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Wie Züchter Rassen gesünder machen

Gesundheitstests, gesündere Standards, neue Gene aus anderen Rassen: Was Zuchtvereine, Kennelclubs und Gerichte gegen Qualzucht tun – was es bisher bringt und wo die Grenzen liegen.

Kurz erklärt

Verantwortungsvolle Züchter arbeiten auf drei Wegen: Sie wählen Elterntiere nach Gesundheitstests aus, sie richten Standards und Schauen auf gesunde Körperformen aus, und sie holen bei zu kleinem Genpool gezielt neue Gene aus anderen Rassen. Alle drei Wege sind langsam, und keiner ersetzt den Test am einzelnen Hund.

Worauf gesündere Zucht hinarbeitet

Illustration: derselbe Hundekopf mit extrem kurzer Schnauze, Nasenfalte und verengten Nasenlöchern
Illustration: Kopf eines kurzköpfigen Hundes mit längerer Schnauze und offenen Nasenlöchern
Längere SchnauzeExtrem kurzKI-Illustration

Worauf Atemtests und Einkreuzungen hinarbeiten: eine längere Schnauze und offene Nasenlöcher. Die Illustration zeigt ein Ziel – keinen bestimmten Hund und kein bestimmtes Zuchtprojekt.

Die Illustrationen sind KI-generiert und redaktionell geprüft. Sie zeigen keinen echten Hund, sondern machen den Unterschied sichtbar.

Drei Wege zu gesünderen Hunden

Zucht kann Qualzucht-Merkmale verstärken – und sie kann sie auch wieder abschwächen. Dafür gibt es im Kern drei Wege, die sich ergänzen.

Keiner davon wirkt schnell. Tests helfen nur, wenn viele Züchter mitmachen; bei Einkreuzungen dauert es mehrere Generationen, bis man weiß, ob der Gewinn bleibt. Und für den einzelnen Hund zählt am Ende immer der Befund – nicht die Rasse und nicht das Projekt, aus dem er stammt.

  1. 1Auswahl innerhalb der Rasse: Verpaart werden nur Hunde mit guten Testergebnissen, etwa beim Atem-, Hör- oder Herztest.
  2. 2Gesündere Zuchtziele: Rassestandards, Richter und Schauen belohnen gesunde Körperformen statt Übertreibung.
  3. 3Neue Gene von außen: Wo der Genpool zu klein ist oder ein Problem in fast allen Hunden einer Rasse steckt, kreuzen Vereine gezielt eine andere Rasse ein.

Zuchtauswahl innerhalb der Rasse: Tests, die etwas bewirken

Der wichtigste Hebel ist, nur Hunde zu verpaaren, deren Gesundheit gemessen wurde. Das funktioniert nachweislich – aber langsam, und nur dort, wo der Test zum Hauptproblem der Rasse passt und viele Züchter ihn nutzen.

Atmung: Für kurzköpfige Rassen ist das Respiratory Function Grading (RFG) der Universität Cambridge und des britischen Kennel Club der Standardtest. Ein geschulter Tierarzt hört die Atmung in Ruhe ab, lässt den Hund drei Minuten zügig laufen und hört danach erneut ab. Das Ergebnis ist ein Grad von 0 (keine Anzeichen) bis 3 (schwer betroffen); getestet wird ab zwölf Monaten, etwa alle zwei Jahre erneut. Eine Auswertung von 4.301 Testergebnissen zeigt, dass der Atemgrad mäßig erblich ist – bei der Französischen Bulldogge stärker (0,45) als bei Mops (0,28) und Englischer Bulldogge (0,21). Die Autoren folgern, dass gezielte Auswahl die Atmung innerhalb der Rasse verbessern kann; die Daten stammen allerdings aus freiwilligen Tests (Ilska et al. 2026).

Laut VDH setzen seine Zuchtvereine für Mops, Französische und Englische Bulldogge seit Jahren Belastungs- und Atemtests ein, zunehmend den Laufband-Fitnesstest der Tierärztlichen Hochschule Hannover und das Cambridge-RFG. Gut dokumentiert ist das Beispiel des Clubs für den Mops: Zur Zucht zugelassen werden dort nur Hunde mit RFG-Grad 0 oder 1, Röntgenbefund der Wirbelsäule im Grad 0 bis 1, ohne Patellaluxation, mit unauffälligem Gentest auf die Mops-Enzephalitis (NME), mit Augenuntersuchung und ohne doppelte Vorfahren im Stammbaum.

