Merle und Doppelmerle: Warum Merle × Merle Qualzucht ist
Ein Merle-Elternteil ergibt das marmorierte Fell, das viele lieben – zwei Merle-Eltern können Welpen hervorbringen, die taub oder mit fehlgebildeten Augen zur Welt kommen.
Kurz erklärt
Merle ist ein Fellmuster, bei dem eine eingeschobene DNA-Sequenz im Pigmentgen PMEL das dunkle Pigment fleckig aufhellt. Eine Merle-Kopie ergibt das gewünschte marmorierte Fell. Erbt ein Welpe zwei Kopien, entsteht ein Doppelmerle: meist überwiegend weiß, mit deutlich erhöhtem Risiko für Taubheit und Augenfehlbildungen. Deshalb gilt Merle × Merle als Qualzucht.
Gesund gezüchtet oder extrem gezüchtet?


Schau auf Kopf und Augen: Beim Doppelmerle ist der Kopf fast ganz weiß, die Augen sind kleiner, blass und unregelmäßig geformt.
Die Illustrationen sind KI-generiert und redaktionell geprüft. Sie zeigen keinen echten Hund, sondern machen den Unterschied sichtbar.
Was ist Merle – einfach erklärt?
Merle ist ein Fellmuster, das aussieht wie marmoriert: Auf einem hellen, grau-blauen oder rötlichen Grund liegen dunkle Flecken. Es entsteht durch eine kleine Veränderung in einem Gen, das dem Körper beim Einfärben der Haare hilft. Hat ein Hund diese Veränderung einmal, sieht er gesund und besonders aus.
Stell dir das Gen wie einen Farbeimer mit einem Loch vor. Mit einem löchrigen Eimer und einem heilen Eimer malst du immer noch ein schönes, geflecktes Bild. Bekommt ein Welpe aber von Mama und Papa je einen löchrigen Eimer, fehlt fast überall die Farbe – der Hund wird größtenteils weiß.
Das Problem: Das Merle-Gen wirkt nicht nur auf das Fell. Bei zwei Kopien entwickeln sich oft auch Ohren und Augen nicht richtig – der Hund kann taub sein oder mit zu kleinen, fehlgebildeten Augen auf die Welt kommen. Deshalb verpaart man nie zwei Merle-Hunde miteinander.
Das Wichtigste in drei Sätzen
- Eine Merle-Kopie: marmoriertes Fell, in aller Regel ein gesunder Hund.
- Zwei Merle-Kopien (Doppelmerle): meist viel Weiß und ein hohes Risiko für Taubheit und Augenschäden.
- Ob ein Hund Merle trägt, sieht man nicht immer – nur ein Gentest zeigt es sicher.
Was passiert im Körper eines Doppelmerles?
Beim Doppelmerle (Genotyp M/M) ist nicht nur das Fell großflächig pigmentlos; zugleich treten Fehlbildungen an Innenohr und Auge auf – mit einem klaren Gen-Dosis-Effekt. Ursache ist eine kurze, rückwärts eingebaute SINE-Sequenz an der Grenze von Intron 10 und Exon 11 des Gens PMEL (früher SILV), die Clark und Kollegen 2006 als Auslöser des Merle-Musters nachgewiesen haben.
Nach heutigem Verständnis baut PMEL das Fasergerüst der Eumelanosomen, in denen das dunkle Pigment Eumelanin eingelagert wird. Je länger der Poly(A)-Schwanz der eingebauten Sequenz, desto häufiger wird die Erbinformation an einer falschen Stelle gespleißt und desto weniger funktionsfähiges PMEL entsteht. Weil sich die Länge in einzelnen Pigmentzellen spontan ändern kann, entstehen Flecken mit voller Farbe neben aufgehellten Bereichen. Rotes und gelbes Pigment (Phäomelanin) bleibt dagegen unverändert.
Im Innenohr sind bei Merle-Hunden Degenerationen beschrieben, die das Gehör ein- oder beidseitig einschränken. In einer Studie mit 153 Merle-Hunden (darunter nur wenige Doppelmerles), deren Gehör per BAER-Test gemessen wurde, waren von den einfachen Merles (Mm) 2,7 % einseitig und 0,9 % beidseitig taub. Bei den Doppelmerles (MM) waren es 10 % einseitig und 15 % beidseitig.
