In Baden-Württemberg gelten drei Rassen per Verordnung als Kampfhunde (American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pit Bull Terrier) und bei neun weiteren kann die Eigenschaft als Kampfhund im Einzelfall vorliegen, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen. Rottweiler, Dobermann, Cane Corso, American Bulldog und American Bully stehen nicht auf der Liste. Für gelistete Kampfhunde brauchst du eine Haltungserlaubnis; ein Wesenstest kann die Kampfhundeeigenschaft kraft Rasse widerlegen, womit die Erlaubnispflicht entfällt. Dieser Ratgeber zeigt dir die komplette Liste, die Auflagen und die Hundesteuer in den großen Städten.
Listenhunde Baden-Württemberg auf einen Blick
- Kampfhunde kraft Rasse (§ 1 Abs. 2 PolVOgH): American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pit Bull Terrier und deren Kreuzungen
- Prüfung im Einzelfall bei Vorliegen von Anhaltspunkten (§ 1 Abs. 3): Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastín Español, Mastino Napoletano, Mastiff, Tosa Inu
- Nicht gelistet: Rottweiler, Dobermann, Cane Corso, American Bulldog, American Bully, Kangal. Jeder Hund kann nach Vorfällen aber individuell als gefährlich eingestuft werden.
- Pflichten: Haltungserlaubnis ab dem 6. Lebensmonat, berechtigtes Interesse, Führungszeugnis, Sachkundenachweis, Haftpflicht, Leinen- und Maulkorbpflicht
- Wesenstest: Ein bestandener Wesenstest widerlegt die Kampfhund-Eigenschaft kraft Rasse, sodass keine Erlaubnispflicht als Kampfhund mehr besteht
- Hundesteuer: 600 bis 816 € pro Jahr für Kampfhunde in Städten mit gesondertem Steuersatz; Freiburg erhebt keine gesonderte Kampfhundesteuer (120 € regulär)
Rechtsgrundlage
Polizeiverordnung des Innenministeriums und des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz über das Halten gefährlicher Hunde (PolVOgH) vom 3. August 2000, zuletzt geändert durch Gesetz vom 3. Februar 2021 (GBl. S. 53, 54).
Umgangssprachlich ist meist von Listenhunden die Rede — im Gesetzestext verwendet Baden-Württemberg, neben Bayern, als einziges Bundesland weiterhin den Begriff Kampfhund.
Welche Hunde als Listenhund gelten
Das Land arbeitet mit zwei Wegen:
Kampfhunde nach § 1 Abs. 2 PolVOgH (Vermutung kraft Rasse, widerlegbar durch Wesenstest): American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pit Bull Terrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden.
Kampfhunde im Einzelfall bei Anhaltspunkten (§ 1 Abs. 3 PolVOgH, Einzelfallprüfung): Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastín Español, Mastino Napoletano, Mastiff, Tosa Inu. Bei diesen Rassen greift keine gesetzliche Vermutung wie in Absatz 2; die Kampfhundeeigenschaft liegt nur vor, wenn im konkreten Fall Anhaltspunkte für eine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren gegeben sind.
Im Einzelfall gefährlich nach § 2 PolVOgH: Jeder Hund, der sich als bissig erwiesen, in aggressiver Weise Menschen oder Tiere angesprungen hat oder zum unkontrollierten Beißen oder Reißen neigt — unabhängig von der Rasse.
Nicht gelistet sind in Baden-Württemberg u. a. Rottweiler, Dobermann, Cane Corso, American Bully und American Bulldog — anders als in Bayern. Als Kreuzungen gelisteter Rassen prüft die Ortspolizeibehörde sie aber im Einzelfall.
Was Halter brauchen
- Haltungserlaubnis der Ortspolizeibehörde für Kampfhunde, sobald der Welpe sechs Monate alt ist
- Nachweis eines berechtigten Interesses an der Haltung
- Einwandfreies Führungszeugnis
- Sachkundenachweis des Halters
- Wesenstest des Hundes (Verhaltensprüfung zur Widerlegung der Kampfhundeeigenschaft kraft Rasse; bei Bestehen entfällt grundsätzlich die Erlaubnispflicht als Kampfhund)
- Hundehaftpflichtversicherung — Pflicht, Nachweis stets mitzuführen
Versicherung
Pflicht für Halter gefährlicher Hunde. Keine bundesweit fixierte Mindestdeckung; Marktstandard 1 Mio. € Personen- und Sachschäden.
Alltagsregeln
- Leinenpflicht außerhalb des eigenen Grundstücks
- Maulkorbpflicht für Kampfhunde und als gefährlich eingestufte Hunde
- Kennzeichnung mit Mikrochip
Hundesteuer-Beispiele
| Stadt | Erster Hund | Kampfhund / gefährlicher Hund |
|---|---|---|
| Stuttgart (ab 2026) | 144 € | 816 € |
| Karlsruhe (ab 2026) | 144 € | 720 € |
| Mannheim (ab 2026) | 144 € | 744 € |
| Heidelberg (ab 2026) | 144 € | 600 € |
| Freiburg | 120 € | kein gesonderter Steuersatz (120 €) |
Ansprechpartner
Ortspolizeibehörde der Stadt oder Gemeinde · Tierärztekammer Baden-Württemberg für Sachverständigenliste
Häufig gestellte Fragen zu Listenhunden in Baden-Württemberg
Ist der Cane Corso in Baden-Württemberg ein Listenhund?
Nein. Der Cane Corso steht weder in § 1 Abs. 2 noch in § 1 Abs. 3 der PolVOgH. Er gilt nur dann als gefährlich, wenn er sich im Einzelfall als bissig oder aggressiv erwiesen hat. Anders als in Bayern, wo er in Kategorie 2 steht.
Sind Rottweiler und Dobermann in Baden-Württemberg Listenhunde?
Nein. Beide Rassen sind in Baden-Württemberg nicht gelistet. Es gelten die normalen Regeln für Hundehalter, es sei denn, ein einzelner Hund wird nach einem Vorfall von der Ortspolizeibehörde als gefährlich eingestuft.
Ist der American Bulldog in Baden-Württemberg ein Listenhund?
Nein, der American Bulldog steht nicht auf der Liste. Die Ortspolizeibehörde prüft aber im Einzelfall, ob ein Hund eine Kreuzung aus gelisteten Rassen wie Pit Bull Terrier oder American Staffordshire Terrier ist.
Kann ich die Kampfhund-Einstufung widerlegen?
Ja. Bei den Rassen nach § 1 Abs. 2 kann eine bestandene Verhaltensprüfung (Wesenstest) die gesetzliche Vermutung der Kampfhundeeigenschaft widerlegen. Wird die Kampfhundeeigenschaft erfolgreich widerlegt, entfällt für das Tier grundsätzlich die Erlaubnispflicht nach der Kampfhundeverordnung (es sei denn, der Hund wird nach § 2 wegen konkreter Vorfälle als gefährlicher Hund eingestuft).
Wie hoch ist die Hundesteuer für Listenhunde in Baden-Württemberg?
Die Kommunen setzen den Satz selbst fest. In Stuttgart sind es ab 2026 816 € pro Jahr, in Karlsruhe 720 €, in Mannheim 744 € und in Heidelberg 600 €. In Freiburg hingegen beträgt die reguläre Hundesteuer für den Ersthund laut Satzung 120 € pro Jahr; eine gesonderte Kampfhundesteuer wird dort nicht erhoben.