Hören: Taubheit bei weißem Fell lässt sich nicht per Gentest erkennen, aber messen – mit dem Hörtest BAER, ab einem Alter von etwa fünf Wochen. Er findet auch einseitige Taubheit, die Halter oft nicht bemerken. In Großbritannien wurden von 1992 bis 2019 fast 9.000 Dalmatiner-Welpen getestet; der Anteil tauber Welpen sank von etwa 23,5 Prozent (1993 bis 1995) auf 13,7 Prozent (2015 bis 2018). Die Autoren führen das auf die Auswahl nach Testergebnissen zurück. Ehrlich dazu: Noch immer ist etwa jeder siebte getestete Welpe betroffen, und bis 2018 machten nur rund 30 Prozent der Züchter mit (Lewis et al. 2020).

Herz und Nerven: Beim Cavalier King Charles Spaniel führte Dänemark ein verpflichtendes Zuchtprogramm mit Herzuntersuchungen ein. Hunde aus dem Programm hatten 2010/11 ein um 73 Prozent geringeres Risiko für ein Herzgeräusch als 2002/03 (Birkegård et al. 2016) – der stärkste veröffentlichte Beleg, dass ein Zuchtprogramm eine Krankheit in einer solchen Rasse senkt. Eine Auswertung des schwedischen Programms fand dagegen über einen kurzen Zeitraum keine Verbesserung. Für Chiari-Malformation und Syringomyelie gibt es in Großbritannien ein MRT-Schema, bei dem zwei Gutachter die Bilder einstufen und Wiederholungsscans empfohlen werden.

Merle: Verantwortungsvolle Züchter verpaaren zwei Merle-Hunde nie miteinander, denn Doppelmerles haben ein hohes Risiko für Taubheit und Fehlbildungen der Augen. Weil ein Cryptic Merle einfarbig aussehen kann, werden beide Elterntiere per Gentest untersucht, der auch die Länge des Merle-Allels bestimmt. Der britische Kennel Club registriert Welpen aus Merle-mal-Merle-Verpaarungen nicht.

Kurze Beine: Der CDDY-Gentest hilft nur in Rassen, in denen nicht jeder Hund die Genvariante trägt, etwa beim Shih Tzu. Beim Dackel würde eine strikte Auswahl gegen das Gen fast jeden Hund ausschließen und den Genpool weiter verkleinern. Dort gilt das Röntgen der Bandscheiben als besseres Werkzeug: Der dänische Dackelklub röntgt Zuchthunde seit 2003 und lässt nur Hunde mit weniger als fünf verkalkten Bandscheiben zur Zucht zu (Bruun et al. 2020).

ProblemPassender TestWas belegt ist
Atemnot bei kurzer NaseAtemtest RFG, ab 12 MonatenAtemgrad ist mäßig erblich – Auswahl kann helfen
Taubheit bei weißem FellHörtest BAER, ab etwa 5 WochenBritische Dalmatiner: Taubheit von etwa 23,5 % auf 13,7 % gesunken
DoppelmerleMerle-Gentest beider Eltern mit AllellängeNie Merle mit Merle verpaaren
Bandscheibenvorfall beim DackelRöntgen der Bandscheiben (24–48 Monate)Dänischer Dackelklub: Zucht nur mit weniger als fünf Verkalkungen
Herzklappe beim CavalierHerzuntersuchung im ZuchtprogrammDänemark: 73 % geringeres Risiko eines Herzgeräuschs

Neue Gene von außen: Outcross-Projekte

Wenn ein Problem in fast allen Hunden einer Rasse steckt, kann Auswahl innerhalb der Rasse es kaum noch beseitigen. Dann kreuzen manche Vereine gezielt eine andere Rasse ein und züchten die Nachkommen über mehrere Generationen zurück in die Rasse. Fachleute sprechen von Outcross oder Einkreuzung, die Rückführung heißt Rückkreuzung.

Dalmatiner: Das bekannteste Beispiel. Beim Dalmatiner führt eine einzelne rezessive Genvariante (SLC2A9) zu erhöhter Harnsäure im Urin, die Harnsteine begünstigt. 1973 verpaarte Dr. Robert Schaible einen Pointer mit einem Dalmatiner und kreuzte die Nachkommen über fünf Generationen und sieben Jahre zurück zu Dalmatinern. Die so entstandenen „Low Uric Acid“-Dalmatiner (LUA) lässt der britische Kennel Club seit 2010 unter Auflagen zur Registrierung zu, der American Kennel Club seit 2011. Das funktionierte, weil hinter dem Problem ein einziges Gen steckt, für das es einen DNA-Test gibt. Die kurze Schnauze hängt dagegen an vielen Genen – dort lässt sich dieser Erfolg nicht einfach übertragen.