Am Auge beschreibt die Literatur bei Doppelmerles Mikrophthalmie (zu kleiner Augapfel), Mikrokornea, eine verengte oder aus der Mitte verlagerte Pupille (Korektopie), Katarakt und Kolobome – Gewebelücken, die in der Iris wie ein Schlüsselloch aussehen. In einer Versuchszucht mit Dackeln zeigten alle elf untersuchten Doppelmerles schwere, unterschiedlich ausgeprägte Augenfehlbildungen. Auch bei einfachen Merles wurden mildere Befunde beschrieben, etwa ein fehlendes Tapetum lucidum oder eine pigmentarme Netzhaut.
KI-IllustrationWas du auf der Illustration siehst
- 1Vollständige Iris – Die Regenbogenhaut bildet einen geschlossenen Ring, die Pupille sitzt mittig. So sieht ein normal entwickeltes Auge aus – auch bei den allermeisten einfachen Merles.
- 2Netzhaut – Die Netzhaut kleidet den Augenhintergrund aus. Bei Merle-Hunden wurden pigmentarme Netzhäute und ein fehlendes Tapetum lucidum beschrieben.
- 3Zu kleiner Augapfel – Mikrophthalmie: Der Augapfel ist angeboren zu klein und füllt die normal große Augenhöhle nicht aus. Das kann das Sehvermögen deutlich einschränken.
- 4Iriskolobom – Eine angeborene Gewebelücke unten in der Iris – sie sieht aus wie ein Schlüsselloch.
- 5Verlagerte Pupille – Korektopie: Die Pupille sitzt nicht in der Mitte der Iris. Sie gehört zu den Befunden, die bei Doppelmerles typisch sind.
Welche Rassen sind betroffen?
Merle kommt vor allem in Hüte- und Treibhunderassen und beim Dackel vor. Entscheidend ist nicht die Rasse, sondern die Verpaarung: Riskant wird es erst, wenn beide Eltern Merle tragen.
Nur bestimmte Farben
- Australian Shepherd
Blue Merle und Red Merle sind Standardfarben; die Zuchtordnung des Clubs für Australian Shepherd Deutschland (CASD) verbietet Merle × Merle ausdrücklich.
- Collie (Langhaar)
Blue Merle ist eine der drei Standardfarben; der Deutsche Collie-Club verbietet Blue Merle × Blue Merle ausdrücklich.
- Collie (Kurzhaar)
Gleiche Farbpalette wie beim Langhaar-Collie inklusive Blue Merle – und dieselbe Zuchtordnung des Deutschen Collie-Clubs.
- Shetland Sheepdog
Blue Merle ist anerkannte Standardfarbe; blaue oder blau gesprenkelte Augen sind bei Merles ausdrücklich zugelassen.
- Dackel
„Gefleckt“ (Tigerdackel) ist ein traditionelles Standard-Farbmuster; im Deutschen Teckelklub sind Tiger × Tiger nicht erlaubt und der Partner muss auf Merle getestet sein.
- Border Collie
Der Standard erlaubt viele Farben, Merle eingeschlossen – das Risiko betrifft nur Verpaarungen, bei denen beide Eltern Merle tragen.
- Deutsche Dogge
Die Farbe „Schwarz-Weiß gefleckt“ (Harlekin) beruht auf einer Merle-Kopie plus einer Variante im Gen PSMB7 – betroffen ist nur diese Farbvarietät.
- Catahoula Leopard Dog
Das typische Leopard-Muster ist Merle – umso wichtiger ist, dass nie zwei Merle-Hunde miteinander verpaart werden.
- Chihuahua
Der FCI-Standard erlaubt alle Farben außer Merle – Merle-Chihuahuas stammen aus Zuchten außerhalb dieser Regeln.
- Französische Bulldogge
Merle ist im FCI-Standard keine zugelassene Farbe; bei Merle-Frenchies kommt zur kurzen Nase ein zweites Risiko hinzu.
