Schleimhaut.
- Systemische Warnzeichen (Organverdacht): Deutlich vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen (Polydipsie/Polyurie – typisch für Nierenprobleme und Diabetes), unerklärlicher Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, wiederkehrendes Erbrechen, Durchfall oder allgemeine Abgeschlagenheit und Apathie.
Praxis: Was bedeutet das konkret für dich und deinen Hund?
Wenn du bemerkst, dass dein Hund dauerhaft aus dem Maul riecht, hilft ein strukturiertes Vorgehen. Statt sofort zu vermeintlichen Wundermitteln zu greifen, steht zuerst die Ursachenforschung an, gefolgt von einer gezielten Behandlung und einer alltagstauglichen Vorsorge.
Schritt 1: Der erste Check zu Hause und die tierärztliche Diagnose
Wenn dein Hund es entspannt zulässt, hebe vorsichtig seine Lefzen an – auch ganz hinten im Bereich der großen Backenzähne. Achte auf gelb-braune Auflagerungen, einen roten Rand am Zahnfleisch, festgeklemmte Holzstücke oder entzündete Hautfalten an den Lippen. Greife einem Hund mit Verdacht auf Zahnschmerzen jedoch niemals mit Gewalt ins Maul, da selbst sehr friedliche Tiere bei plötzlichem Schmerz reflexartig zuschnappen können.
In der Tierarztpraxis folgt nach der allgemeinen Untersuchung der Maulhöhle bei Organverdacht meist eine Blut- und Urinuntersuchung, um Nieren-, Leber- und Blutzuckerwerte zu überprüfen. Liegt das Problem an den Zähnen (Zahnstein, Parodontitis, lockere Zähne), führt kein Weg an einer professionellen Zahnreinigung und Zahnsanierung vorbei. Wichtig zu wissen: Eine gründliche Zahnsteinentfernung beim Hund findet immer unter Vollnarkose (idealerweise Inhalationsnarkose) statt. Nur so kann der Tierarzt mit Ultraschallgeräten auch die kritischen Zahnfleischtaschen unter dem Zahnfleischrand schmerzfrei reinigen, die Zahnoberflächen anschließend glatt polieren (damit sich nicht sofort neuer Belag festsetzt) und mittels Dentalröntgen unsichtbare Wurzelschäden im Kieferknochen aufdecken. Angebote für „Zahnsteinentfernung ohne Narkose“ entfernen lediglich den sichtbaren Belag an der Zahnaußenseite – die krankmachenden Bakterien unter dem Zahnfleischrand bleiben dabei völlig unberührt.
Schritt 2: Hausmittel bei Hunde-Mundgeruch – was hilft wirklich und was ist nur Kosmetik?
In vielen Ratgebern werden bei Hunde-Mundgeruch Hausmittel wie gehackte Petersilie, Minze, Basilikum, Apfelstücke, Karotten oder Kokosöl empfohlen. Hier lohnt sich eine nüchterne Betrachtung:
Ist ein Hund völlig gesund und riecht lediglich nach einer Portion Pansen unangenehm, können etwas fein gehackte Petersilie im Futter oder ein Stück geriebener Apfel den Geruch tatsächlich kurzfristig mildern. Das in grünen Kräutern enthaltene Chlorophyll bindet gewisse Geruchsmoleküle, und ätherische Öle überdecken die Note kurzzeitig. Auch Kokosöl werden aufgrund der enthaltenen Laurinsäure leicht antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben.
Aber: Kein einziges dieser Hausmittel kann festen Zahnstein auflösen, eine tiefe Zahnfleischtasche reinigen, einen vereiterten Zahn heilen oder eine Niereninsuffizienz aufhalten. Wer bei krankhaftem Mundgeruch lediglich Kräuter füttert oder Maul-Sprays verwendet, betreibt reine Symptomkosmetik. Der Geruch wird für die menschliche Nase kurzzeitig übertüncht, während die Entzündung und die Schmerzen im Hundemaul ungebremst voranschreiten. Hausmittel gehören daher ausschließlich in die Schublade „Frischekick für nachweislich gesunde Hunde“.
Besondere Vorsicht gilt bei Zahnpflegeprodukten aus dem menschlichen Badezimmer: Verwende niemals Zahnpasta, Mundwasser oder Atemfrisch-Drops für Menschen bei deinem Hund. Viele dieser Produkte enthalten den Zuckeraustauschstoff Birkenzucker (Xylit/Xylitol), der für Hunde schon in kleinsten Mengen hochgiftig ist und zu einem lebensbedrohlichen Blutzuckerabfall sowie akutem Leberversagen führt. Auch hohe Fluoridkonzentrationen und scharfes Menthol sind für den Hundemagen ungeeignet, da Hunde die Paste nicht ausspucken, sondern herunterschlucken.
Schritt 3: Effektive Vorsorge durch Zähneputzen und Kauartikel
Sobald die Zähne gesund oder tierärztlich saniert sind, hast du es selbst in der Hand, neuen Mundgeruch zu verhindern. Der unangefochtene Goldstandard zur Vorbeugung von Plaque und Zahnstein ist das regelmäßige Zähneputzen. Studien zeigen, dass tägliches Putzen die Neubildung von Zahnstein drastisch reduziert.