Continental Bulldog: Die Rasse entstand in der Schweiz aus Englischer Bulldogge und Olde English Bulldogge. Die FCI hat sie am 30. März 2022 vorläufig anerkannt, verbunden mit der Pflicht zu Gesundheitsstatistiken. Ihr Standard verlangt eine Schnauze von etwa einem Drittel der Kopflänge, weit offene Nasenlöcher und lautloses Atmen selbst im schnellen Trab; Atemgeräusche sind ein disqualifizierender Fehler. Unabhängige Studien zur Atemfunktion oder zu Kaiserschnitten in dieser Rasse haben wir nicht gefunden – und ein Standard beschreibt ein Ziel, er ersetzt keinen Test am einzelnen Hund.

Retromops und Mops-Kreuzungen: Der Retromops entstand in Deutschland ab den 2000er-Jahren. Möpse wurden mit anderen Rassen gekreuzt, vor allem mit Jack Russell oder Parson Russell Terrier, außerdem mit Beagle, Zwergpinscher, Shiba Inu und Dänisch-Schwedischem Farmhund, um die Schnauze zu verlängern. Der Retromops ist keine von der FCI anerkannte Rasse, und der Name ist nicht geschützt – was so heißt, kann sehr unterschiedlich sein.

Die bisher beste Studie zu Mops-Kreuzungen stammt aus Großbritannien (Youens et al. 2026): 150 Hunde, je rund 50 Möpse, Kreuzungen aus Mops und Jack Russell Terrier und Kreuzungen aus Mops und Beagle. Keiner der Möpse erreichte Atemgrad 0, 53 Prozent hatten Grad 2 oder 3. Von den Jack-Russell-Kreuzungen hatten alle Grad 0, von den Beagle-Kreuzungen alle bis auf einen. Deutlich verengte Nasenlöcher hatten 22 Prozent der Möpse und keine der Kreuzungen; auch Augenprobleme (nach Angaben der Halter) und entzündete Nasenfalten kamen bei den Kreuzungen viel seltener vor. Die Autoren nennen die Grenzen selbst: Die meisten Kreuzungen waren erste Generation, ein Teil der Angaben stammt von den Haltern, untersucht wurde nur in Großbritannien, und der Atemtest ist für Mischlinge nicht validiert. Ob der Vorteil in späteren Generationen bleibt, ist offen. Eine frühere Untersuchung an sieben Retromöpsen, die alle einen Atemtest bestanden, ist für allgemeine Aussagen zu klein.

Finnland: Der finnische Kennelclub genehmigt seit 1997 Kreuzungsprojekte, nach festen Regeln: Vorschlagen muss sie ein Rasseclub, die Teilnahme ist freiwillig, und in vier Jahren dürfen höchstens 2 bis 5 Prozent der registrierten Hunde einer Rasse aus Kreuzungen stammen. Die erste Generation kommt in ein eigenes Register außerhalb der FCI; spätere Generationen können ins normale Register wechseln. Im Juni 2023 kamen Projekte für Cavalier und Französische Bulldogge dazu, 2026 eines für den Mops, der dort mit Retromöpsen gekreuzt wird; die Nachkommen müssen bis zur vierten Generation Gesundheitsuntersuchungen bestehen. Für die Französische Bulldogge gab es laut Projektseite des finnischen Rasseclubs bisher Würfe mit Papillon, Dänisch-Schwedischem Farmhund und Mittelspitz. Eine Kombination mit dem Jack Russell Terrier ist seit November 2024 genehmigt, ein Wurf wurde bisher nicht gemeldet.

Deutschland: Der VDH hat im November 2024 ein Outcross-Projekt des Französische-Bulldoggen-Vereins FBVD genehmigt, mit dem Papillon als Partnerrasse; der wissenschaftliche Beirat des VDH ist beteiligt. Alle beteiligten Hunde werden gesundheitlich untersucht, unter anderem auf erbliche Augenerkrankungen, und die Nachkommen werden in einem Anhang zum Zuchtbuch geführt. Als Grund nennt der Verein „frische Gene“, auch wegen der DVL2-Variante, die in der Rasse weitgehend fixiert ist und mit Korkenzieherrute und Keilwirbeln zusammenhängt. Ergebnisse sind bisher nicht veröffentlicht.