- Miniature American Shepherd
Blue Merle und Red Merle sind Standardfarben; der AKC rät davon ab, zwei Merle-Hunde miteinander zu verpaaren, weil Doppel-Merle-Welpen häufig Seh- und Hörschäden haben.
- Mudi
Der FCI-Standard lässt Merle („Cifra“) in allen Grundfarben zu; der Mudi Club rät, Merle-Hunde nicht miteinander zu verpaaren. Gelbe Mudis können Merle tragen, ohne es zu zeigen – ein Gentest der Elterntiere ist deshalb wichtig.
- Koolie (Australian Koolie)
Merle kommt bei Koolies häufig vor; der Koolie Club rät von Merle × Merle ab, da Doppel-Merle-Welpen ein reales Risiko für Seh- und Hörprobleme tragen. Ein Gentest der Elterntiere zeigt auch verdeckte Merle-Träger.
- Berger des Pyrenees
Der FCI-Standard erlaubt „Blau mit schwarzer Marmorierung“ (Harlekin oder Schieferblau) und lässt bei diesen Farben Glasaugen ausdrücklich zu; nur diese Farbe trägt das Merle-Risiko, und zwei Merle-Eltern sollten nie verpaart werden.
- Berger des Pyrénées (Kurzhaar)
Die Variante mit kurzhaarigem Gesicht teilt die Farbpalette der Langhaar-Variante, einschließlich Harlekin (Merle); das Risiko betrifft nur Verpaarungen, bei denen beide Eltern Merle tragen.
- Berger de Beauce
Die Farbe Harlekin beim Beauceron ist Merle; Harlekin × Harlekin gilt wegen schwerer Fehlbildungen bei Welpen als unzulässig, der französische Rasseclub (Club Les Amis du Beauceron) untersagt die Verpaarung zweier Merle-Träger. Betroffen ist nur diese Farbvariante.
- Welsh Corgi Cardigan
Blue Merle ist eine anerkannte Standardfarbe (blaue Augen sind nur bei Merles zulässig); betroffen sind nur Merle-Linien, und zwei Merle-Eltern sollten nie verpaart werden.
Woran erkennst du gesunde Merle-Linien?
Daran, dass die Merle-Genetik beider Eltern per DNA-Test belegt ist und höchstens ein Elternteil Merle trägt. Ein einfacher Merle-Welpe aus Merle × Nicht-Merle ist in aller Regel ein gesunder Hund – das Risiko entsteht fast ausschließlich bei Merle × Merle.
Verbände regeln das zum Teil schriftlich: Im Deutschen Teckelklub sind Paarungen Tigerteckel × Tigerteckel nicht erlaubt, und der Zuchtpartner eines Tigerteckels muss auf Merle getestet sein. Der Deutsche Collie-Club verbietet Blue Merle × Blue Merle. Die VDH-Zuchtordnung untersagt allgemein Farbverpaarungen, die aus Tierschutzsicht riskant sind.
Für die Französische Bulldogge vermitteln wir keine Züchter; für sie gilt, was auf der Seite zur kurzen Nase steht.
Deine Checkliste
- Lass dir den Merle-Gentest beider Eltern im Original zeigen – mit Allelbezeichnung (m, Mc, Mc+, Ma, Ma+, M, Mh), nicht nur „Merle positiv“.
- Mindestens ein Elternteil muss laut Test m/m sein. Bei Merle × Merle ist das Gespräch beendet.
- Auch einfarbige, rote, gelbe oder zobelfarbene Eltern in Merle-Rassen brauchen einen Test: Auf hellem Pigment ist Merle oft unsichtbar.
- Frag bei Cryptic- oder Atypical-Befunden nach, wie der Züchter damit umgeht – und bei viel genutzten Deckrüden, ob ein Mosaik ausgeschlossen wurde.
- Frag nach einem BAER-Hörtest der Welpen und einer Augenuntersuchung durch einen spezialisierten Tierarzt.
- Ein überwiegend weißer Welpe mit weißem Kopf und kleinen oder auffälligen Augen aus Merle-Eltern ist ein Warnsignal für einen Doppelmerle.