- Gewöhnung und Technik: Nutze eine weiche Hundezahnbürste oder einen Fingerling und eine spezielle Hundezahnpasta (oft mit Geflügel- oder Leberwurstgeschmack). Gewöhne deinen Hund – idealerweise schon als Welpe – in winzigen Schritten über Wochen daran: erst nur die Paste vom Finger lecken lassen, dann sanft die Lefzen berühren, später mit kreisenden Bewegungen die Zahnaußenseiten bürsten. Die Innenseiten der Zähne reinigt der Hund weitgehend selbst mit seiner Zunge.
- Natürlicher Abrieb durch Kauen: Unterstützend hilft alles, was den Hund zu langem, intensivem Kauen anregt. Zähe Naturkauartikel wie getrocknete Rinderkopfhaut oder spezielle Zahnpflege-Kauartikel reiben weiche Plaque mechanisch von den Zähnen ab und regen gleichzeitig den Speichelfluss an, der das Maul spült. Achte darauf, dass Kauartikel nicht steinhart sind (wie massive Tragknochen oder Geweihstücke), da diese zu schmerzhaften Zahnfrakturen führen können.
- Angepasste Fütterung: Neigt dein Hund zu säuerlichem Mundgeruch aus dem Magen, lohnt sich in Absprache mit dem Tierarzt ein Blick auf die Futterzusammensetzung und das Fütterungsmanagement. Oft hilft es bereits, die Tagesration auf drei kleinere, leicht verdauliche Mahlzeiten zu verteilen, damit der Magen nicht über Stunden leer läuft und übersäuert.
Häufig gestellte Fragen
Warum riecht mein Hund plötzlich fischig aus dem Maul?
Ein fischiger Geruch aus dem Hundemaul hat meist eine von zwei Ursachen: Entweder leidet der Hund an einer fortgeschrittenen Zahnfleischentzündung beziehungsweise einem Zahnwechsel, bei dem bestimmte Bakterien fischig riechende Abbauprodukte erzeugen. Oder der Hund hat volle, entzündete Analdrüsen. Da das Sekret der Analbeutel extrem fischig riecht und betroffene Hunde sich wegen des Juckreizes ständig am Hinterteil lecken, überträgt sich dieser Geruch direkt auf den Fang.
Ist Mundgeruch bei Welpen normal?
Ja, während des Zahnwechsels zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat ist ein leichter, oft metallischer bis leicht fauliger Mundgeruch bei Welpen häufig und meist unbedenklich. Durch das Lockern der Milchzähne und das Durchbrechen der bleibenden Zähne ist das Zahnfleisch gereizt und blutet leicht. Hält der Geruch jedoch nach Abschluss des Zahnwechsels an oder ist er sehr intensiv, sollte ein Tierarzt prüfen, ob nicht ausgefallene Milchzähne oder Entzündungen vorliegen.
Kann falsches Hundefutter Mundgeruch verursachen?
Das Futter beeinflusst den Atem auf zwei Wegen. Zum einen bleibt sehr weiches, klebriges Futter ohne jegliche Kaubelastung leichter an den Zähnen haften und fördert die Bildung von Plaque, wenn die Zähne nicht geputzt werden. Zum anderen können schwer verdauliche Inhaltsstoffe, ein zu hoher Fettgehalt oder Futtermittelunverträglichkeiten zu einer Magenübersäuerung und gestörten Darmflora führen, was sich durch säuerliches Aufstoßen und schlechten Atem bemerkbar macht.
Was kostet eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt?
Die Kosten für eine Zahnsteinentfernung beim Hund richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und hängen stark vom individuellen Aufwand ab. Da für eine gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen eine Narkose, eine Überwachung der Vitalfunktionen sowie Voruntersuchungen nötig sind und je nach Befund zusätzlich Dentalröntgenbilder oder Zahnextraktionen anfallen, bewegt sich der Preisrahmen meist im Bereich von einigen hundert Euro. Deine Tierarztpraxis kann dir nach einer Voruntersuchung der Maulhöhle einen genauen Kostenvoranschlag erstellen.
Wie oft sollte ich meinem Hund die Zähne putzen?
Tierärzte empfehlen im Idealfall tägliches Zähneputzen, zumindest aber mehrmals pro Woche. Der Grund liegt in der Biologie des Hundespeichels: Weicher Zahnbelag (Plaque) beginnt beim Hund bereits nach etwa drei bis fünf Tagen durch eingelagerte Mineralien zu festem Zahnstein zu verhärten. Werden die Zähne nur einmal im Monat geputzt, hat sich der Belag längst verfestigt und lässt sich mit einer Zahnbürste nicht mehr entfernen.
Ein gesunder Hund sollte nicht dauerhaft unangenehm aus dem Maul riechen. Wenn du Veränderungen im Atem deines Vierbeiners frühzeitig ernst nimmst und tierärztlich abklären lässt, ersparst du ihm nicht nur stille Zahnschmerzen, sondern erkennst auch innere Erkrankungen genau dann, wenn sie noch gut behandelbar sind. Wenn du dich weiter über die Gesundheit, Pflege oder die Besonderheiten verschiedener Hunderassen informieren möchtest, findest du auf HonestDog viele weitere fundierte Ratgeber und Rasseprofile, die dich im Alltag mit deinem Hund begleiten.