Norwegen: Dort führt der Kennelclub NKK selbst ein Kreuzungsprojekt für den Cavalier, als Antwort auf ein Gerichtsurteil (siehe unten). Die ersten fünf Würfe mit 26 Welpen kamen zwischen Juni und Oktober 2024 zur Welt – Cavalier-Hündinnen mit Kleinspitz- oder Tibet-Spaniel-Rüden. Die Elterntiere müssen unter anderem MRT- und Herzuntersuchungen vorweisen; die Nachkommen kommen in ein eigenes Zusatzregister.

Was ein Outcross nicht garantiert

Eine Einkreuzung kann in die richtige Richtung gehen, ist aber kein Gütesiegel. Ein Mischling ist nicht automatisch gesund – und ein Hund aus einem Kreuzungsprojekt auch nicht.

Umgekehrt gilt: Eine Genvariante, die fast alle Hunde einer Rasse tragen, wie DVL2 bei der Französischen Bulldogge, lässt sich ohne Hunde, die sie nicht tragen, kaum loswerden. Das würde Generationen und viele untersuchte Hunde brauchen.

Die wichtigsten Grenzen

  • Eine Kreuzung der ersten Generation trägt von jedem Elternteil eine Genkopie. Risikogene, die schon in einer Kopie wirken, bleiben: Eine einzige Kopie des FGF4-Retrogens auf Chromosom 12 erhöht bereits das Risiko für Bandscheibenvorfälle.
  • Die kurze Schnauze hängt an vielen Genen. Wie viel besser ein Hund atmet, hängt von der Partnerrasse ab, und ab der zweiten Generation mischen sich die Merkmale neu.
  • Zwei kurznasige Rassen zu kreuzen hilft nicht: Ein Frenchton aus Französischer Bulldogge und Boston Terrier löst das Atemproblem nicht.
  • Auch eine längere Nase braucht einen Atemtest. Innerhalb einer Rasse sagt die Schnauzenlänge wenig voraus, die Weite der Nasenlöcher deutlich mehr.
  • Partnerrassen bringen eigene Erbkrankheiten mit. Die beschriebenen Projekte sehen deshalb Gesundheitsuntersuchungen vor.
  • Für spätere Generationen gibt es bei fast keinem Projekt veröffentlichte Daten. Selbst der norwegische Kennelclub versteht das Urteil des Obersten Gerichts so, dass ein Kreuzungsprojekt nicht zwingend im Widerspruch dazu steht, wenn es in angemessener Zeit bessere Gesundheit zeigt.

Was Gerichte und Regeln verändern

Druck von außen beschleunigt, was in der Zucht sonst Jahrzehnte dauert. Das deutlichste Beispiel ist Norwegen – dort geht es um norwegisches Recht, nicht um deutsches.

Im Januar 2022 entschied das Bezirksgericht Oslo, dass die Zucht von Englischer Bulldogge und Cavalier King Charles Spaniel gegen das norwegische Tierschutzgesetz verstößt. Das Berufungsgericht hob das im November 2022 für die Bulldogge auf und bestätigte es für den Cavalier. Am 10. Oktober 2023 entschied das Oberste Gericht endgültig: Die Cavalier-Zucht in ihrer bisherigen Form ist rechtswidrig – obwohl es Herz- und MRT-Programme für die Rasse gibt. Die Englische Bulldogge darf weiter gezüchtet werden, aber nur mit Hunden mit Atemgrad 0 oder 1 und nach dem Zuchtprogramm des Rasseclubs.

Die Niederlande und Dänemark setzen auf Regeln statt Kreuzungen. In den Niederlanden dürfen seit August 2023 nur kurznasige Hunde in die Zucht, die sechs amtliche Kriterien erfüllen; eine Schnauze kürzer als 0,3 der Schädellänge schließt die Zucht aus. In Dänemark ist seit Juli 2025 vor der Zucht von Englischer und Französischer Bulldogge und Mops ein BOAS-Atemtest Pflicht.