- Sei skeptisch bei Merle in Rassen, deren Standard die Farbe nicht vorsieht – etwa Chihuahua, Französische Bulldogge oder Zwergspitz. Die Herkunft des Merle-Gens ist dort meist unklar.
- Ein guter Züchter erklärt dir die Merle-Genetik von sich aus, mündlich und schriftlich.
Wie Züchter ganze Rassen gesünder machen – Tests, neue Gene und ihre Grenzen
Wie wird Merle vererbt?
Merle wird autosomal und unvollständig dominant vererbt: Eine Kopie (Mm) reicht für das Muster, zwei Kopien (MM) verstärken die Wirkung deutlich. Wie oft welche Welpen fallen, folgt den mendelschen Regeln – im Durchschnitt, nicht in jedem einzelnen Wurf.
Die Tabelle zeigt, warum Merle × Nicht-Merle unproblematisch ist und Merle × Merle nicht: Nur wenn beide Eltern eine Merle-Kopie weitergeben können, entstehen Doppelmerles. Die züchterische Seite – Verpaarungsplanung und Gentests – erklärt unser Züchter-Leitfaden zu Farbvererbung und Merle.
Erwartete Anteile der Welpen je Verpaarung
Klassisches Merle (M) und Nicht-Merle (m), Durchschnittswerte
| Verpaarung | Nicht-Merle | Merle | Doppelmerle |
|---|---|---|---|
| Nicht-Merle × Nicht-Merle | 100 % | 0 % | 0 % |
| Merle × Nicht-Merle | 50 % | 50 % | 0 % |
| Merle × Merle | 25 % | 50 % | 25 % |
Was sind Cryptic Merle, Atypical Merle und Harlequin Merle?
Es sind unterschiedlich lange Varianten derselben Merle-Insertion. Je kürzer sie ist, desto schwächer wirkt sie: Ein Cryptic Merle (Mc) trägt Merle, sieht aber einfarbig aus. Je länger, desto mehr Pigment fehlt – bis hin zu Harlequin Merle (Mh), bei dem Fellbereiche ganz weiß werden.
Langevin und Kollegen unterschieden 2018 anhand der Länge sechs Merle-Allele. Die Grenzen sind Richtwerte: Labore messen unterschiedlich, und eine andere Studie ordnete dieselbe Spannbreite vier Gruppen zu (cryptic, dilute, standard, harlequin).
Für dich zählen drei Punkte. Erstens: Merle kann unsichtbar sein – als Cryptic Merle oder als „Hidden Merle“ bei roten und gelben Hunden, auf deren Fell Merle kaum auffällt. Zweitens: Die Länge kann sich von einer Generation zur nächsten ändern, in einer Studie bei 4,6 % der Hunde. Drittens: Mosaike sind häufig; Langevin fand sie bei 16,6 % der untersuchten Hunde.
Auch der Harlekin der Deutschen Dogge ist verwandt, aber nicht dasselbe wie Harlequin Merle: Er entsteht aus einer klassischen Merle-Kopie plus einer zweiten Genvariante (PSMB7).
Merle-Allele nach Langevin et al. (2018)
| Allel | Länge der Insertion | Typisches Fellbild |
|---|---|---|
| m (Nicht-Merle) | keine Insertion | Kein Merle, einfarbig |
| Mc (Cryptic) | 200–230 bp | Kein Merle sichtbar |
| Mc+ (Cryptic+) | 231–246 bp | Kein Merle sichtbar |
| Ma (Atypical) | 247–254 bp | Kein Merle-Muster, Fell eher verdünnt oder bräunlich |
| Ma+ (Atypical+) | 255–264 bp | Verwaschenes, unscharfes Merle, oft verdünnt |
| M (Classic) | 265–268 bp | Klassisches Merle |
| Mh (Harlequin) | 269–280 bp | Wenig Merle, Bereiche bis ins Weiße aufgehellt |
Ist Merle × Merle in Deutschland verboten?
Nicht ausdrücklich, aber § 11b Tierschutzgesetz kann darauf angewendet werden: Merle wird im Gesetzestext nicht beim Namen genannt, doch die Vorschrift verbietet, Wirbeltiere zu züchten, wenn zu erwarten ist, dass Nachkommen erblich bedingt Schmerzen, Leiden oder Schäden erfahren, weil Körperteile oder Organe fehlen, untauglich oder umgestaltet sind. Die Behörde kann außerdem anordnen, Tiere unfruchtbar zu machen, deren Nachkommen solche Störungen erwarten lassen.