Auch auf Schauen hat sich etwas bewegt. Der britische Kennel Club führt in seiner Liste „Breed Watch“ unter Kategorie 3 Rassen mit sichtbaren Merkmalen, die Gesundheit oder Wohlergehen gefährden können. Bei großen Meisterschaftsschauen und auf der Crufts müssen die Rassebesten dieser Rassen eine tierärztliche Untersuchung bestehen, bevor sie weiter antreten oder einen Championtitel bekommen. Seit dem 1. Januar 2025 gehören Französische Bulldogge und Basset Hound dazu; Bulldogge und Mops standen schon auf der Liste. Seit Oktober 2024 füllen die Richter auf Meisterschaftsschauen außerdem für alle Rassen einen Gesundheitsbericht aus.

In Deutschland dürfen Hunde mit erblich bedingten Qualzuchtmerkmalen seit 2022 nicht mehr ausgestellt werden (§ 10 Tierschutz-Hundeverordnung). § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet die Zucht, wenn zu erwarten ist, dass die Nachkommen erblich bedingt leiden – beurteilt wird das für jedes Tier und seine zu erwartenden Nachkommen. Ein Kreuzungsprojekt ändert an dieser Einzelfallprüfung nichts.

Genetische Vielfalt: Inzuchtkoeffizient, Deckrüden, Zuchtbücher

Wer Krankheiten wegzüchten will, braucht genug gesunde Hunde zur Auswahl. Viele Rassen haben aber einen kleinen Genpool, auch weil über Generationen wenige beliebte Deckrüden sehr viele Nachkommen hatten.

Eine Auswertung britischer Stammbäume am Imperial College ergab, dass 20.000 Boxer genetisch so vielfältig waren wie eine Population von etwa 70 Tieren, 12.000 Langhaarcollies wie eine von etwa 50. Häufig eingesetzte Deckrüden verbreiten rezessive Erbfehler schnell; die Forscher empfahlen, beliebte Rüden seltener einzusetzen und über Linien hinweg zu verpaaren (Calboli et al. 2008).

Bei kurzköpfigen Rassen ist die Lage besonders eng. Eine DNA-Studie an 102 Englischen Bulldoggen legt nahe, dass kaum noch genetische Vielfalt übrig ist: Bei 77 Prozent der Hunde lag der Inzuchtwert über dem, was man bei Nachkommen zweier Vollgeschwister erwartet. Die Autoren bezweifeln, dass Auswahl innerhalb der Rasse allein reicht. Es ist eine einzelne, kleine Studie (Pedersen et al. 2016).

Der Inzuchtkoeffizient (COI) gibt an, wie wahrscheinlich es ist, dass beide Kopien eines Gens von demselben Vorfahren stammen. Der britische Kennel Club veröffentlicht Durchschnittswerte je Rasse und einen Rechner für geplante Verpaarungen. Der Wert hängt aber davon ab, wie weit der Stammbaum zurückreicht, und kann die Inzucht unterschätzen, die DNA-Studien zeigen. Ein niedriger COI auf dem Papier ersetzt keine Gesundheitstests.

Offene oder halboffene Zuchtbücher holen neue Gene herein, ohne die Rasse aufzugeben. In Finnland kommen Kreuzungen erst in ein eigenes Register, Norwegen führt dafür ein Zusatzregister. Der Club für den Mops im VDH hat mit dem „Projekt Mops 2.0“ sein Zuchtbuch für Möpse aus anderen Verbänden geöffnet – nicht für andere Rassen –, um mehr genetische Vielfalt, eine längere Schnauze, weit offene Nasenlöcher und einen sportlicheren Körperbau zu erreichen. Nach drei Generationen können die Nachkommen direkt ins Zuchtbuch eingetragen werden.

Was du als Hundesuchende daraus mitnehmen kannst

Du musst keine Genetik studieren, um die richtigen Fragen zu stellen. Entscheidend ist, was am einzelnen Hund und an seinen Eltern tatsächlich gemessen wurde.