Wie § 11b auszulegen ist, beschreibt das meist auf 1999 datierte „Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen)“, an dem sich Behörden orientieren. Es ist eine fachliche Auslegungshilfe, kein Gesetz, und entstand vor den heutigen Merle-Gentests. Es führt das Merlesyndrom als eigenes Beispiel an und empfiehlt ein Zuchtverbot für Doppelmerles („Weißtiger“) und für den Paarungstyp Tiger × Tiger (Mm × Mm). Weil auch bei einfachen Merles Veränderungen der Sinnesorgane beschrieben wurden, rät es darüber hinaus, generell auf die Zucht mit dem Merle-Gen zu verzichten. Zuchtordnungen wie die des Teckelklubs und des Collie-Clubs erlauben Merle × Nicht-Merle dagegen weiterhin.
Seit dem 1. Januar 2022 verbietet § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung zudem, Hunde mit solchen erblich bedingten Merkmalen auf Ausstellungen und anderen Veranstaltungen zu zeigen, auf denen Hunde beurteilt werden. Ob ein bestimmter Hund darunter fällt, wird im Einzelfall beurteilt. Einen Doppelmerle zu halten, ist nicht verboten – die Verbote betreffen Zucht und Ausstellen.
In der Schweiz ist die Regel konkreter: Nach Art. 9 der Tierschutz-Zuchtverordnung des BLV sind Verpaarungen verboten, bei denen ein Sinnesverlust, namentlich Blindheit oder Taubheit, nicht ausgeschlossen werden kann. Die Regel lässt sich so lesen, dass sie Merle × Merle erfasst; ausdrücklich genannt wird Merle dort aber nicht, und beurteilt wird im Einzelfall.
Verwandte Krankheitsbilder
Die medizinischen Details – Symptome, Diagnose, Behandlung – findest du auf den Seiten zu den einzelnen Erkrankungen.
Diese Seite erklärt, sie ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Ob ein einzelner Hund betroffen ist, kann nur ein Tierarzt beurteilen.
Häufige Fragen
Was passiert bei Merle x Merle?
Im Durchschnitt erbt ein Viertel der Welpen von beiden Eltern eine Merle-Kopie und wird Doppelmerle. Diese Hunde sind meist überwiegend weiß und haben ein stark erhöhtes Risiko für Taubheit und Fehlbildungen der Augen wie Mikrophthalmie oder Kolobome. In einer Studie waren 25 % der Doppelmerles ein- oder beidseitig taub.
Ist Merle eine Qualzucht?
Das Merle-Muster selbst nicht automatisch, die Verpaarung Merle × Merle schon: Für sie empfiehlt das Qualzucht-Gutachten ein Zuchtverbot, und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz ordnet sie eindeutig § 11b Tierschutzgesetz zu. Das Gutachten rät sogar, generell auf Merle zu verzichten, weil auch einfache Merles Befunde an Ohr und Auge haben können – wenn auch deutlich seltener.
Was ist ein Cryptic Merle?
Ein Hund mit einer stark verkürzten Merle-Insertion (Mc), die kein sichtbares Muster erzeugt. Er sieht einfarbig aus, trägt genetisch aber Merle. Weil sich die Länge über Generationen verändern kann und Mosaike vorkommen, gehört auch ein vermeintlich einfarbiger Hund in einer Merle-Rasse vor der Zucht getestet.
Sind Merle-Hunde öfter taub?
Einfache Merles selten, Doppelmerles deutlich häufiger. In einer Studie mit 153 Hunden waren 3,6 % der einfachen Merles und 25 % der Doppelmerles ein- oder beidseitig taub. Ein BAER-Hörtest zeigt zuverlässig, ob ein Welpe hört.
Ist der Tigerdackel eine Qualzucht?