Worauf du achtest

  • Frag, welche Gesundheitstests der Rasseclub oder Tierärzte für diese Rasse empfehlen, und lass dir die Originalbefunde beider Elterntiere zeigen – mit Datum und Untersucher.
  • Tests helfen nur, wenn sie zum Hauptproblem der Rasse passen: Atemtest bei kurzen Nasen, Hörtest bei weiß gezeichneten Rassen, Merle-Gentest bei Merle-Rassen, Herz- und MRT-Untersuchungen, wo es sie gibt.
  • Sieh dir beide Elterntiere selbst an: ruhige Atmung in Ruhe und nach einem kurzen Spaziergang, klare Augen, Beine, die zur Rückenlänge passen.
  • Sei vorsichtig bei Namen, die nach Marke oder „gesund“ klingen, bei „seltenen Farben“ und bei Mischungen, die über ihr Aussehen verkauft werden. Ein neuer Name ist kein Befund.
  • Eine längere Nase, eine Kreuzung oder ein bekanntes Label ersetzt keine Untersuchung. Frag, was tatsächlich gemessen wurde.
  • Denk auch an Adoption: Mischlinge und Hunde aus dem Tierheim – oder eine Rasse ohne übertriebene Merkmale.

Diese Seite erklärt, sie ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Ob ein einzelner Hund betroffen ist, kann nur ein Tierarzt beurteilen.

Häufige Fragen

Werden Rassen durch Einkreuzen gesünder?

Manchmal, aber das ist noch nicht bewiesen. Eine britische Studie von 2026 fand bei Mops-Kreuzungen mit Jack Russell Terrier oder Beagle deutlich bessere Atemwerte als bei Möpsen. Die Hunde waren aber meist erste Generation, teils nach Angaben der Halter und nur in Großbritannien untersucht. Wie gut spätere Generationen sind, weiß man noch nicht. Ein Atemtest am einzelnen Hund bleibt nötig.

Ist ein Retromops gesünder als ein Mops?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. „Retromops“ ist keine von der FCI anerkannte Rasse und kein geschützter Name; wie lang die Schnauze ist, hängt vom einzelnen Hund ab. Eine britische Studie an Mops-Kreuzungen, meist der ersten Generation, fand deutlich bessere Atmung; über spätere Generationen weiß man kaum etwas. Entscheidend ist der Atemtest am einzelnen Hund, nicht der Name.

Gibt es Kreuzungen von Französischer Bulldogge und Jack Russell Terrier?

Als Zuchtprojekt genehmigt, aber ohne bekannten Wurf. Der finnische Kennelclub hat den Jack Russell Terrier 2023 als möglichen Partner aufgenommen; die Kombination wurde im November 2024 genehmigt, gemeldet ist noch kein Wurf. In Deutschland läuft ein VDH-Projekt mit dem Papillon, seit 2024 genehmigt. Ergebnisse liegen bei beiden noch nicht vor.

Was ist der Continental Bulldog?

Eine Schweizer Rasse, entstanden aus Englischer Bulldogge und Olde English Bulldogge. Die FCI hat sie am 30. März 2022 vorläufig anerkannt. Der Standard verlangt eine längere Schnauze und lautloses Atmen und schließt Hunde mit Atemgeräuschen aus. Uns sind keine unabhängigen Studien zur Atemfunktion bekannt; ein Standard ist kein Test.

Was hat Norwegen entschieden?

Das Oberste Gericht entschied am 10. Oktober 2023: Die Zucht des Cavalier King Charles Spaniels verstößt gegen das norwegische Tierschutzgesetz. Die Englische Bulldogge darf weiter gezüchtet werden, aber nur mit Atemgrad 0 oder 1 und nach dem Programm des Rasseclubs. Der norwegische Kennelclub startete danach ein Kreuzungsprojekt für den Cavalier. Das ist norwegisches, nicht deutsches Recht.

Helfen Gesundheitstests wirklich?

Ja, wenn viele Züchter sie nutzen. In Großbritannien sank der Anteil tauber Dalmatiner-Welpen nach Hörtests von etwa 23,5 Prozent (1993 bis 1995) auf rund 13,7 Prozent (2015 bis 2018). Dänemarks Herzprogramm senkte das Risiko eines Herzgeräuschs beim Cavalier um 73 Prozent. Die Erfolge kommen aber langsam und hängen an der Beteiligung.

Worauf kann ich bei der Suche nach einem gesunden Hund achten?

Lass dir die Originalbefunde beider Elterntiere zeigen, die zur Rasse passen, etwa Atem-, Hör-, Herz- oder Gentests. Sieh dir die Eltern an: ruhige Atmung, offene Nasenlöcher, proportionierte Beine. Sei skeptisch bei „seltenen Farben“ und neuen Markennamen. Ein Name ersetzt keinen Befund. Auch Mischlinge und Hunde aus dem Tierheim sind eine gute Option.

Quellen

Zuletzt geprüft am 30. September 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards

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