Der Tigerdackel ist ein einfacher Merle und ein traditionelles Farbmuster des Dackels. Qualzucht wird daraus bei der Verpaarung Tiger × Tiger – im Deutschen Teckelklub ist sie nicht erlaubt, und der Partner eines Tigerteckels muss auf Merle getestet sein. Mehr zur Rasse steht im Rasseprofil des Dackels.
Wie erkenne ich einen Doppelmerle?
Oft an viel Weiß im Fell, einem weißen oder fast weißen Kopf und kleinen, blassen oder unregelmäßig geformten Augen. Sicher ist nur der Gentest – manche Doppelmerles haben mehr Farbe als erwartet. Wenn beide Eltern Merle sind, solltest du immer nachfragen.
Was tun, wenn mein Hund ein Doppelmerle ist?
Lass Gehör (BAER-Test) und Augen tierärztlich untersuchen, damit du weißt, womit dein Hund lebt. Training und Alltag lassen sich dann auf seine Sinne abstimmen, etwa mit Handzeichen statt Rufen bei einem tauben Hund. Die Verantwortung für das Risiko liegt bei der Verpaarung, nicht bei dir oder deinem Hund.
Quellen
- American Kennel Club: Merle in Dogs – The Science Behind This Unique Coat Pattern
- Clark LA et al. (2006): Retrotransposon insertion in SILV is responsible for merle patterning of the domestic dog. PNAS 103(5)
- Strain GM et al. (2009): Prevalence of deafness in dogs heterozygous or homozygous for the merle allele. J Vet Intern Med 23(2)
- Langevin M et al. (2018): Merle phenotypes in dogs – SILV SINE insertions from Mc to Mh. PLoS One 13(9)
- Murphy SC et al. (2018): Length variations within the Merle retrotransposon of canine PMEL. Mobile DNA 9:26
- Dausch D et al. (1978): Augenveränderungen beim Merlesyndrom des Hundes. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 206(2)
- Clark LA et al. (2011): A missense mutation in the 20S proteasome β2 subunit of Great Danes having harlequin coat patterning. Genomics 97(4)
- BMEL (Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht): Gutachten zur Auslegung von § 11b TierSchG, meist auf 1999 datiert, Abschnitt Merlesyndrom
- TVT Merkblatt Nr. 141: Qualzucht und Erbkrankheiten bei Heimtieren – Schwerpunkt Hunde (2023)
- § 11b Tierschutzgesetz (Verbot von Qualzüchtungen)
- Schweiz: Verordnung des BLV über den Tierschutz beim Züchten (TSchZV, SR 455.102.4), Art. 9
- FCI-Standard Nr. 238: Mudi
- FCI-Standard Nr. 141: Berger des Pyrénées à poil long
- FCI-Standard Nr. 138: Berger des Pyrénées à face rase
- FCI-Standard Nr. 44: Berger de Beauce
- Club Les Amis du Beauceron: Le mariage entre deux sujets porteurs du gène merle est interdit
- Mudi Club UK: Mudipedia – standardised colours
- Koolie Club of Australia: Choosing a puppy
- American Kennel Club: Official Standard of the Miniature American Shepherd
- American Kennel Club: Official Standard of the Cardigan Welsh Corgi
Zuletzt geprüft am 30. September 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
Verwandte Themen


Weiß & Taubheit
Nicht jeder weiße Hund ist gefährdet – aber wo Pigmentzellen am Kopf fehlen, fehlen sie oft auch im Innenohr, und dann kann ein Welpe in seinen ersten Lebenswochen taub werden.
Mehr erfahren

Farbverdünnung
Blaue, graue und lilafarbene Hunde sehen besonders aus – doch dieselbe Genvariante, die ihre Farbe aufhellt, kann bei manchen Rassen das Fell dauerhaft brüchig machen.
Mehr erfahren

Ridge & Dermoidsinus
Der Haarkamm auf dem Rücken macht den Ridgeback unverwechselbar – und dieselbe Genveränderung erhöht das Risiko für einen Kanal in der Haut, der bis zum Rückenmark reichen kann.
Mehr erfahrenDu suchst einen Hund ohne diese Last?
Viele wunderbare Hunde warten im Tierschutz – und viele Rassen kommen ohne Qualzucht-Merkmale aus.